Olympia-Krimi: Zwei Sekunden fehlten Deutschland zum Happyend

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Freitag, 19.08.2016 // 22:00 Uhr

Zwei Sekunden. Selbst im Handball eine kurze Zeitspanne. Zwei Sekunden fehlten der deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zur Verlängerung gegen den wankenden Titelverteidiger und hohen Favoriten Frankreich. Am Ende besiegelte Daniel Narcisse eben diese zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff mit seinem Wurf in die lange Ecke die unglückliche 28:29 (13:16)-Halbfinal-Niederlage der "Bad Boys", deren furiose Aufholjagd nicht belohnt wurde.

Franzosen von Beginn an vorn

Das erste Olympia-Halbfinale seit 2004 - Deutschland hatte sich etwas vorgenommen

Beim ersten Aufeinandertreffen mit Olympiasieger Frankreich seit mehr als drei Jahren gerieten die deutschen Handball-Europameister schnell mit 2:4 in Rückstand, auch weil sie einige sehr gute Chancen gegen Thierry Omeyer und die starke französische Defensive nicht nutzen konnten. Zudem setzten sich die Probleme in der Abwehr der DHB-Auswahl fort, der ehemalige Kieler Daniel Narcisse versenkte zur ersten Drei-Tore-Führung der Franzosen. Die deutsche Sieben war noch nicht drin in dem Duell, dagegen war der französische Weltmeister dynamischer, durchschlagskräftiger, antwortete auf das 4:6 postwendend. 4:7 – und Redebedarf bei Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Auszeit Deutschland (11.).

Drei-Tore-Rückstand zur Pause

Aber auch danach war es für die Franzosen zu einfach, die deutsche Abwehr zu bezwingen. Luka Karabatic zeichnete für das 6:10 (15.) aus deutscher Sicht verantwortlich. Das 8:12 (19.) unterstrich die Präsenz und die spielerische Überlegenheit der Equipe Tricolore. Einzelaktionen ließen dagegen die Bad Boys zumindest in Reichweite bleiben, in Überzahl verkürzte Deutschland auf 13:15 (28.). Auch, weil Silvio Heinevetter im Kasten einige Bälle wegnahm. Allerdings sollte die DHB-Auswahl ihre Möglichkeit, vor dem Wechsel noch weiter an die Franzosen herauzurücken, ungenutzt verstreichen lassen. Mit einem 16:13 für den Favoriten wurden die Seiten gewechselt.

Deutschland will den Krimi

Doch dann ließ der unbedingte Wille der deutschen Mannschaft wieder SPannung aufkommen. Mit den Paraden von Silvio Heinvetter gewann die DHB-Abwehr an Sicherheit und Selbstvertrauen gegen die zuvor übermächtig erscheinenden Franzosen. Und mit dem Mut der Verzweiflung ging es in Richtung französisches Tor: Mit einem Doppelschlag ließ Kühn Deutschland beim 24:26 (52.) wieder hoffen, doch immer wieder stellte sich Omeyer den deutschen Bemühungen in den Weg. Wie bei Gensheimers Gegenstoß, den der "alte Franzose" um den Pfosten lenkte. Doch Deutschland war am Zug: Heinvetter hielt einen Narcisse-Wurf, Kühn verkürzte auf 26:27. 

Olympia, Halbfinale: Frankreich - Deutschland: 29:28 (16:13)

Frankreich: Gerard, Omeyer (12 Paraden, 1 Tor); Narcisse (7), N. Karabatic (4), Mahé (2/2), Grebille (1), N'Gouessan, Abalo (1), Sorhaindo (1), Guigou (3/2), L. Karabatic (4), Fabregas, Dipanda, Porte (5)

Deutschland: Heinevetter (9 Paraden), Wolff (3/2 Paraden); Gensheimer (11/3), Lemke, Wiencek, Reichmann (4), Wiede, Pekeler, Strobel (1), Weinhold (1), Häfner (1), Fäth, Kühn (8), Drux (2)

Siebenmeter: Frankreich: 6/4 (Wolff hält 2x Guigou); Deutschland 3/3

Zeitstrafen: Frankreich: 4 (N. Karabatic, Abalo, L.Karabatic, Fabregas) ; Deutschland: 5 (2x Wiencek, 2x Pekeler, Kühn))

Zuschauer: 12.000 (Future-Arena, Rio de Janeiro (BRA))

Frankreich zieht weg

In der 40. Minute sah es wenig nach Drama aus

Die Dominanz der Franzosen setzte sich auch nach dem Wiederanpfiff fort. Egal, was die deutsche Mannschaft auch probierte - die "Experten" hatten stets die bessere Antwort. Auch, weil Omeyer sich immer mehr zum Schreckgespenst des DHB-Angriffs entwickelte: Er schnappte sich einen Weinhold-Wurf, hielt gegen den freien Pekeler, was Nikola Karabatic zum Wurf ins verwaiste Tor verwandelte, und markierte kurz darauf sogar selbst mit einem Wurf über das komplette Feld das 22:15 (40.). Zwanzig Minuten vor dem Ende schienen die "Bad Boys" mit ihrem Latein am Ende und Frankreich einem lockeren Finaleinzug entgegen zu streben.

Ausgleich, Narcisse und Ende

Zweimal legte Mahé mit einem verwandelten Siebenmeter weiter vor, doch nach zwei Fehlanspielen an den Kreis riss Reichmann die deutschen Fans von den Sitzen: Ausgleich, noch 62 Sekunden zu spielen. Und diese Zeit nutzten die "Experten", zogen eine Auszeit, ließen sich foulen. Die Sekunden verstrichen - bis eben Narcisse zwei Sekunden vor Schluss die "Equipe Tricolore" vom dritten Olympia-Gold in Folge träumen ließ. Am Sonntag geht es jetzt für Frankreich um Gold: Im Finale treffen die Franzosen auf die Dänen mit den beiden Kielern Niklas Landin und Rene Toft Hansen, Deutschland spielt gegen Polen um Bronze. Holt euch die Medaille: Auf geht's, "Bad Boys"!

 

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