DHB-Team mit deutlichem Sieg im letzten WM-Test

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Montag, 09.01.2017 // 20:56 Uhr

Mit einer über weite Strecken überzeugenden Leistung hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr letztes Testspiel vor der WM 2017 in Frankreich absolviert. Am Montagabend besiegten die "Bad Boys" Österreich nach nur anfänglichen Schwierigkeiten deutlich mit 33:16 (17:11). Während das DHB-Team um Kapitän Patrick Wiencek eine geschlossene Mannschaftsleistung bot, ragte bei den Gästen Nikola Bilyk heraus - das Zebra erzielte die Hälfte der österreichischen Treffer.

Deutschland ohne Gensheimer, aber mit Glandorf

Dagur Sigurdsson musste kurzfristig ein wenig umdisponieren: Aufgrund eines Trauerfalls in der Familie fehlte Kapitän Uwe Gensheimer, THW-Kreisläufer Patrick Wiencek führte das DHB-Team stattdessen aufs Parkett in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle. Die größte Überraschung gab es aber im rechten Rückraum, wo Flensburgs Holger Glandorf, Weltmeister von 2007, Kai Häfner nur für diese Partie entlasten sollte.

Große Bilyk-Show

Die deutsche Mannschaft startete zunächst gut, Kai Häfner und Patrick Groetzki erzielten die ersten beiden Treffer, während Andreas Wolff den ersten Gästewurf entschärfte. Doch ausgerechnet in deutscher Überzahl wendete sich zunächst das Blatt: Während der Europameister reihenweise an Keeper Thomas Bauer scheiterte, drehte Österreich in Person von Nikola Bilyk auf. Der 20-jährige Rückraumspieler des THW erzielte einen lupenreinen Hattrick, und nachdem Bozovic und erneut Bilyk gar auf 5:2 für die Gäste erhöhten, nahm Dagur Sigurdsson schon nach acht Spielminuten seine erste Auszeit.

DHB-Team dreht auf

Nun fand das DHB-Team langsam in die Partie, Tobias Reichmann verkürzte mit zwei Strafwürfen, und Andreas Wolff blieb endlich erstmals gegen Vereinskollege Bilyk Sieger. Ausgerechnet Aushilfs-Bad-Boy Holger Glandorf gelang nach einer Viertelstunde der Ausgleich, ehe Julius Kühn mit einem Geschoss mit der zweiten Welle beim 8:7 Deutschland wieder in Front warf. Und die Gastgeber legten nun nach: Groetzki, erneut Kühn, der starke Glandorf und ein Gegenstoß Kohlbachers - plötzlich stand es 12:8. Österreich fand nur noch selten Mittel gegen die kompakte 6:0-Deckung, hinter der Andreas Wolff ebenfalls nun zu glänzen wusste. So schien die Partie bereits vorentschieden, als Rune Dahmke nach einem langen Pass von Groetzki auf 16:11 erhöhte - zumal Steffen Fäth mit dem Pausenpfiff gar noch das 17:11 nachlegte.

Frühe Entscheidung

Und die Gastgeber ließen nach Wiederanpfiff vor begeisterten Fans auch nichts mehr anbrennen: Die Abwehr stand weiterhin wie ein Bollwerk, und als Häfner nach 37 Minuten traf, war der Vorsprung beim 21:11 erstmals zweistellig. Bis zum 25:12 und der letzten österreichischen Auszeit (43.) blieb der spielfreudige Europameister gnadenlos, erst danach - als Bundestrainer Sigurdsson weiter durchwechselte und unter anderem das Angriffsspiel mit drei Rückraum-Rechtshänder testete - schlichen sich wieder ein paar Unkonzentriertheiten ein. Dass der deutliche Vorsprung aber auch danach bis zum 33:16-Endstand weiter anwuchs, lag auch an Silvio Heinevetter, der für die Schlussviertelstunde eingewechselt wurde und in dieser nur zweimal hinter sich greifen musste.

Mission WM-Medaille startet am Mittwoch

Am Mittwoch geht es für die Bad Boys auf nach Frankreich in das Land des noch amtierenden Weltmeisters. Die richtungsweisende Auftaktpartie für das DHB-Team steigt am Freitag um 17:45 Uhr gegen Ungarn (live im Stream auf https://handball.dkb.de/) - dann wird der Europameister aber sicherlich auf mehr Gegenwehr treffen.

Statistik: Deutschland - Österreich 33:16 (17:11)

Deutschland: Heinevetter, Wolff; Lemke, Wiencek (2), Reichmann (4/2), Glandorf (3), Fäth (4), Groetzki (3), Häfner (2), Dahmke (2), Kühn (3), Ernst (2), Pieczkowski (2), Kohlbacher (4), Drux (2)

Österreich: Bauer, Aleksic; Herrmann, Bozovic (4), Frimmel (1/1), Klopcic, Bammer, Zeiner, Schopf, Jelinek (1), Breg, Schiffleitner, Bilyk (8), Wagner, Santos (1/1), Neuhold (1), Kirveliavicius

Zuschauer: 4300 in der ausverkauften Rothebach-Halle (Kassel)
Schiedsrichter: Immel/Klein (Deutschland)
Siebenmeter: 3/2:4/3 (Reichmann scheitert an Aleksic – Frimmel verwirft)
Zeitstrafen: 0:2 Minuten (Wagner)
Spielverlauf: 2:2 (5.), 2:5 (8.), 6:6 (15.), 10:7 (21.), 14:9 (25.), 17:11; 19:11 (34.), 21:11 (37.), 25:12 (44.), 27:14 (49.), 29:14 (54.), 33:16.

