EM 2018: Schweden gewinnt gegen Kroatien - Österreich ausgeschieden

EM2018
Dienstag, 16.01.2018 // 21:10 Uhr

Mit einer Weltklasse-Leistung gegen den Gastgeber Kroatien haben sich Niclas Ekberg, Lukas Nilsson und die schwedische Nationalmannschaft in den Kreis der Titelanwärter bei der Handball-Europameisterschaft zurück gespielt: Mit  35:31 (17:12) bezwangen die Blau-Gelben nach einer begeisternden Leistung Kroatien und 11.000 Fans in Split und starten dadurch mit 4:0 Zählern in die Hauptrunde. Nikola Bilyk und Österreich sind hingegen in der Gruppe B ausgeschieden: Auch im letzten Gruppenspiel gegen Norwegen gelang der Mannschaft aus der Alpenrepublik kein Erfolg - trotz des neunfachen Torschützen Bilyk.

Schweden Gruppensieger

Der Gastgeber gegen Schweden - das Topspiel des abschließenden Spieltags in der Gruppe A sorgte einmal mehr für Gänsehaut: 11.000 Fans in Split veranstalteten ein Heidenspektakel, um die Nordmänner aus der Ruhe zu bringen.

Doch ohne Erfolg: Von Beginn an setzte eine beweglich-aggressive schwedische Abwehr den kroatischen Angriff unter Druck, zudem erwischte Andreas Palicka einen Klasse-Tag zwischen den Pfosten. Mit einem 4:0-Lauf drehten die Blau-Gelben einen 3:4-Rückstand in eine 7:3-Führung - auch dank eines THW-Außen: Niclas Ekberg erzielte drei Treffer in den ersten Minuten, zudem erwischte Lagergren einen echten Sahne-Tag. Doch Kroatien kam zurück: Ivan Pesic von Kiels Champions-League-Geger Meshkov Brest, vor der Partie nachnominiert für Allilovic, wurde zum Faktor,verkürzten durch Karacic auf 8:10. Die Wende? Nein. Schweden spielte weiter mit kühlem Kopf, suchte die Lücken in der offensiven kroatischen Deckung und hielt hinten dem Dauerdruck stand. In Unterzahl erzielte Henningsson das per Videobeweis festgestellte 12:8 (20.), Lagergren erhöhte sogar auf 13:8. Mit einem Doppelschlag waren die Kroaten aber wieder in Reichweite - und dann hämmerte Lukas Nilsson vom THW den Ball zum 14:10 in die Maschen. Eine Parade von Palicka und ein von Ekberg herausgeholter Siebenmeter ebneten den Weg zum 15:10, und aks Jakobsson und Zachrisson auf 17:11 erhöhten (29.), hatte es Blau-Gelb erstmals bei dieser Europameisterschaft geschafft, die heißblütigen kroatischen Fans wenigstens einen Moment lang ruhig zu erleben. Immerhin: Karacic schaffte noch vor dem Wechsel den 12:17 Anschluss. 

Auch der zweite Durchgang begann nicht im Sinne der Kroaten: Jesson schloss den ersten Angriff zum 18:12 ab, Horvat scheiterte mit einem Siebenmeter, und Nielsen erhöhte auf 19:12. Kroatien reagierte mit einer ganz offensiven Abwehr, doch auch das Glück war nun mit Blau-Gelb: Nielsen angelte sich einen Abpraller, Cindric verzog freistehend vor Palicka, und Gottfridsson jagte einen Schlagwurf zum 23:15 in die Maschen (38.). Eine Überraschung deutete sich an - und nahm im weiteren Verlauf immer konkretere Formen an. Denn die Schweden hatten auf alles, was die Kroaten sich einfielen ließen, eine perfekte Antwort. Gegen die offene Manndeckung wurde schnell gespielt, während der siebte Feldspieler der Gastgeber durch schnelle Beine der blau-gelben Abwehr mehr zum Hindernis denn zur Hilfe wurde. Und immer dann, wenn es eng wurde, konnten sich die Schweden auf ihre Schützen verlassen: Jeppsson und Gottfridsson machten aus dem 27:21 ein 29:21 (48.), Tollbring erzielte in Unterzahl das 32:25 (52.), der sechsfache Torschütze Lagergren machte mit dem 34:28 ins leere Tor (57.) alles klar. Am Ende konnten die Kroaten, die trotzdem nach der Schockstarre der Schlussminuten von ihren Fans gefeiert wurden, noch verkürzen - aber die 31:35-Niederlage wog trotzdem schwer.

