KN: Ei, Ei, Ei

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Freitag, 11.08.2017 // 08:58 Uhr

Herzogenaurach/Kiel. Das Frühstück-Buffet im Novina Hotel in Herzogenaurach lässt keine Wünsche offen. Die Abteilung Ei bietet eine umfassende Auswahl: gekochtes Ei, Spiegelei, Rührei, Omelett. Auf den Tellern der Spieler des THW Kiel wird das Ei zum Berg. Begleiterscheinung eines strukturellen Faceliftings im Verein, der die Bereiche Fitness, Athletik und Ernährung neu ordnet.

THW stellt sich in Sachen Fitness, Athletik und Ernährung neu auf

Bei der Aufstellung für das offizielle Mannschaftsfoto Ende Juli wurden die Veränderungen zum ersten Mal sichtbar. Nicht mehr der langjährige Athletiktrainer Hinrich Brockmann, sondern Lasse Bork vom Kieler "Fit Sportclub" stellte sich neben THW-Trainer Alfred Gislason auf. Die Erklärung lieferte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: "Alfred wollte eine ganzheitliche Betreuung des athletischen Bereiches - angefangen bei der Ernährung. Unser Trainer braucht die individuellen Informationen über jeden Spieler, und der Spieler wird für uns jetzt gläserner. Außerdem werden gesunde und verletzte Spieler gezielter getrennt geführt."

In Herzogenaurach macht nun also der 30-jährige Sportwissenschaftler Bork –-neben Tobias Jacobsen und Simon Sartisohn einer von drei zuständigen Trainern - das Warm-up, kümmert sich im Kraftraum individuell um die verletzten Domagoj Duvnjak und René Toft Hansen. Zweimal pro Woche bittet er die Zebras im Handball-Alltag zum Krafttraining in zwei Gruppen. "Ich verstehe uns als sportwissenschaftliche Betreuung. Unser Ansatz ist ganzheitlich", sagt Bork. So, wie es sich in den vergangenen Jahren beim Drittligisten TSV Altenholz bewährt hat, nehmen Bork und Co. jetzt auch die Zebras unter die Lupe. Alle drei bis vier Wochen werden per Hautfaltenmessung Körperfettanteil und Muskelmasse gecheckt. "Das gibt uns Aufschluss über Kohlenhydratebedarf, Schlafqualität und Regeneration."

Alfred Gislason interessieren hauptsächlich die Werte, die am Ende bei ihm ankommen. "Die Leute vom 'Fit' haben zwei Jahre lang gute Arbeit in Altenholz geleistet. Wenn unser neues Trainingszentrum 2018 steht, wollen wir sie auf jeden Fall mit hineinnehmen. Sie dokumentieren so gut wie jedes Training individuell zu jedem Spieler, können mir eine umfassende Kontrolle liefern. Und sie beraten die Spieler im Bereich Ernährung", sagt der Isländer und öffnet auch für Hinrich Brockmann - Landestrainer des Schleswig-Holsteinischen Leichtathletik-Verbandes - eine Tür: "Hinrich hat bei uns überragende Arbeit geleistet beim Heranführen verletzter Spieler an ihr Comeback. Es wäre mein Wunsch, dass er mit dieser Aufgabe auch dabei bleibt." Insgesamt, so Gislason, haben die Verletzungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Auch deswegen habe man mit dem Kurswechsel reagiert. Auch zur Freude von Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker: "Die Kommunikation in der immer größer werdenden medizinischen Abteilung wird verbessert, der Austausch optimiert, damit die Zahnräder noch besser ineinander greifen."

Und die Spieler? "Alles ist sehr professionell, individueller, der Ernährungsplan orientiert sich an ständigen Messungen", sagt Europameister Christian Dissinger. Nur die Eier, die schmecken nicht jedem, weil das neue Ernährungskonzept beispielsweise morgens auf Kohlenhydrate verzichtet, zum Frühstück Eier, Fisch und Fleisch, Avocado, Nüsse, Keime empfiehlt. "Ich esse gern mal zwei, drei Eier zum Frühstück. Aber acht bis zehn sind für mich zu viel. Ab und zu steige ich auf Thunfisch um, aber manchmal ein Brötchen wäre nicht schlecht. Manchmal fällt es schon schwer", sagt Dissinger vor einem Spiegelei-Potpourri auf seinem Teller. "Kohlenhydrate empfehlen wir nur abends", sagt Bork. "Über Nacht bleiben die Speicher voll." Das Gemurre der Spieler war anfangs laut zu vernehmen, unumstritten ist das Ernährungsprinzip ohnehin nicht. "Besonders vor dem Wettkampf brauchen Spitzensportler viele Kohlenhydrate", sagt beispielsweise Sportwissenschaftler Prof. Dr. Burkhard Weisser von der Kieler Universität. Es sei, weiß auch Lasse Bork, "anfangs ein großes Thema gewesen, weil es um Gewohnheit geht. Aber Kohlenhydrate sind auch nicht per se schlecht. Das Timing entscheidet." Zumindest in Herzogenaurach zeigen sich die Zebras strebsam, schaufeln sich auf die Teller am Morgen hauptsächlich: Ei, Ei, Ei.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 10.08.2017, Foto: Archiv/THW Kiel)