Bärenstarker Wolff beim DHB-Kantersieg in Slowenien

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Mittwoch, 03.05.2017 // 16:40 Uhr

Ein bärenstarker THW-Torhüter Andreas Wolff und die "Bad Boys" in Galaform haben einen großen Schritt in Richtung Europameisterschaft 2018 in Kroatien gemacht: Bei der Pflichtspiel-Premiere des neuen Bundestrainers Christian Prokop in der nur anfangs hitzigen Atmosphäre der Stozice-Arena in Ljubljana gewann die deutsche Nationalmannschaft beim WM-Dritten Slowenien mit 32:23 (19:12) und braucht aus den ausstehenden drei Spielen nur noch einen Sieg im Rückspiel am Sonnabend für die erfolgreiche Qualifikation.

Sieben-Tore-Führung zur Pause

Mit Spannung war nicht nur die Partie beim direkten Verfolger, sondern auch das Debüt von Christian Prokop in einem wichtigen Spiel erwartet worden. Doch der amtierende Europameister machte von Beginn an klar, dass er seinem Trainer einen guten Einstand bescheren wollte: Vor allem Wolff war hellwach und entnervte die Slowenen bereits in der rasanten Anfangsphase, die beiden Teams keine Verschnaufspausen gönnte. Nach 18 Minuten, einer Sechs-Tore-Führung für Deutschland und einer Wolff-Quote von über 50 Prozent gehaltener Bälle nahm Sloweniens exzentrischer Nationalcoach Veselin Vujovic bereits die zweite Auszeit - doch alles Zetern half nichts: Deutschlands blieb, angeführt von Wolff und dem sicheren Kapitän Uwe Gensheimer, der insgesamt 11/7 Treffer erzielte, die bestimmende Mannschaft und nahm eine Sieben-Tore-Führung mit in die Pause. 

Rückspiel am Sonnabend

Am Donnerstag reist die deutsche Delegation wieder zurück nach Frankfurt. Am Tag darauf zieht die DHB-Auswahl um nach Halle/Westfalen. Dort findet am Sonnabend das Rückspiel statt. Das erneute Aufeinandertreffen des Europameisters mit dem WM-Dritten wird um 16:10 Uhr im Gerry-Weber-Stadion angepfiffen und live in der ARD übertragen. Die deutsche Mannschaft hofft dann auch auf einen Einsatz von Steffen Weinhold, der in Ljubljana genauso wie Kai Häfner erkrankt gefehlt hatte. Mit einem Sieg gegen den Verfolger könnte die DHB-Auswahl dann endgültig die Qualifikation für die EM in Kroatien klarmachen.

Deutschland bleibt konsequent

Nach der klaren Angelegenheit in den ersten 30 Minuten ließen die "Bad Boys" auch im zweiten Durchgang nichts anbrennen, hielten die Gastgeber konsequent auf Abstand und konnten sich weiterhin auf ihren Wolff verlassen: Der Torhüter  krönte seine überragende Leistung mit einer Doppelparade gegen Jule Dolenec in der 55. Minute, als der Kieler Kieler Keeper zunächst einen Siebenmeter und dann auch noch den Nachwurf parierte. Im Gegenzug nutzte sein Kieler Teamkollege Rune Dahmke die Steilvorlage mit dem endgültig entscheidenden Treffer zum 30:22. Dahmke setzte im Gegenstoß mit seinem zweiten Treffer auch den deutschen Schlusspunkt, während Patrick Wiencek als Abwehrchef und dreifacher Torschütze glänzte. Der künftige Kieler Miha Zarabec erzielte für die Slowenen zwei Tore.

