KN-Interview mit Thorsten Storm: "Alfred will und muss Titel holen"

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Montag, 07.08.2017 // 11:40 Uhr

Strande. Treffen mit Thorsten Storm, Geschäftsführer des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, in Strande. Beim Österreicher im "Kaiser" ist es gemütlich, draußen am Strand tobt ein Gewitter. Fast ein bisschen so wie bei den Zebras in der letzten Saison. Die hat bei dem 52-Jährigen Spuren hinterlassen. Der Urlaub mit Ehefrau Franca und den Kindern Clara (14), Henry (4) und Paulina (2) rückt näher, ein wenig Erschöpfung nach strapaziösen Monaten ist bei Storm noch spürbar, Vorfreude auf das, was kommt, aber auch.

Storm über Weiterentwicklung, Rückschläge und die neue Spielzeit

KN: Herr Storm, die vergangene Saison war für alle Beteiligten anstrengend, offenbarte so manchen Rückschlag. Wie sehr freuen Sie sich darum auf den Urlaub mit Ihrer Familie?
Thorsten Storm: Ich denke, jeder Familienvater freut sich auf den Urlaub mit seiner Familie und seinen Kindern. Die zurückliegende Saison war besonders für unser Team und unseren Trainer, aber auch auf allen anderen Ebenen, sehr, sehr anstrengend. Deshalb ist nun auch für mich selbst eine Pause ganz wichtig, um neue Kraft und Energie für kommende Aufgaben zu tanken.

Laut Alfred Gislason soll der personelle Umbruch mit dieser Saison abgeschlossen sein. Welche Baustellen hätten Sie gern anders geschlossen?
Der Innenblock kann unsere Achillesferse sein. René Toft Hansen und Patrick Wiencek sind derzeit nicht eins zu eins zu ersetzen. Deshalb hätte ich Hendrik Pekeler gern schon in diesem Sommer aus Mannheim nach Kiel gelotst. Er ist Schleswig-Holsteiner und hat eine Riesen-Entwicklung hinter sich. Darüber hinaus hoffe ich, dass Domagoj Duvnjak schnell wieder fit ist. Er bedeutet Extraklasse für uns. Für unser Angriffsspiel gegen eine offensive Deckung haben wir mit Miha Zarabec eine tolle Alternative gefunden. Er wird uns direkt helfen können.

Wenn im kommenden Sommer Hendrik Pekeler am Kreis und nach unseren Informationen auch Magnus Landin auf Linksaußen den THW verstärken, ist die Mannschaft der Zukunft nach Ihren Aussagen komplett. Oder?
Magnus Landin ist ein großes Talent. Aber er spielt in Kolding. Wir beobachten ihn und seine Entwicklung schon seit längerem. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen. Hendrik Pekeler passt sofort rein. Das steht fest. Die Sportwelt ist sehr schnelllebig, und es kann viel passieren. Zwei Personalien müssen sich allerdings noch entscheiden: Die aktuellen Verträge von René Toft Hansen und Christian Zeitz laufen nach dieser Saison aus. Hier werden wir in der Hinrunde Gespräche führen. Ansonsten blicken wir nun auf viel Kontinuität. Das große sportliche THW-Bild steht. Viele wichtige Akteure sind langfristig an den Verein gebunden.

Genau wie Trainer Alfred Gislason und Sie als Geschäftsführer - beide bis 2019. Wie sehen die Erwartungen an Sie beide als Führungsduo aus?
Alfred will und muss Titel gewinnen. Das ist sein großes Ziel mit dieser neuen THW-Mannschaft. Und ich werde ihn dabei nach vollsten Kräften unterstützen. Wir müssen neue Einnahmequellen finden. Dafür müssen wir als starke internationale Handballmarke auch neue Wege gehen. Das ist eine meiner Kernaufgaben. Nur dann werden wir langfristig als THW Kiel in Europa um Titel mitspielen können. Zusammen mit unseren Gremien müssen wir zudem ständig unsere Netzwerke erweitern.

