KN: Zirkus ohne Zebras und Löwen

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Mittwoch, 15.03.2017 // 10:17 Uhr

Kiel/Hamburg. Es soll ein buntes Spektakel werden. Ein glitzernder Zirkus für die ganze Handball-Familie. Bereits rund 10 000 Tickets wurden für den „Tag des Handballs“ am Sonntag in der Hamburger Barclaycard Arena abgesetzt, dessen Höhepunkt die Länderspiele der Frauen (14.30 Uhr) und der Männer (17.30 Uhr) gegen Schweden darstellen. Bereits am Vortag in Göteborg treffen die Deutschen und Skandinavier schon einmal aufeinander. Heute trifft sich die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Lehrgang mit dem neuen Bundestrainer Christian Prokop. An dem Termin scheiden sich die Geister, steht doch für drei deutsche Mannschaften nur drei Tage nach dem Event am Sonntag das Achtelfinale auf der Champions League auf dem Programm. Es drohte Ungemach, am Ende fanden alle Seiten zu einer diplomatischen Lösung.

Tag des Handballs: An den Länderspielen gegen Schweden scheiden sich die Geister – THW-Spieler bleiben in Kiel

Der Supercup (zuletzt im November 2015) war tot, es lebe der „Tag des Handballs“. Kindertraining, Handball-Abzeichen, Inklusion, Autogrammstunden, ein Länderspiel der Jugend-Auswahl gegen Israel und im Mittelpunkt die Frauen- und Männer-Nationalmannschaften mit dem doppelten Doppel-Wettkampf am Sonnabend und Sonntag gegen Schweden. Was in der Theorie so schön klang, trägt nun erste Kratzer. Zuerst hatte Frauen-Bundestrainer Michael Biegler die Termindichte – seine Mannschaft spielt am Sonnabend um 16 Uhr und am Sonntag um 14.30 Uhr – kritisiert: „Die Spiele liegen eigentlich in einem nicht zu verantwortenden Zeitraum.“ Dann hatten bei den Männern Kaptän Uwe Gensheimer (Paris) und Rechtsaußen Tobias Reichmann (Kielce) aufgrund des laufenden Spielbetriebes in ihren Ländern keine Freigabe erhalten. Kurios darüber hinaus, dass in Schweden am Wochenende ein normaler Ligaspieltag angesetzt ist, so dass die Akteure aus der einheimischen Elitserien gar nicht auflaufen können. Und zu guter Letzt einigten sich Vereine und Bundestrainer darauf, dass die Nationalspieler des THW Kiel und der Rhein-Neckar Löwen weder am Lehrgang noch an den Länderspielen teilnehmen.

Rune Dahmke, Patrick Wiencek, Andreas Wolff (THW), Patrick Groetzki und Hendrik Pekeler (Löwen) bleiben also zu Hause, Michael Allendorf (Melsungen), Niclas Pieczkowski (Leipzig), Florian Billek (Coburg), Manuel Späth (Göppingen) und Torwart Carsten Lichtlein (Gummersbach) rücken nach. „Ich habe keinem Spieler verboten zu spielen“, betont THW-Trainer Alfred Gislason. „Ich hatte ein gutes Gespräch mit Christian Prokop. Er hat unser Anliegen verstanden.“ Ähnlich äußert sich THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: „Das Spiel in Paris war doch ein Spiegelbild der Situation. Die Spieler sind einfach erschöpft – körperlich und mental. Es wird Zeit, dass sie eine Auszeit kriegen.“

Verständnis für den Termin mitten im März, um mit einem sportlich bedeutungslosen Event Werbung fürs Nationalteam zu machen, hatten die Spieler wenig. „Seit der WM in Frankreich hatten wir nur englische Wochen. Darum haben wir uns – also die deutschen und schwedischen Spieler vom THW – zusammengesetzt, wollen mit dem Verein vorankommen. Für die Zuschauer ist dieses Event zu diesem Zeitpunkt sicher etwas Schönes. Für uns Spieler ist es eine Katastrophe. Warum beispielsweise hat nur die stärkste Liga der Welt zu diesem Zeitpunkt einen Lehrgang und Länderspiele? Wenn ständig von Belastung geredet wird, muss man sich dann vielleicht auch einmal hinterfragen“, sagt Patrick Wiencek. Auch der Schwede Lukas Nilsson hat seine Teilnahme abgesagt: „Ich verstehe nicht, warum diese Spiele jetzt stattfinden. Ich muss in Kiel bleiben. Ich war wegen Olympia und der WM fast die gesamten Vorbereitungsphasen nicht bei der Mannschaft. Ich will die Zeit nutzen, um in der Sprachschule voranzukommen und mit der Mannschaft zu trainieren.“

Die Maßnahme von Prokop, Zebras und Löwen zu schonen, hat den Druck aus der Situation genommen. Auch Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, gibt sich gelassen: „Wir verfügen zum Glück mittlerweile über eine Vielzahl an guten Spielern in der Nationalmannschaft, haben genügend Qualität.“ Noch unter Dagur Sigurdsson habe man sich gegen mehrere Kurz-Lehrgänge und für einen Wochen-Lehrgang entschieden, „um die Nationalmannschaft zu formen“, so Hanning. „Vielleicht finden wir für die Zukunft auch wieder eine andere Lösung.“ Liga und Verband arbeiten, so der DHB-Vize, „exzellent zusammen“, und so habe man doch eine gute Lösung gefunden.

Bleibt abzuwarten, ob die Fans das auch so sehen, wenn sie am Sonntag vergebens nach Stars wie Gensheimer, Pekeler oder Wolff Ausschau halten.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 14.03.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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