Statistik: EM-Qualifikation: Slowenien - Deutschland: 23:32 (12:19)

Tore Slowenien: Dolenec (5/3), Bezjak (4), Marguc (3/3), Blagotinsek (2), Janc (2), Zarabec (2), Grebenc (2), Kodrin (1), Mackovsek (1), Poteko (1) f
Deutschland: Wolff, Heinevetter; Gensheimer (11/7), Lemke (1), Wiencek (3), Reichmann (2), Wiede, Pekeler (2), Fäth (2), Groetzki (4), Weber (4), Dahmke (2), Ernst, Pieczkowski, Kohlbacher, Drux (1); Trainer: Prokop

Schiedsrichter: Pichon / Reveret (FRA)
Zeitstrafen: Slowenien 3 (2x Blagotinsek, Poteko) / Deutschland 4 (2x Lemke, Pekeler, Drux)
Siebenmeter: Slowenien 8/6 / Deutschlanf 7/7
Zuschauer: 10.500 (Stozice-Arena, Lubljana (SLO))

KN: Klarer Kurs Kroatien

Ljubljana. Keeper Andreas Wolff war der überragende Rückhalt, Kapitän Uwe Gensheimer der eiskalte Vollstrecker: Dank ihrer Ausnahmekönner haben Deutschlands Handballer nach dem WM-Schock einen glanzvollen Neustart unter Christian Prokop hingelegt. Beim Pflichtspieldebüt des neuen Bundestrainers setzten sich die Bad Boys am Mittwochabend im Topspiel der EM-Qualifikation beim WM-Dritten Slowenien mit 32:23 (19:12) durch. Nach dem dritten Sieg im dritten Qualifikationsspiel steuert die DHB-Auswahl damit souverän auf Endrundenkurs.

"Damit konnte man in der Form nicht rechnen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. "Das war sehr konzentriert, fokussiert und eines der besten Spiele, seit ich in meiner Funktion dabei bin." Auch der starke Wolff zeigte sich von der Arbeit des neuen Coaches begeistert: "Wir haben in der Kürze der Zeit schon einiges von dem umgesetzt, was Christian uns mitgegeben hat. Wir haben ein hervorragendes Spiel abgeliefert."

Gut drei Monate nach dem enttäuschenden Achtelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft in Frankreich lieferte das deutsche Team im Hexenkessel von Ljubljana eine ganz starke Leistung ab. Dank des Erfolges behauptete der Europameister mit 6:0 Punkten die Tabellenführung in der Gruppe 5 und kann mit einem Heimsieg im Rückspiel an diesem Sonnabend (16.10 Uhr/live in der ARD) in Halle/Westfalen vorzeitig das Ticket für die EM 2018 in Kroatien lösen. Bester deutscher Werfer war Linksaußen Gensheimer mit elf Treffern, sieben davon erzielte er per Siebenmeter.

Im Tor setzte Prokop, der Mitte März die Nachfolge von Dagur Sigurdsson angetreten hatte, auf Wolff - und der Keeper vom deutschen Rekordmeister THW Kiel war der erhofft starke Rückhalt. Mit seinen Paraden sorgte der 26-Jährige dafür, dass die Gäste schnell auf drei Tore davonzogen (5:2/8.). Auch in der Folge brachte der EM-Held die Slowenen schier zur Verzweiflung, so dass die Prokop-Truppe ihren Vorsprung weiter ausbaute (12:6/18.). Dabei musste der Coach seine Defensive frühzeitig umbauen, weil Paul Drux bereits nach zehn Minuten seine zweite Zeitstrafe kassierte. Für den Berliner rückte der Kieler Kreisläufer Patrick Wiencek in den Abwehrverbund.

Nach dem kurzfristigen Ausfall der erkrankten Europameister Steffen Weinhold (THW Kiel) und Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) setzte Prokop im rechten Rückraum auf Rückkehrer Fabian Wiede. Der Berliner, der nach seiner Schulterverletzung erstmals seit neun Monaten wieder für die DHB-Auswahl auflief, konnte beim Comeback allerdings noch keine Offensivakzente setzen. Das war wieder einmal Chefsache. Kapitän Gensheimer traf aus allen Lagen - von Außen, im schnellen Gegenstoß und vom Siebenmeterpunkt. So ging die DHB-Auswahl mit einem beruhigenden Sieben-Tore-Polster in die Pause. Auch nach dem Wechsel agierten die Gäste auf hohem Niveau und ließen dem Gastgeber nicht den Hauch einer Chance, dem Spiel noch einmal eine Wende zu geben. Im Gegenteil: Der Vorsprung wuchs sogar auf neun Tore.

(Von Eric Dobias, aus den Kieler Nachrichten vom 04.05.2017)

 

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