KN: Beim THW-Dauerbrenner läuft es noch nicht rund

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Dienstag, 21.02.2017 // 14:45 Uhr

Kiel. Auf der halblinken Rückraum-Position ist der Konkurrenzkampf beim THW Kiel längst voll entfacht: Nikola Bilyk, Lukas Nilsson, Christian Dissinger, Blazenko Lackovic streiten sich um möglichst viel Spielzeit. Auf Halbrechts steht THW-Trainer Alfred Gislason genau dieses Ringen noch bevor. Die Protagonisten in der Linkshänder-Rolle: Marko Vujin, Christian Zeitz und demnächst auch wieder Steffen Weinhold, der noch an den Folgen eines Syndesmose-Risses laboriert.

Marko Vujin sucht nach seiner Form

Am Sonntagnachmittag beim 34:25 gegen die HSG Wetzlar förderten die Darbietungen von Zeitz und Vujin genau diesen bevorstehenden Konflikt zutage. Auf der einen Seite ein 36-jähriger Zeitz in Galaform, der seinen verkorksten Auftritt gegen seinen Ex-Klub Telekom Veszprem (Gislason: "Gegen Veszprem war er völlig übermotiviert") mit sechs Treffern und einer famosen Abwehrleistung vergessen machte und spielte wie der junge Christian Zeitz. "Es gibt wohl keinen Handballer, der keine Wehwehchen hat", sagte "Zeitzi" nach dem Spiel. "Aber ich fühle mich gut." Auf der anderen Seite Marko Vujin (32), der gegen Wetzlar in der Start-Sieben stand, nach einem Schlagwurf über das Tor und zwei Missverständnissen mit Christian Dissinger im Angriff schnell wieder ausgewechselt wurde und in dieser Saison noch nicht zu einer konstanten Form gefunden hat.

Das sieht auch Alfred Gislason so, der im Match gegen Wetzlar anfangs beobachten konnte, wie Wetzlars Philipp Pöter den Kieler 2,01-Meter-Serben als Abwehr-Schwachstelle ausgemacht hatte und Mann-gegen-Mann-Situationen gegen Vujin forcierte. Es sei, so Gislason, "eine einfache Rechnung". Soll heißen: das eine, was der Spieler vorne an Toren liefere, das andere, was man hinten an Sicherheit opfere. Auch der lange Wechsel - zu Beginn spielte Vujin nur im Angriff und Christian Zeitz kam in der Abwehr den langen Weg von der Bank bis zur halbrechten Position in der Deckung - sei im Handball, so Gislason, zunehmend schwierig. "Marko wird noch mehr Konkurrenz bekommen, wenn Steffen Weinhold wieder fit ist", sagt der Isländer als vielsagende Antwort auf die Frage, ob der sichtlich unzufriedene Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 2013/2014, der beim THW mit einem Vertrag bis Sommer 2019 ausgestattet ist, gegebenenfalls auf dem Absprung weg aus Kiel sei.

"Wir brauchen jeden Mann im Kader", sagt THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. "Und wir müssen jeden unterstützen." Die Unterstützung in der heimischen Sparkassen-Arena scheint jedoch teilweise zu bröckeln, Unmutsbekundungen werden bei Heimspielen hier und da laut. Als Zeitz am Sonntag eine Pause brauchte und Gislason Vujin erneut ins Spiel brachte, waren sie kaum zu überhören. "Es wird immer Spieler geben, die in der Gunst höher stehen als andere", sagt Storm. "Aber es ist wichtig, dass unsere Fans jeden unterstützen, der für uns das Spiel gewinnen will." Das kann durchaus als Appell an Teile des Publikums verstanden werden.

"Wir haben gewonnen, das ist das einzige, was zählt", sagt Marko Vujin. Kein Kommentar zu den unverhältnismäßigen, in weiten Teilen unfairen, teils gar unflätigen Reaktionen auf den Rängen. Vujin stellt sich in den Dienst der Mannschaft, wie er es immer getan hat. Vujin ist eine echte Konstante, auch wenn die Form momentan schwankt, bisweilen fehlt. Seit er im Sommer 2012 nach Kiel wechselte, verpasste er keine einzige Partie, stand bis auf das Champions-League-Spiel gegen Zagreb im November 2014, das er auf der Bank erlebte, in jeder THW-Begegnung der vergangenen viereinhalb Jahre auf der Platte. Und rettete den Zebras in so manchem Spiel die Haut, erzielte mit seinem starken linken Arm wichtige und entscheidende Tore. Die Torquote des Serben ist in dieser Saison im Vergleich zu den vergangenen gesunken - 3,4 Treffer pro Spiel sind es bisher, ohne Siebenmeter 2,7. In der Saison 2015/16 standen 4,6/3,5 zu Buche, in der mit der Torjägerkanone gekrönten Spielzeit 13/14 waren es 6,5/4,9.

Es läuft gerade einfach nicht rund, trotz kompletter Vorbereitung ohne Olympia- und WM-Stress. "Wenn er gut drauf ist, ist er ein sehr gefährlicher Rückraumspieler", weiß nicht nur Thorsten Storm. In Vujin schlummert Qualität. Es ist Zeit, sie aufzuwecken.

(Von Tamo Schwarz und Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten, Foto: Sascha Klahn)

 

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