In Altenholz wurde jetzt der Grundstein für das neue Trainingszentrum des THW gelegt. Welche Bedeutung hat das für die Entwicklung des Vereins?
Das ist ein Meilenstein für den gesamten THW Kiel und den Handball in der Region. Alle sehnen sich nach optimalen Trainingsbedingungen für die Mannschaft, aber auch für den Nachwuchs. Denn um Spieler zu entwickeln, braucht man diese Voraussetzungen, und junge Spieler brauchen die Nähe zur Bundesliga. Alles wird zukünftig unter einem Dach sein, inklusive der medizinischen Versorgung und der Verwaltung.

Das heißt, der THW wird alle seine Zelte in Kiel abbrechen?
Nein, unsere Vision ist es, dass wir in den Räumen der jetzigen Geschäftsstelle eine Art Fan-Treff schaffen - Fanartikel, Pokale, Tickets, ein Treffpunkt am Spieltag. Teile der Geschäftsstelle werden zudem in Kiel bleiben, zum Beispiel der Vertrieb und das Ticketing.

Das Gelände in Altenholz gehört der Firma Dataport, Bauherr ist eine Kieler Kommanditgesellschaft um den ehemaligen THW-Spieler und Altenholz-Trainer Mannhard Bech. Warum ist der THW "nur" Ankermieter für 15 Jahre und hat die Zügel bei dem Bauvorhaben nicht selbst in die Hand genommen?
Wir sind nun ein langfristiger Ankermieter, konnten aber innerhalb der Gesamtplanung alle unsere Anforderungen und Ideen umsetzen. Unser Traum war es ja, gemeinsam mit Holstein Kiel ein Trainingszentrum zu realisieren. Wir haben unzählige Gespräche geführt, und da hätten wir auch selbst investiert. Aber es ist nicht dazu gekommen, und jetzt sprechen einfach viele wirtschaftliche und strukturelle Vorteile für diese neue Lösung in Altenholz.

Hätten Sie sich im Zuge der Planungen für das gemeinsame Zentrum eine ähnliche Unterstützung, ein ähnliches Bekenntnis von Stadt und Land gewünscht, wie es Holstein Kiel jetzt durch den Aufstieg in die Zweite Liga erfährt?
Gerade Holstein Kiel und insbesondere Gerd Lütje haben alles versucht. Aber das letzte Bekenntnis von Stadt und Land fehlte leider. Nun haben wir eine Alternative in Altenholz und sind sehr froh und stolz, dieses spannende Projekt gemeinsam mit den Investoren auf den Weg gebracht zu haben. Ohne diese Investoren und diese Unterstützung wäre der THW Kiel wohl am Ende in dieser Sache auf der Strecke geblieben. Da steckt viel Herzblut drin.

Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit Hauptsponsor "star Tankstellen"? Und konnte der Saisonetat in Höhe von 9,5 Millionen Euro gehalten werden?
Der Vertrag mit "star" läuft noch bis 2019, das Verhältnis ist sehr gut. Das gemeinsame Projekt THW-Youngstar, das jetzt auch beim Tag "Helden des Handballs" am 13. August in Köln nochmals präsentiert wird, ist ein großer Erfolg. Durch den Holstein-Aufstieg ist das regionale Sponsoring schwieriger geworden. Denn klar ist: Wenn in einer Stadt wie Kiel vorher Sponsorengelder von beispielsweise vier Millionen Euro zur Verfügung standen, dann sind jetzt nicht auf einmal acht Millionen auf dem Markt, nur weil Holstein auch vier Millionen braucht. Wir müssen in ganz Schleswig-Holstein und ganz Deutschland noch aktiver werden. Das ist ein ständiger Prozess.

Was erwarten Sie ganz persönlich von der neuen Saison?
Ich hoffe, dass unsere Fans am Ende der Saison feiern werden. Und ich glaube, dass wir eine Mannschaft sehen werden, die um jeden Ball fighten wird und sehr hungrig ist. In der vergangenen Saison sind wir in einigen Spielen untergegangen, und darum war die Kritik auch berechtigt. Unsere Spieler und auch unsere Fans wollen so etwas nicht noch einmal erleben. Wir wollen alle deutscher Meister werden. Um den Titel zu holen, müssen aber alle Faktoren stimmen. Auf und neben dem Spielfeld.

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 07.08.2017, Foto: Sascha Klahn)