Im zweiten Spiel der Gruppe A besiegte Serbien Island mit 29:26 - ein ganz wichtiger Erfolg. Denn durch den schwedischen Sieg musste der direkte Vergleich zwischen diesen beiden Mannschaften mit zwei Punkten entscheiden: Serbien sicherte sich somit als dritter das letzte Hauptrunden-Ticket, Schweden holte sich den Gruppensieg vor Kroatien und nimmt 4:0 Punkte mit in die Hauptrunde, Kroatien startet mit 2:2 Zählern, während Serbien die nächste Runde ohne Pluspunkt beginnt.

Österreich ausgeschieden - Bilyk mit neun Treffern

Die Österreicher um den Kieler Nikola Bilyk verloren mit 28:39 (14:18) gegen Norwegen auch das dritte Spiel bei der Europameisterschaft in Kroatien und sind damit ohne Punktgewinn nach der Vorrunde ausgeschieden. Frankreich, das sich im abschließenden Gruppenmatch mit 32:25 (14:11) die Zähler gegen Weißrussland sicherte, zieht dagegen mit der Maximalausbeute in die Hauptrunde ein. Dem Weltmeister folgen Vize-Weltmeister Norwegen und Weißrussland.

Vor dem abschließenden Duell der Gruppe B in Porec war bei den Österreichern Alexander Hermann für Lukas Herburger in den Kader zurückgekehrt. Für Hermann gab es von den Ärzten grünes Licht für einen Einsatz, Herburger dagegen musste verletzungsbedingt passen. "In diesem Endspiel" gegen Norwegen wollten die Österreicher von Beginn an mit viel Tempo agieren und es dem Gegner so schwermachen. Tatsächlich legten sie in den ersten Minuten vor, aber dann gelang Norwegen in Unterzahl mit dem 4:2 (7.) die erste Zwei-Tore-Führung, die die Skandinavier nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer von Nikola Bilyk in der Folge bis auf 8:4 (12.) ausbauten. Auszeit Österreich. Aber auch danach bekam das Team von Coach Patrekur Johannesson keinen Zugriff. Der Vize-Weltmeister baute zeitweise seinen Vorsprung bis auf sieben Treffer aus, ehe Österreich dann doch noch einmal die Zähne zeigte und vier Mal in Folge netzte. Nun legte Trainer Christian Berge die grüne Karte. Nach der Auszeit stellten die Norweger auf 18:14. Der Halbzeitstand.

Nach dem Wechsel nutzten die Skandinavier ihre Überzahl. Björnsen ("Spieler des Partie") mit Doppelpack aus dem Feld und per Siebenmeter - 21:14 (34.). Nikola Bilyk brachte seine Farben zwar per Siebenmeter noch einmal auf 20:25 (40.) heran. Es war einer von insgesamt neun Treffern des Rückraumspielers vom THW Kiel. Aber näher rückte Österreich (obendrein dezimiert durch die Matchstrafen gegen Ziura und Bozovic) dem Gegner nicht mehr auf die Pelle. Die Norweger spielten die Partie abgeklärt zu Ende. Beim 35:25 (53.) waren es das erste Mal zehn Tore Differenz.

Durch die Niederlage - und das knappe 26:27 gegen Weißrussland zum Auftakt - schied Österreich als punktloser Vierter der Gruppe B aus. Frankreich startet mit 4:0-Punkten in die Hauptrunde, Norwegen nimmt als Zweiter 2:2 Punkte mit, und Weißrussland startet ohne Pluspunkte in der nächsten Runde.