Schweden, Dänemark und Kroatien sichern sich Rio-Ticket

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Sonntag, 10.04.2016 // 18:27 Uhr

Jubel bei den einen, Trauer bei den anderen: Bei drei Qualifikationsturnieren kämpften am vergangenen Wochenende gleich zwölf Mannschaften um die sechs noch offenen Tickets für die Teilnahme am olympischen Handball-Turnier im August in Rio de Janeiro. Vom 6. bis 21. August geht es beim größten Sportereignis der Welt in Brasilien um Gold, Silber und Bronze. Jetzt buchten Schweden, Kroatien, Dänemark, Slowenien, Polen und Tunesien ihre Rio-Reisen. Das Aus kam hingegen für den Vize-Europameister Spanien und den EM-Vierten Norwegen.

Sechs plus sechs

Gesucht wurden am vergangenen Wochenende die sechs Mannschaften, die das 12er-Feld beim olympischen Handballturnier komplettieren. Bereits zuvor hatten Gastgeber Brasilien und Weltmeister Frankreich sowie Argentinien, Katar, Ägypten und Deutschland über den Gewinn ihrer Kontinentalmeisterschaften das Rio-Ticket gesichert.

Gruppe I: Polen und Tunesien fahren nach Brasilien

Eine klare Angelegenheit war das Turnier I in Polen: Dort sicherten sich der Gastgeber und Tunesien die beiden ausgeschriebenen Olympia-Tickets bereits nach zwei Spielen. Im abschließenden Duell der beiden dominierenden Mannschaften am Sonntag ging es nach Polens 25:20 über Mazedonien und dem 35:27 über Chile sowie dem 35:29-Auftakterfolg der Nordafrikaner über Chile und dem folgenden 32:26-Sieg der Tunesier gegen Mazedonien nur noch um den Gruppensieg, der ein Aufeinandertreffen mit Frankreich in der Olympia-Vorrunde verhindert. Auch diese Partie gewann Polen: Mit dem 28:24 wahrte die Gastgeber-Sieben ihre weiße Quali-Weste. Ausgeschieden sind Mazedonien und Chile.

Gruppe II: Schweden und Slowenien bei Olympia

THW-Neuzugang Lukas Nilsson steht vor seiner ersten Olympia-Teilnahme

In der Gruppe II, die im schwedischen Malmö ihre Spiele absolvierte, ging es hingegen bis zuletzt dramatisch zu. Spanien war gleich zum Auftakt in Zugzwang geraten. Gegen Slowenien hatte der Vize-Europameister lange wie der klare Sieger ausgesehen, dann aber nur noch zwei Tore in 20 Minuten erzielt - zu wenig: Slowenien gelang die Überraschung mit einem 24:21-Erfolg. Zwar legten die Spanier einen 37:23-Kantersieg gegen die insgesamt chancenlosen Iraner nach, doch das reichte nicht für Olympia. Weil Schweden nach dem 34:19-Auftakt gegen den Iran auch im zweiten Gruppenspiel gegen die Slowenen durch ein Last-Minute-Tor des Ex-Kielers Kim Andersson mit 24:23 gewann, wurden vor dem abschließenden Spieltag die Rechenschieber herausgeholt: Die Spanier benötigten gegen Schweden einen Sieg mit drei Treffern Differenz, um sich im Dreivergleich mit den Blau-Gelben und Slowenien (33:17-Sieger gegen den Iran) doch noch den Traum von Olympia zu erfüllen. In einer dramatischen und hitzigen "Final"-Partie mit wechselnden Führungen hatten die Spanier angesichts einer 24:20-Führung (54.) in Überzahl das Rio-Ticket vor Augen. Doch Kim Andersson traf in Unterzahl, und fünf Sekunden vor dem Ende warf der Kieler Niclas Ekberg mit einem verwandelten Siebenmeter zum 23:25-Endstand sein Team zu den olympischen Spielen. Der Vize-Europameister Spanien muss wie der Iran zu Hause bleiben.

Gruppe III: Kroatien und Dänemark in Rio

Jubel vs. Enttäuschung: Mit einem Sieg gegen Norwegen sicherten sich die Kroaten um Domagoj Duvnjak die Olympia-Teilnahme

Spannend ging es auch in der Olympia-Qualifikations-Gruppe III, die im dänischen Herning ausgetragen wurde, zu. Die Norweger um "Zebra" Erlend Mamelund hatten zum Auftakt gegen Bahrain mit 35:29 gewonnen. Gegen die Dänen des Kieler Keepers Niklas Landin, der mit vier gehaltenen Siebenmeter großen Anteil am 28:24-Erfolg gegen die Kroaten um THW-Spielmacher Domagoj Duvnjak hatte, erkämpfte sich Norwegen ein Unentschieden. Während die Dänen mit der Unterstützung von 12.000 Zuschauern durch einen - allerdings wenig souveränen - 26:24 (12:12)-Plichtsieg gegen Bahrain ihr Olympia-Ticket sichern konnten, kam es am Sonntag zum "Rio-Finale" zwischen Kroatien (bis dato lediglich mit 33:22 gegen Bahrain erfolgreich) und Norwegen: In diesem dominierten die Kroaten von Beginn an und sicherten sich letztlich durch einen 27:21-Sieg die Olympia-Teilnahme.

