Olympia-Halbfinale! Deutschland deklassiert Qatar

Weitere
Mittwoch, 17.08.2016 // 20:00 Uhr

Halbfinale! Die "Bad Boys" haben auch im olympischen Handball-Turnier wieder zugeschlagen: Im Viertelfinale setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach einer überragenden zweiten Halbzeit gegen den Vize-Weltmeister Qatar durch und revanchierte sich mit einem 34:22 (16:12)-Kantersieg für die ominöse Niederlage im WM-Viertelfinale 2014. Am Freitag nun greift die DHB-Auswahl nach den Medaillen: Der Gegner im Viertelfinale ist Titelverteidiger Frankreich.

Dissinger muss im Krankenhaus bleiben

Die deutsche Mannschaft musste in dem zur Revanche für das mit 24:26 verlorene WM-Halbfinale 2014 erklärte Viertelfinalspiel auf Christian Dissinger verzichten: Der Kieler Rückraumspieler hatte sich beim Vorrunden-Abschluss einen Pferdekuss zugezogen, der die Durchblutung des Beins behinderte und sofort operativ behandelt werden musste. "Disse" konnte die Partie deshalb nicht live in der "Future-Arena" verfolgen, sondern musste via Liveticker im Krankenhaus mitzittern.

Capote gegen DHB-Defensive

Was er auf seinem Handy sah, dürfte ihn gefreut haben: Von Beginn an lagen die "Bad Boys" gegen Qatar vorn, mussten lediglich beim 3:4 durch Kreisläufer Alrayes einen Rückstand hinnehmen. Als sich Wolff dann gemeinsam mit der deutschen Abwehr immer mehr steigerte, konnte sich die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson erstmals absetzen. Sechs Minuten blieb die DHB-Auswahl ohne Gegentor, zog durch Gensheimers Siebenmeter, Häfners Wucht, Patrick Wienceks erstem Treffer und einem Drux-Tor von 8:8 (18.) auf 12:8 (23.) davon. Allerdings: Rafael Capote, jenen sprung- und wurfgewaltigen gebürtigen Kubaner, bekam die deutsche Defensive nicht in den Griff. Mit einem Doppelschlag, seinen Treffer sechs und sieben, brachte Capote Quatar beim 11:13 (27.) wieder in Reichweite.

Vier-Tore-Führung zur Pause

Doch die deutsche Mannschaft reagierte stark: Drux traf in Unterzahl zum 14:11, Wolff hielt seinen achten Ball, konnte aber das 12:15 der Katari nicht verhindern. Dann wurde Gensheimer, der an den Kreis eingelaufen war, mustergültig von Wiede zum 15:12 bedient, und mit einem unglaublichen Steal leitete Drux sogar noch das 16:12 ein: Reichmann verwandelte sicher gegen Danijel Saric, der mit insgesamt sechs Paraden seinem Team im ersten Durchgang half. Trotzdem: Mit einem souveränen Vier-Tore-Vorsprung holte sich die DHB-Auswahl Sicherheit für den zweiten Durchgang.

Olympia, Viertelfinale: Deutschland - Qatar: 34:22 (16:12)

Deutschland: Heinevetter (2 Paraden), Wolff (13/1 Paraden); Gensheimer (5/1), Lemke, Wiencek (3), Reichmann (5/1), Wiede (5), Pekeler (4), Strobel (1), Weinhold (2), Häfner (3), Fäth, Kühn (3), Drux (3)

Qatar: Saric (7 Paraden), Stojanovic (1/1); Markovic (4/2), Mabrouk, Bagaric, Alsal Tialkrad, Roine (2), Capote (9), Murad (1), Memisevic (1), Alrayes (1), Megdich (1), Fernandez (1), Malash (2)


Zeitstrafen: Deutschland: 5 (Gensheimer, Kühn, Pekeler, Weinhold, Lemke); Qatar: 1 (Alrayes)

Siebenmeter: Deutschland 3/2 (Gensheimer gehalten); Qatar: 3/2 (Wolff hält Markovic)

Zuschauer: 5.000 (Future-Arena, Rio de Janeiro (BRA))

Debakel für Qatar

Die zweite Hälfte geriet dann zur Demonstration der deutschen Mannschaft. Konsequent, konzentriert, kompromisslos und mit dem unbändigen Willen, nichts mehr anbrennen zu lassen: So legte die Sigurdsson-Sieben schon in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff den Grundstein für den Halbfinal-Einzug. Wiencek traf nach 35 Minuten zum 20:13, das Aufflackern des katarischen Kampfgeistes mit dem 15:20 durch Mallash erstickte die DHB-Auswahl im Keim. Wolff machte den Kasten dicht, die Verteidigung verurteilte den katarischen Rückraum beinahe zur Bedeutungslosigkeit und vorne traf Deutschland scheinbar nach Belieben. Drux erzielte mit etwas Glück das 22:16, Wiede legte einen Doppelschlag nach, Strobel und Gensheimer markierten das 26:18. Von den Rängen ertönte da längst das "Oh wie ist das schön" der vielen deutschen Fans.

Jetzt gegen Frankreich

Und es wurde noch deutlicher: Nach Wolffs zwölfter Parade startete Reichmann zum 27:18, und der inzwischen eingewechselte Steffen Weinhold machte die "Zehn" voll: 28:18. Elf Minuten vor dem Ende zerfiel der Vize-Weltmeister in seine Einzelteile, während Deutschland weiter drängte. Am Ende gab es ein Debakel für Qatar, während sich die deutsche Mannschaft nach der Freude über den unerwartet entspannten Halbfinaleinzug sofort wieder nach vorn orientierte. Denn im Halbfinale wartet auf die Mannschaft um die drei verbliebenen Kieler Andreas Wolff, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold am Freitag kein geringeres Team als Frankreich. Der Titelverteidiger hatte am Nachmittag in einer über weite Strecken umkämpften Partie Gastgeber Brasilien aus dem Turnier geworfen (siehe Spielbericht). Wann die Partie am Freitag angepfiffen wird, war nach Spielschluss noch offen. Eine Entscheidung darüber soll am Donnerstag fallen. 

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018