KN: DHB zeigt Kiel die kalte Schulter

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Donnerstag, 29.06.2017 // 08:45 Uhr

Berlin. Gestern um kurz nach 14 Uhr machte der Deutsche Handballbund (DHB) in der Berliner Mercedes Benz Arena das offiziell, was zuvor bereits durchgesickert war: Deutsche Spielorte für die Handball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahr 2019 sind die vier größten deutschen Städte München, Köln, Berlin und Hamburg. Die Handballhochburg Kiel mit der Austragungsstätte Sparkassen-Arena von Rekordmeister THW wurde ebensowenig berücksichtigt wie etwa die Bewerbung Mannheims, das mit der SAP Arena des aktuellen deutschen Titelträgers Rhein-Neckar Löwen angetreten war. Neben den deutschen Spielorten wird im Partner-Ausrichterland Dänemark in Kopenhagen sowie in Herning gespielt, wo auch das Endspiel ausgetragen werden soll.

Deutsche Spielorte sind die vier größten Städte

Das DHB-Präsidium habe sich am 18. Juni einstimmig für die vier deutschen Millionenstädte entschieden, erklärte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Damit würden dem Handball große Bühnen gegeben. Man folge in der Turnierplanung zudem der Philosophie, "unseren Sport von Süd nach Nord zu präsentieren". Die Kritik, die unter anderem aus Kiel laut geworden war, kommentierte Michelmann kühl. "Jeder kann für sich entscheiden, ob er mit den Adlern fliegen oder den Fröschen quaken möchte."

DHB-Generalsekretär Mark Schober sagte, man habe aus zehn Bewerbungen vier auswählen müssen. "Der Natur der Sache nach bleiben dabei sechs auf der Strecke." Als Auswahlkriterien für die deutschen Spielorte habe man die Zuschauernachfrage, die Infrastruktur sowie die Wirtschaftlichkeit herangezogen. Kiel oder Mannheim seien ebenfalls gute Standorte, aber andere hätten den Anforderungen besser entsprochen. Die Nähe der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zu Mitveranstalter Dänemark sei kein Ausschlusskriterium gewesen. Und auf die Frage, warum ausgerechnet München, das keine Mannschaft in der Handball-Bundesliga hat, mit der 12 463 Zuschauer fassenden Olympiahalle den Zuschlag bekam, sagte Schober, man habe dabei auch an den mitgliederstarken bayerischen Handballverband gedacht.

Und Köln, wie auch Hamburg nicht in der Bundesliga vertreten, habe mit der großen Lanxess Arena, die 20 000 Zuschauern Platz bietet, als Austragungsort des WM-Finales 2007 einen hervorragenden Ruf. In Hamburg findet zudem am 17. Dezember diesen Jahres das Finale der Frauen-Handball-WM statt. Nach Angaben der WM-Organisatoren wird die deutsche Mannschaft im Januar 2019 in Berlin das Eröffnungsspiel bestreiten. In der Mercedes-Benz Arena wird der Europameister auch seine Vorrundenspiele bestreiten.

Der umstrittene Präsident des Handball-Weltverbandes (IHF), Hassan Moustafa, zeigte sich überzeugt, dass Deutschland und Dänemark, die erstmals eine Handball-WM zusammen austragen, das nötige Knowhow sowie "beste Sponsoren" haben, um dieses Sportgroßereignis zu veranstalten. "Die IHF ist sehr entspannt", sagte der Ägypter, der einst an der DDR-Sporthochschule DHfK in Leipzig studiert hatte. Moustafa informierte zugleich über den neuen Austragungsmodus des Weltmeisterturniers. Nach der Vorrunde werde nicht mehr im K.o.-System Achtel-, Viertel- und Halbfinale ausgespielt, stattdessen folgen auf die Vorrundengruppen erneut zwei Hauptrundengruppen. Dieses System sei "fairer". Gute Mannschaften, die in der K.o.-Runde einmal einen schlechten Tag hätten und ausschieden, bekämen so eine zweite Chance, sich doch noch durchzusetzen, argumentierte der IHF-Präsident. Bei der Handball-WM in Frankreich Anfang 2017 war das deutsche Team überraschend schon im Achtelfinale an Katar gescheitert.

(Von Reinhard Zeidler, aus den Kieler Nachrichten vom 29.06.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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