KN: Ein Zebra schwitzt selten allein

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Mittwoch, 09.08.2017 // 15:00 Uhr

Herzogenaurach. Ein ganz normaler Tag im Trainingslager des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel im mittelfränkischen Herzogenaurach. Der kupferrot finstrige Mond ist kaum vom Himmel verschwunden, da müssen die Zebras, die sich wie üblich auf drei Hochzeiten (Bundesliga, Champions League, DHB-Pokal) vorbereiten, auch schon wieder hoch aus den Federn: Wecken um 7.15 Uhr. Nach dem Frühstück (7.30 Uhr) wartet schon der Mannschaftsbus, Abfahrt zum ersten Training im Gymnasium Herzogenaurach um 8.30 Uhr. So nimmt der Tag dann seinen Lauf.

Zwischen Taktik- und Zirkeltraining

"Ich bin sehr zufrieden. Die Spieler sind fitter als im letzten Jahr, ziehen alle gut mit, haben ihr Programm vor Beginn der Vorbereitung offenbar diszipliniert durchgezogen", sagt THW-Trainer Alfred Gislason. Währenddessen bittet Lasse Bork, neuerdings zuständig für Athletik, Kraft und Fitness der Zebras, zum Warm-up ab 9 Uhr. Elastische Bänder, Bänke und Medizinbälle - Zirkeltraining, das lieben die Spieler sowieso. Irgendwann kommt dann auch der Ball ins Spiel, und nach wenigen Minuten sieht man, dass in der Mannschaft von Alfred Gislason auch ein neuer Wind weht. "Die Belastung, die Intensität ist in diesem Jahr extrem hoch", sagt Rückraumspieler Christian Dissinger. "Aber es macht auch extrem viel Spaß. Jeder gibt Vollgas, die Jungen sind voll motiviert, die Älteren wollen Vorbild sein. Die Altersstruktur ist richtig gut."

Vollgas, das sind dann Tempogegenstoß-Wettläufe, bei denen um jeden Millimeter gerungen wird. Bämm! Spieler krachen zu Boden, Bälle krachen gegen den Pfosten, alles kracht und lacht auch gar nicht so selten, irgendwo da auf dem Hallenparkett am Rande der Erschöpfung. 12 Uhr Mittagessen im Novina Hotel im Stadtteil Herzo Base, danach Mittagsruhe bis 14.45 Uhr, Kaffeetrinken und Videostudium um 15 Uhr, Abfahrt zur nächsten Trainingseinheit um 16.30 Uhr. Auf der Tribüne dürfen am Nachmittag auch Adidas-Mitarbeiter und ihre Kinder zuschauen. Jetzt wird's taktisch. Spielzüge werden ab 17 Uhr wieder und wieder durchexerziert. "Damit habe ich in diesem Sommer etwas früher begonnen als sonst. Besonders, weil wir Miha Zarabec als Spielmacher schnell integrieren müssen", sagt Gislason.

Der Coach hat ein Einsehen, um 18.30 Uhr geht's schon zurück zum Hotel. Letzter Programmpunkt des Tages: 20 Uhr Abendessen, die Speicher wollen wieder aufgefüllt werden. "Alles gut, aber müde", sagt Christian Dissinger, ehe sich alles auf dem Hotelflur verflüchtigt, die einen noch zur Behandlung bei den Physiotherapeuten gehen, die anderen schauen Serien oder trinken in der Hotel-Lobby noch gemeinsam einen Kaffee. Ein ganz normaler Tag eben im Trainingslager des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel im mittelfränkischen Herzogenaurach.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 09.08.2017, Foto: Sascha Klahn)