WM 2017: Omeyer & Co. wollen Geschichte schreiben

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Sonntag, 08.01.2017 // 11:00 Uhr

Vom 11. bis 29. Januar 2017 ist Frankreich Ausrichter der nächsten Handball-Weltmeisterschaft der Männer. Die Erwartungen an die Gastgeber sind riesig. Immerhin könnten sie einmal mehr Historisches vollbringen.

Riesige Vorfreude im Gastgeber-Land

Als Frankreich am 4. Februar 2001 vor heimischem Publikum durch einen 28:25-Erfolg gegen Schweden zum zweiten Mal nach 1995 Handball-Weltmeister der Männer wurde, war es der Anfang und zugleich das Ende einer Ära. Wenn am 29. Januar 2017 an gleicher Stelle wie 2001 - in der Arena Paris- Bercy - der kommende Weltmeister gekürt wird, könnte sich für Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Guillaume Gille und Didier Dinart ein gigantischer Kreis schließen. Omeyer könnte der erste Spieler in der Handballgeschichte werden, der zum fünften Mal Weltmeister wird - nach 2001, 2009, 2011 und 2015. Weil er 2011 verletzt war, kann Narcisse immerhin seinen vierten Titel gewinnen, das schaffte neben Omeyer nur dessen Landsmann Jerome Fernandez. Gille und Dinart sind seit Herbst die neuen französischen Trainer und sollen die unglaubliche Erfolgsserie von Claude Onesta fortsetzen (je drei WM- und EM-Titel, zweimal Olympiasieger), der nun Teammanager ist. Die Begeisterung und Vorfreude im Land des Rekordweltmeisters für die WM 2017 ist jedenfalls riesengroß.

Handball im Fußballstadion

"Weniger Protz, mehr Begeisterung, einfach phänomenaler Handball", hat man sich auf die Fahnen geschrieben. Und dennoch wird es garantiert Bestmarken geben: Denn erstmals finden Partien einer Handball-EM oder -WM in einem Fußballstadion statt. In Lille, wo 2015 auch schon die Basketball-EM zu Gast war, wird Frankreich seine Achtel- und Viertelfinal-Partien austragen. Über 16.000 der 22.000 möglichen Tickets waren Mitte Dezember für diese Spiele schon verkauft.

Die Partien werden definitiv neue Zuschauer- Rekordmarken für Handballspiele im Land des Titelverteidigers sein. Nach dem Eröffnungsspiel in Bercy absolviert der WM-Gastgeber seine weiteren Vorrundenpartien in Nantes gegen Polen, Russland, Japan, Norwegen. Weitere Vorrundenspielorte sind Paris, Metz und Rouen. "Wir sind unserem Gesamtkonzept von 2001 treu geblieben, das ganze Land zu integrieren, überall für Handball-Begeisterung zu sorgen", sagt Verbandspräsident Joel Delplanque. Neben Lille gibt es daher auch drei weitere Spielorte für die Achtel- und Viertelfinals: Paris, Montpellier und Albertville, das Finalwochenende wird in Bercy ausgetragen.

Viele Fans aus Deutschland

Die Werbetrommel wurde intensiv angeworfen, was sich auch in den Verkaufszahlen niederschlägt. Anfang Dezember waren bereits über 300.000 der insgesamt 500.000 verfügbaren Tickets verkauft. Sieben Partien waren frühzeitig ausverkauft: das Finale, alle Vorrundenspiele Frankreichs in Nantes sowie die Gruppenspiele Spanien gegen Tunesien in Metz und Deutschland gegen Kroatien in Rouen. "Der Ticketverkauf läuft extrem gut. Wir hatten einen tollen Start, und danach sackte das Interesse auch nicht ab", sagte David Donnelly, Chef des Organisations-Komitees. Aus 32 verschiedenen Ländern gingen bislang Kartenbestellungen ein - und nach Frankreich gab es das größte Karteninteresseaus Deutschland. "Der EM-Titel hat sicherlich dafür gesorgt, dass viele Fans ihre Mannschaft im Nachbarland unterstützen wollen", sagt Donnelly. Neben deutschen Fans haben auch die traditionell reisefreudigen Skandinavier schon eine Vielzahl an Karten geordert.

Unmut über Modus

Für Unmut unter den Fans haben die französischen WM-Organisatoren - die über einen Etat von 22 Millionen Euro verfügen - dennoch gesorgt. Denn mit Ausnahme Frankreichs weiß keine Mannschaft vor dem Abschluss der Vorrunde, wo sie im Falle des Weiterkommens ihr Achtelfinale (21./22. Januar) austragen wird. Für jedes Land gibt es 16 Varianten und vier potenzielle Spielorte, die Reiseplanungwird somit erheblich erschwert. Wird zum Beispiel Deutschland Gruppensieger, geht es in Paris weiter, wird man Zweiter, muss man von Rouen nach Montpellier, als Dritter nach Albertville und als Vierter nach Lille. Zumindest spielen die Teams im Falle eines Weiterkommens dann am 24. Januar an gleicher Stelle auch ihrViertelfinale. Am 26. und27. Januar folgen dann in Paris die Halbfinals, Am 28. Januar geht das Spiel um Platz drei über die Bühne und am 29. Januar das Finale - und dort soll sich für Omeyer, Narcisse, Gille und Dinart dann der große Kreis schließen.

(Aus dem THW-Arena-Magazin "Zebra" zum Heimspiel gegen den Bergischen HC am 26.12.2016)

KN: Frankreich will Geschichte schreiben

Paris. Heute Abend (20.45 Uhr) fällt in Paris der Startschuss zur Handball-WM 2017. Frankreich trifft in der AccorHotels-Arena in Bercy auf Brasilien. Der Gastgeber und Titelverteidiger will bei diesen 25. Titelkämpfen Geschichte schreiben.

Sie sind der ganz große Favorit, auch wenn Stars wie die ehemaligen Kieler Thierry Omeyer (40), Daniel Narcisse (37) und Nikola Karabatic (32) ihren Zenit teilweise schon überschritten haben. Doch dieses Team, gespickt allein mit sieben Akteuren von Paris St.-Germain, ist noch immer imstande, Großes zu leisten. Didier Dinart und Guillaume Gille sind die neuen Trainer, wollen das Erfolgsmärchen von Claude Onesta (2x Olympiasieger, 3x Europameister, 3x Weltmeister) fortsetzen, genau wie 2001 in Paris-Bercy die WM-Trophäe in die Höhe stemmen. Es wäre Frankreichs Weltmeistertitel Nummer sechs, Omeyer wäre der erste Spieler in der Geschichte des Handballs mit fünf Titeln – bereits 2001, 2009, 2011 und 2015 hatte "Titi" mit der Équipe Tricolore den Gipfel erklommen.

Diese WM soll für "Phénoménal Handball" stehen, fokussiert auf das Wesentliche, spart jedoch nicht mit Superlativen. Zum ersten Mal zieht ein großes Turnier auch ins Stadion, in Lille will Frankreich im Stade Pierry-Mauroy sein Achtel- und Viertelfinale spielen - vor 27 500 Zuschauern.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 11.01.2017)

 

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