KN: Prokop wird offenbar im Sommer Bundestrainer

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Mittwoch, 18.01.2017 // 08:21 Uhr

Rouen. Christian Prokop wird das erste WM-Spiel der deutschen Handballer ganz genau beobachtet haben. Der 38-Jährige wird Nachfolger des nach der Handball-WM scheidenden Bundestrainers Dagur Sigurdsson. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) haben sich sein Bundesliga-Klub SC DHfK Leipzig und der Deutsche Handballbund (DHB) geeinigt, offenbar auf eine Ablöse in Raten von mehr als 300 000 Euro.

Leipziger Coach, DHB und SC DHfK sollen sich geeinigt haben - Deal könnte trotzdem noch platzen

Prokop tritt zum 1. Juli seinen neuen Job an. Sein Auftrag: Olympia-Gold 2020 in Japan. Doch einen sofortigen Einstieg direkt nach der WM, auch in Doppelfunktion, hat Leipzig abgelehnt. Wer das Nationalteam in der Übergangszeit (ein Test-, drei EM-Qualifikationsspiele) betreut, ist offen. Und: Es gibt noch ein Hintertürchen: Sollte Leipzig bis zum 31. Januar keinen Nachfolger finden, könnte der Deal noch platzen. Ein Kandidat ist Balingens Coach Runar Sigtryggsson.

Alle Seiten haben sich offenbar finanziell aufeinander zubewegt. Dem DHB spielte dabei in die Karten, dass er fünf Monate Sigurdsson-Gehalt (geschätzt 100 000 Euro) einspart, weil der Isländer nach der WM Japans Nationalcoach wird. Offiziell bestätigen wollen Leipzig und DHB nichts. "Kein Kommentar. Wir haben mit allen Parteien Ruhe vereinbart", sagte Präsident Andreas Michelmann in Rouen.

Doch wer ist der Neue? Der gebürtige Köthener lebt Handball, spielte unter anderem in Dessau, Wuppertal und Minden. Sein Credo: Nichts ist unmöglich. Um seine Karriere nach einer Knieverletzung fortzusetzen, schulte er von Rechts- auf Linkshänder um, ließ sich dafür sogar den linken Oberschenkel brechen, "um die Belastungsachse zu verändern". Er begann für die Feinmotorik, mit links Suppe zu essen, Bowling oder Tischtennis zu spielen. "Ich habe alles versucht, um weiter professionell Handball spielen zu können, leider hat das Knie nicht mitgespielt."

Aus dem Rückraumspieler wird so ein Trainer, der nach zehn Jahren und mehreren Stationen (u.a. in Braunschweig, Hannover, Magdeburg, Essen) 2013 in Leipzig landet. Prokop gilt - wie Sigurdsson - als akribischer, detailverliebter Arbeiter und Taktikfuchs, der auf die Kraft des Kollektivs setzt. Wenn Stars wie Neu-Nationalspieler Philipp Weber nicht in sein Konzept passen, sortiert er sie aus. 2015 sorgt er mit dem Leipziger Aufstieg für Furore, wird in der vergangenen Spielzeit "Trainer der Saison" - und im Sommer Bundestrainer.

(Von Jens Kürbis, aus den Kieler Nachrichten vom 16.01.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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