KN: "Bad Boys" in WM-Laune

Kassel. Same procedure as last year: Am 9. Januar 2016 hatte sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft mit einem 26:25 gegen Island in Kassel in Stimmung für die Europameisterschaft in Polen gebracht. Der Rest war: Titelgewinn, Wintermärchen, Handball-Euphorie, Geschichte. An diesem Montag, es war der 9. Januar 2017, brachte sich die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson in Stimmung für die Weltmeisterschaft in Frankreich, deren Startschuss am Mittwoch fällt - wieder in der Kasseler Rothenbach-Halle, wieder mit einem Sieg. Für Österreich geriet das 33:16 (17:11) der "Bad Boys" vor 4300 Zuschauern zur Blamage.

Generalprobe mit Stotterstart: Nach acht Minuten liegen die Österreicher mit 5:2 vorn. Auch Zebra Raul Santos ist mit dabei ("Ich wollte im Rhythmus bleiben"), reist heute zurück zum THW. Halbzeit eins mutet an wie Deutschland gegen Nikola Bilyk. Kiels Rückraum-Youngster ist der einzige Austria-Lichtblick, erzielt sieben seiner acht Tore in Halbzeit eins, guckt Teamkamerad Andreas Wolff aus, den das gehörig nervt. Ein Bilyk reicht allerdings nicht, und als die deutsche 6:0-Deckung nach zehn Minuten mit THW-Führungskraft Patrick Wiencek und Finn Lemke im Mittelblock endlich steht, nimmt der Tempo-Express des Deutschen Handballbundes so richtig WM-Fahrt auf. "Die 6:0 passt, aber wir haben uns für die WM noch jede Menge mehr einfallen lassen", sagt Wiencek. Das deutsche Spiel stabilisiert sich aber auch in Windeseile, weil der Flensburger Holger Glandorf nach zehn Minuten sein Comeback feiert.

Glandorf macht in seinem 168. Länderspiel - das erste seit Juni 2014 - seine Tore 577 bis 579, deutet seine Klasse an, könnte in Frankreich zum Joker in Dagur Sigurdssons Ärmel werden. Unerwartet robust, aktiv, aggressiv zeigen sich auch die deutschen Spielmacher. Nach dem Rücktritt von Martin Strobel und dem Ausfall von Steffen Weinhold bekommt Simon Ernst viele Spielanteile, wird später vom präsenten Steffen Fäth abgelöst. In der Abwehr-Mitte testet Sigurdsson auch die Optionen Wiencek mit Julius Kühn oder Lemke mit Kühn, ohne merkliche Reibungsverluste. "Wiencek/Lemke sind meine erste Aufstellung, aber wir müssen sehen, was in Rouen passiert", sagt der Isländer.

Der Bundestrainer tat gut daran, das WM-Casting vor dem Österreich-Spiel zu beenden. Die Mannschaft spielt befreit auf, auch wenn THW-Linksaußen Rune Dahmke als Alleinunterhalter in Abwesenheit von Kapitän Uwe Gensheimer viel Wurfpech hat. "Die WM war mein Ziel, und jetzt ist es soweit", sagt der 23-Jährige strahlend vor seiner ersten WM. Dahmkes 22:12 (39.) bringt Deutschland mit zehn Toren in Führung, die Deckung, die während der zweiten 30 Minuten insgesamt nur fünf österreichische Tore zulässt, verdient sich jetzt das Prädikat Weltklasse. Gelegenheit für den deutschen Trainerstab, zu rotieren, Spielzeit, Selbstvertrauen, gute Gefühle in großen Portionen zu verteilen. Silvio Heinevetter kommt für den gut aufgelegten Andreas Wolff (45.), Niclas Pieczkowski und der bullige Kreisläufer Jannik Kohlbacher können aufregende Akzente setzen, Patrick Wiencek, der die Mannschaft als Kapitän auf das Feld geführt hat, zeigt auch seine Offensiv-Klasse. Trotzdem sagt Löwen-Rechtsaußen Patrick Groetzki nach 60 Minuten: "Das war kein Gradmesser." Und auch Steffen Fäth betont: "Das war ein Muster ohne Wert." Gut, dass es einen Andreas Wolff gibt, der sich schon bei der WM unbeirrbar in seinem Selbstbewusstsein gezeigt hatte. "Das war doch heute eine Augenweide", sagt der 25-Jährige. "Meine Maxime ist es, dass ich dieses Turnier gewinnen will. Die Mannschaft hat das Zeug, Weltmeister zu werden."

(Von Timo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten, vom 09.01.2017)

 

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