Bis zu elf "Zebras" mit Rio-Chancen

Niklas Landin steht vor seinen zweiten olympischen Spielen

Bei aller Freude über die Olympia-Chancen vieler Kieler Spieler könnte THW-Trainer Alfred Gislason im August eine ganz schwierige Saison-Vorbereitung ins Haus stehen. Mit Steffen Weinhold, Rune Dahmke, Christian Dissinger, Neuzugang Andreas Wolff und Patrick Wiencek (alle Deutschland), Niklas Landin und dem momentan an einem Kreuzbandriss laborierenden Rene Toft Hansen (Dänemark), Domagoj Duvnjak und Ilija Brozovic (Kroatien), Niclas Ekberg und Neuzugang Lukas Nilsson (Schweden) könnten nach momentanem Stand bis zu elf "Zebras" die wichtigen Wochen vor dem Saisonbeginn Ende August mit der Medaillenjagd in Rio statt dem Grundlagen-Training in Kiel verbringen.

KN: Schweden feiert, Spanien trauert

Köln. Ein Tor entscheidet über die Olympia-Teilnahme: Vize-Europameister Spanien mit dem Kieler Joan Cañellas hat erstmals seit 40 Jahren die sportliche Qualifikation für das Handballturnier der Olympischen Spiele verpasst. Den Iberern, die bei der EM in Polen Ende Januar das Finale gegen Deutschland verloren hatten, fehlte beim Viererturnier in Malmö ein Treffer, um das Ticket nach Rio de Janeiro zu lösen. Statt des Weltmeisters von 2013 fahren Schweden mit THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg und dem künftigen Zebra Lukas Nilsson sowie Slowenien nach Brasilien.

Spanien, 1996, 2000 und 2008 mit Olympia-Bronze dekoriert, hatte am Freitag überraschend gegen Slowenien verloren (21:24). Der 25:23-Sieg am Sonntag gegen Gastgeber Schweden reichte nicht mehr, nachdem Slowenien zum Abschluss ein 33:17-Pflichtsieg gegen den punktlosen Iran gelang. Weil Schweden am Sonnabend gegen Slowenien gewonnen hatte (24:23), verlor Spanien den Dreiervergleich mit den beiden Kontrahenten um ein Tor - die Iberer erzielten 46 Tore, Schweden 47.

Des einen Leid, des anderen Freud: "Einfach geil! Es war eine super Stimmung in der Halle und eine großartige Unterstützung durch unsere Fans", jubelte der Kieler Niclas Ekberg über den Triumph Schwedens in der Arena von Malmö. Der 27-Jährige selbst hatte fünf Sekunden vor dem Schlusspfiff per Siebenmeter den alles entscheidenden Treffer erzielt, die restliche Spielzeit reichte Spanien im Gegenzug nicht mehr zu einem echten Angriff und dem benötigten Drei-Tore-Vorsprung.

In der "Todesgruppe" in Herning setzten sich Gastgeber Dänemark und der EM-Dritte Kroatien durch. Die kroatische Auswahl um die Kieler Domagoj Duvnjak und Ilija Brozovic besiegte in der entscheidenden Partie am Sonntag Norwegen mit 27:21. Die Skandinavier mit THW-Rückraumspieler Erlend Mamelund verzweifelten dabei an Kroatiens Torhüter Ivan Stevanovic, der in der ersten Halbzeit auf eine unglaubliche Quote von mehr als 60 Prozent abgewehrter Bälle kam, und der 5:1-Deckung mit Duvnjak auf der Spitze. Schon beim 8:1 nach elf Minuten hatte Kroatien den Weg in Richtung Rio eingeschlagen, wenig später stand es gar 13:4. Im Anschluss verwaltete Kroatien den Vorsprung souverän.

Dänemark, das im ersten Spiel des Turniers Kroatien in einem Kampf der Abwehrreihen mit 28:24 geschlagen und gegen starke Norweger ein 25:25-Unentschieden erkämpft hatte, benötigte zum Abschluss gegen Außenseiter Bahrein lediglich ein Unentschieden, um sich für das olympische Turnier zu qualifizieren. Doch die Skandinavier mit dem Kieler Niklas Landin im Tor taten sich deutlich schwerer als erwartet, schafften es nach einem 12:12 zur Halbzeit erst im zweiten Durchgang, sich abzusetzen. Nach zwischenzeitlicher Sieben-Tore-Führung ließ Dänemark Bahrein jedoch wieder bis auf ein Tor herankommen und zitterte sich schlussendlich zu einem 26:24-Erfolg.

In Danzig schaffte derweil Tunesien eine kleine Überraschung: Der Afrikameister schlug Mazedonien und buchte damit das Ticket nach Rio. Auch Gastgeber Polen qualifizierte sich für die Olympischen Spiele, neben Mazedonien ging Chile leer aus. Deutschland hatte sich durch den EM-Titel direkt für die Sommerspiele qualifiziert, 2012 in London hatte die DHB-Auswahl gefehlt.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 11.04.2016)

 

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