KN: Handball-Hauptstadt Kiel soll bei WM 2019 leer ausgehen

Weitere
Mittwoch, 28.06.2017 // 11:39 Uhr

Kiel/Berlin. Auf der Landkarte für die Handball-Weltmeisterschaft 2019 in Deutschland und Dänemark ist die "Handball-Hauptstadt" Kiel nicht verzeichnet. Nach Informationen der Kieler Nachrichten wird die Landeshauptstadt mit ihrer Sparkassen-Arena bei der Vergabe der WM-Standorte leer ausgehen. Den Zuschlag sollen offenbar Berlin, Hamburg, Köln und München erhalten, darunter drei Städte, die nicht in der Handball-Bundesliga vertreten sind.

Stattdessen Spiele in Hamburg, Köln und München geplant

Arena-Geschäftsführer Stefan Wolf und sein Kollege Jürgen David hatten ihren Hut für die Austragung einer Vorrundengruppe und für die Ausrichtung einer Hauptrundengruppe in den Ring geworfen. In Deutschland werden zwei Vorrundengruppen und eine Hauptrundengruppe, ein Teil des President’s Cup sowie beide Halbfinals stattfinden. Schauplatz der übrigen Partien inklusive der Spiele um Bronze und des Finales wird Dänemark sein.

13 Standorte waren beim Deutschen Handballbund (DHB) in der engeren Wahl, und offenbar haben sich die Verantwortlichen für eine regionale Verteilung und für Metropolen entschieden. So soll die deutsche Mannschaft ihre Partien in der Kölner Lanxess Arena (Kapazität: 20 000 Zuschauer) austragen. Auch die Berliner Mercedes-Benz Arena (14 500), die Barclaycard Arena in Hamburg (13 200) und die Olympia-Halle in München (12 463) bieten mehr Zuschauern Platz als die Kieler Sparkassen-Arena, in der bei den fast immer ausverkauften Spielen des THW Kiel 10 285 Fans auf den Tribünen sitzen.

Thorsten Storm, Geschäftsführer des THW Kiel, bedauerte die Absage: "Das ist schade für unser handballbegeistertes Publikum. Kiel war bei Länderspielen immer eine Bank, das waren immer echte Feste. Und ich weiß nicht, ob das in München auch so sein wird."

Man würde, hatte DHB-Generalsekretär Mark Schober 2016 gesagt, "neben wirtschaftlichen besonders auch technische und infrastrukturelle Kriterien ins Kalkül ziehen." Schober hatte zudem einen Einblick in die Strategie seines Verbandes gegeben: "Die Teams müssen zwischen den Spielorten, zwischen Deutschland und Dänemark, reisen. Es geht um Infrastruktur, Hotelkapazitäten an den Spielorten. Entscheidend wird aber sein: Wo ist die Nachfrage nach Handball groß? Wie verteilen wir die Standorte über das Land?"

Gespielt wird nun also im mit der Sportart Handball wenig vertrauten München, aber nicht in Kiel. Vielleicht geriet der Landeshauptstadt in diesem Fall die Nähe zum Nachbarland Dänemark zum Nachteil. Hatte sich Kiel bei der WM 2007 noch als besonders attraktiv für eine Vorrundengruppe erwiesen, spielt dieser Faktor angesichts des Co-Ausrichters Dänemark nun keine Rolle mehr.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 28.06.2017, Foto: Sascha Klahn)

KN-Kommentar: Begeisterung zählt nicht

Das erste Gefühl: Empörung! Stell' Dir vor, es ist Handball-WM, und Kiel ist nicht dabei! Wie kann das sein? Es kann, so zeichnete es sich schon in den vergangenen Tagen vor der heutigen offiziellen Bekanntgabe der Standorte für die Titelkämpfe in Deutschland und Dänemark 2019 ab. Der Deutsche Handballbund (DHB) macht in seinen strategischen Überlegungen einen Bogen um Kiel und muss sich am Ende doch zumindest einen Vorwurf gefallen lassen.

Denn einerseits wird niemand widersprechen, dass Berlin bei einer WM dabei sein muss. Jeder Handball-Fan weiß zudem, dass die Arenen in Köln und Hamburg - stets bewiesen bei den Final-Four-Turnieren in der Champions League und im DHB-Pokal - räumliche und infrastrukturelle Vorteile gegenüber der Sparkassen-Arena haben. Die Chefs des Kieler Kult-Tempels selbst gestehen ja ein, dass es nicht ohne erhebliche Anstrengungen möglich gewesen wäre, die (baulichen) Anforderungen des Weltverbandes IHF zu erfüllen.

Aber der DHB wollte in seiner Strategie explizit auch auf Handball-Begeisterung setzen und muss sich nun die Frage gefallen lassen, warum er auf die Handball-Diaspora München setzt. In diesem Fall geriet Kiel die Nähe zu Skandinavien und zum Co-Ausrichter Dänemark, anders als bei der WM 2007, zum Nachteil. Tröstend ist jedoch: Der Weg ins Nachbarland, der Weg nach Hamburg, der Weg zu diesem Handball-Fest ist aus der Handball-Hauptstadt Kiel kein weiter.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 28.06.2017)

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018