KN: Mit "Tüftler" Prokop nach Kroatien

Weitere
Montag, 08.05.2017 // 12:44 Uhr

Halle/Westfalen. Für das vorzeitig gelöste EM-Ticket bekam Handball-Bundestrainer Christian Prokop nicht nur den Applaus des Publikums. Der zweite Sieg im zweiten Pflichtspiel unter dem neuen Coach habe stark mit Prokops taktischem Geschick zu tun, lobte Kapitän Uwe Gensheimer nach dem 25:20-Erfolg in Halle/Westfalen gegen Slowenien. "Er kann uns sehr gut und detailliert einstellen", sagte der Weltklasse-Linksaußen. Dreieinhalb Monate nach dem schmerzlichen Achtelfinal-K.o. bei der WM in Frankreich verspricht der Neustart unter Prokop tatsächlich Großes für die Zukunft. Mit der frühzeitigen Qualifikation für die Europameisterschafts-Endrunde im Januar in Kroatien legte die DHB-Auswahl den ersten Grundstein für die erhoffte Titelverteidigung.

Deutschland vorzeitig qualifiziert

Gegen den WM-Dritten Slowenien gerieten die Bad Boys zu keinem Zeitpunkt in ernsthafte Bedrängnis. Nach dem überragenden 32:23-Erfolg im Hinspiel fehlte Gensheimer und Co. am Sonnabend zwar einige Male die Konsequenz im Abschluss. In Gefahr war der verdiente Erfolg allerdings zu keiner Zeit. Auch weil Prokop seine Mannschaft perfekt auf die Slowenen vorbereitet hatte. "Wir hatten gute Antworten für alles. Ich hatte während der Partie nie das Gefühl oder die Angst, dass etwas anbrennen könnte", sagte THW-Kreisläufer Patrick Wiencek, in der Offensive neben Fabian Wiede und Philipp Weber erfolgreichster Schütze (alle 4 Tore).

Die warmen Worte seiner Spieler ließen den 38-jährigen Prokop zumindest äußerlich kalt. Zwar gab er das Lob verhalten zurück und sprach von einer "sehr konzentrierten, aber auch sympathischen Stimmung unter den Jungs". Dann aber redete der Bundesligacoach des SC DHfK Leipzig wieder lieber darüber, worüber der Handball-"Tüftler" ohnehin am liebsten redet: über Taktik. Genau damit scheint Prokop seine Mannschaft bisher aber auch am meisten überzeugt zu haben.

Er habe das Team "sehr akribisch auf die Slowenen vorbereitet", sagte der Wetzlarer Weber, der als Aufsteiger aus dem Länderspiel-Doppel hervorgeht. "Ich sehe mich individuell nicht als Gewinner, das ganze Team hat gewonnen." Vor allem die Abwehr überragte in beiden Spielen, sie war auch unter Prokops Vorgänger Dagur Sigurdsson der Grundstein für den Erfolg. Auch mental hat er die DHB-Auswahl nach dem unerwarteten WM-Schock und dem Sigurdsson-Abschied gestärkt. Selbst kleinere Schwächephasen im Rückspiel gegen Slowenien überstanden die DHB-Spieler ohne Probleme. "Wir hätten jederzeit wieder explodieren können. Da ist die Klasse einfach da", sagte Abwehrchef Finn Lemke.

Die verbleibenden Qualifikationsspiele in Portugal und gegen die Schweiz Mitte Juni wird Prokop nun für kleinere Experimente nutzen können. Nach seinen ersten beiden Pflichtspielen gehe es für ihn auch weiter ums Kennenlernen, sagte der Leipziger. Seine Spieler scheint er jedenfalls innerhalb kurzer Zeit schon von sich und seiner Arbeit überzeugt zu haben. Der gesamte Lehrgang unter Prokop sei "sehr gut" gewesen, sagte Rückraumspieler Paul Drux. "Als es drauf ankam, wussten wir, was zu machen war." Weil Prokop sie darauf vorbereitet hatte. Das schafft Vertrauen.

