KN: Die Notlösung im Internet

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Mittwoch, 11.01.2017 // 11:21 Uhr

Hannover. Die heute beginnende Handball-WM ist ein Novum: Erstmals soll eine sportliche Großveranstaltung in Deutschland nur von einem Sponsor im Internet gezeigt werden. Auch bei dieser Notlösung gab es bis zum Dienstagabend noch leichte Unsicherheit - doch schließlich gaben die Medienaufseher grünes Licht für das Livestreaming der DKB-Bank. Technische Probleme dürfte es zwar nicht geben, dennoch wirft der Plan Fragen auf.

Fragen und Antworten: So schauen die Fans ab heute die Handball-Weltmeisterschaft beim Sponsor DKB

Warum wird die WM in Deutschland nur im Internet gezeigt?

Der Handball-Weltverband IHF hat die Fernsehrechte an BeIN Sport verkauft, und das katarische Unternehmen lehnt eine Übertragung im deutschen Free-TV ab. BeIN Sport will nicht, dass deutsche Übertragungen via Satellit auch in anderen Ländern zu empfangen sind. Angebote von Pay-TV-Anbietern wie des Senders Sky, der bei der Weltmeisterschaft 2015 in Katar noch kurzfristig eingesprungen war, lehnte der zu Al Jazeera gehörende Rechtehändler ohne Begründung ab.

Wieso zeigt eine Bank die WM?

Die Deutsche Kreditbank (DKB) ist kurzfristig eingesprungen, um ihr Sponsoring zu retten. Gibt es keine bewegten Bilder in Deutschland, wäre der Werbewert des DKB-Sponsorings nur minimal. Durch den Kauf der Rechte ist der Bank sogar ein PR-Coup gelungen. Vom Vizepräsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Bob Hanning, durfte sie sich jedenfalls als "Retter des Handball" feiern lassen.

Darf die Bank das?

Die Medienaufseher haben für die Live-Übertragungen der WM-Spiele des deutschen Handball-Teams im Internet Grünes Licht gegeben. Die Übertragung auf einem DKB-Portal ist zwar nach Einschätzung der zuständigen Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medienanstalten voraussichtlich als zulassungspflichtiger Rundfunk einzustufen. Aufgrund des außergewöhnlichen Einzelfalls werde die Ausstrahlung aber geduldet, teilte die ZAK am Dienstag mit.

Wie sieht man die Spiele?

Zu sehen sind alle WM-Partien kostenfrei auf der Seite handball.dkb.de oder durch Aufruf des Bank-Kanals über die YouTube-App. Das funktioniert nach DKB-Angaben auf jedem internetfähigen Endgerät, also auf Computer, Laptops, Tablets, Smartphones oder auch per Smart-TV. Haushalte ohne Internetempfang, etwa ältere Menschen, sind durch die Online-Übertragung von der WM ausgeschlossen.

Sind technische Probleme zu erwarten?

In den allermeisten Haushalten dürfte es bei der Übertragung keine Schwierigkeiten geben, sagte Fiete Wulff, Sprecher der Bundesnetzagentur: "Das Breitband ist in Deutschland ziemlich gut ausgebaut." Wie leistungsfähig die Verbindung für das Streaming sein muss, um ohne Ruckeln beim Empfänger anzukommen, dafür gebe es keine feste Größe, sagte Wulff. Drei bis vier Megabit pro Sekunde müssten in der Regel bereits ausreichen. Die Spiele werden in HD-Auflösung ausgestrahlt, bei langsameren Internetverbindungen wird die Qualität nach unten angepasst, damit der Stream so flüssig wie möglich läuft.

Sind die Spiele überall zu sehen?

Wer gerade Urlaub im Ausland macht, kann die Übertragung der Bank nicht empfangen. Durch so genanntes Geoblocking ist der Aufruf des Streams nur von Deutschland aus möglich. Auch das gehörte zum Forderungskatalog des katarischen Rechtehändlers BeIN Sports.Was bietet die Übertragung?Positiv ausgedrückt: Die Handball-WM ist Sport pur. Die Übertragungen beginnen erst mit dem Einlauf der Mannschaften und enden kurz nach dem Spiel. Interviews mit dem Bundestrainer oder Spielern sind nicht geplant. "Ein Studio oder ein Team vor Ort wird es nicht geben", teilte die Bank mit.

Wer kommentiert?

Deutsche Kommentatoren sind Markus Götz und Uwe Semrau, die sonst auch für den Sender Sport 1 arbeiten, der jahrelange Handball-Erfahrung hat. Sie kommentieren aber nur die Spiele der "Bad Boys" sowie maximal vier weitere Partien (Eröffnungsspiel, Halbfinals, Endspiel). Bei den übrigen Begegnungen hören die Zuschauer den englischen Kommentar des sogenannten Weltsignals.

(Von Michael Rossmann, aus den Kieler Nachrichten vom 11.01.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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