(Von Nils Bastek und Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 08.05.2017, Foto: Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Der Startschuss ist gefallen: Ab sofort können sich junge Handballerinnen und Handballer aus ganz Deutschland für die dritte Auflage des von den star Tankstellen ins Leben gerufenen und im Handball einzigartigen Nachwuchsförderkonzeptes THW-YOUNGstar bewerben. Frische Ideen und ein neues Konzept bringen Schwung in den Wettbewerb für zehn- bis 15-jährige Nachwuchstalente, die mit forderndem und...

17.07.2018

Mattias Andersson wird in dieser Saison Trainer Alfred Gislason und Assistenz-Trainer Filip Jicha beim THW Kiel unterstützen. Der ehemalige Weltklasse-Torhüter Andersson, der im Sommer nach seinem insgesamt sechsten deutschen Meistertitel seine erfolgreiche Karriere beendete, wird regelmäßig das Torwart-Training beim Rekordmeister intensivieren.

16.07.2018

Kiel. Erst liefen die Kameras heiß, dann die Zebras: Der THW Kiel ist am Wochenende mit den ersten gemeinsamen Terminen so richtig in die Saisonvorbereitung gestartet. Der Sonnabend stand im Zeichen des großen Fotoshootings, am Sonntag dann baten Coach Alfred Gislason und sein neuer Co-Trainer Filip Jicha ihre Mannschaft zum ersten Training ins Sportforum der Christian-Albrechts-Universität.

16.07.2018

Auszeichnung für Nikola Bilyk: Der Kieler Rückraumspieler wurde von der Europäischen Handball Föderation (EHF) zum "Spieler des Monats Juni" gewählt. Mit der Wahl honorierte die EHF die starke Leistung des Österreichers in den WM-Play-off-Spielen gegen Weißrussland.

10.07.2018

Am 15. August eröffnet der THW Kiel mit dem "sky-goes-REWE"-Cup vor eigenem Publikum in der Sparkassen-Arena die Saison. Neben einem tollen Programm rund um die "Zebras" sowie dem finalen Härtetest gegen die TSV Hannover-Burgdorf wartet ein ganz besonderes Erlebnis auf Kinder zwischen sechs und 14 Jahren: 100 von Ihnen können mit "Supermärkte Nord" ein exklusives "Meet & Greet" mit den Stars des...

04.07.2018

Wer derzeit den Kabinengang in der Sparkassen-Arena betritt, braucht starke Nerven. Dort, wo bei den Heimspielen des THW Kiel konzentrierte Stille herrscht, dröhnt ein Presslufthammer, ziehen Staubwolken durch jede nicht abgeklebte Ritze, herrscht reger Schubkarren-Verkehr: 17 Jahre nach dem großen Umbau der Arena und der Einweihung des Kabinentraktes bekommt der THW Kiel eine neue, zeitgemäße und...

29.06.2018

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft trifft bei der Heim-WM 2019, die vom 10. bis 27. Januar in München, Köln, Berlin, Hamburg, Kopenhagen und Herning ausgetragen wird, in der Vorrunde auf die Teams aus Frankreich, Russland, Serbien, Korea und Brasilien. Das ergab die Auslosung am Montagmittag im Rathaus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Das Auftaktspiel der Heim-WM wird die DHB-Auswahl am...

25.06.2018

Glasgow. Das gab es noch nie: eine Handball-Europameisterschaft der Männer in Deutschland. 2024 ist es soweit. Der dreimalige Weltmeister ist vom 12. bis zum 28. Januar 2024 das erste Land, das alleiniger Ausrichter eines auf 24 Teams vergrößerten EM-Turnieres sein wird. Im Gegensatz dazu werden die beiden XXL-Endrunden zuvor von mehreren Ländern gemeinsam veranstaltet: 2020 von Norwegen, Schweden...

21.06.2018