WM 2017: Deutschland mit Kantersieg gegen Chile

Weitere
Sonntag, 15.01.2017 // 17:04 Uhr

Zweites Spiel, zweiter Sieg - so darf es gerne weitergehen! Die deutsche Nationalmannschaft gewann am Sonntagnachmittag bei der WM in Frankreich - auch dank phänomenaler 16 Paraden von Andi Wolff und sieben Treffern von Rune Dahmke - mit 35:14 (17:6) gegen Chile. Bester Torschütze für das DHB-Team in Rouen war Jannik Kohlbacher, der sogar acht Tore erzielte.

Beide Trainer setzen auf Rotation

Nach dem Kraftakt zum Auftakt gegen Ungarn stellte Bundestrainer Dagur Sigurdsson seine Mannschaft gegen den vermeintlichen Underdog aus Südamerika kräftig um. So durften Tobias Reichmann sowie die beiden Zebras Andi Wolff und Rune Dahmke durchspielen, nachdem sie am Freitag noch 60 Minuten auf der Bank Platz nehmen mussten.

Doch auch Mateo Garralda, einstiger Star des spanischen Handballs und nun Nationaltrainer in Chile, rotierte nach dem sensationellen Auftakterfolg gegen Weißrussland mächtig durch, ließ seine vermeintliche erste Sieben mit den Feuchtmann-Brüdern erst einmal auf der Bank und stattdessen die zweite Garnitur beginnen.

DHB-Team lässt sich nicht überraschen

Jannik Kohlbacher war mit acht Treffern bester Schütze gegen Chile.

Wenn Garralda mit diesem Schachzug die Bad Boys aus dem Konzept bringen wollte, dann gelang ihm dies indes nicht. Aufbauend aus der gewohnt kompakten 6:0-Deckung legte die deutsche Mannschaft von Beginn an vor. Nur ein bis zwei eigene Angriffe brauchte das DHB-Team, um sich an die sehr offensive 3:3-Deckung der Chilenen zu gewöhnen. Der Europameister spielte schnell, fand zu Beginn häufig den freien Patrick Wiencek am Kreis, der bis zum 5:2 (9.) bereits drei Mal erfolgreich war.

Allzu oft mussten die Bad Boys aber gar nicht über das gebundene Spiel zum Erfolg kommen - vielmehr ergaben sich aufgrund von geblockten Würfen und Steals in der Deckung etliche Gelegenheiten, über Gegenstöße und die zweite Welle einfachen Toren zu kommen. Allerdings ließ Deutschland in der Anfangsviertelstunde noch viele erstklassige Gelegenheiten gegen den gut aufgelegten Rene Oliva zwischen den Pfosten liegen. Aber dennoch führte das DHB-Team, bei dem Kapitän Uwe Gensheimer nur zu vier Siebenmetern aufs Parkett kam, bis zur 21. Spielminute schon deutlich mit 12:4 - obwohl mittlerweile die chilenischen Stammspieler aufs Parkett gekommen waren.

Hektische Phase mit Drux-Verletzung

Allerdings geriet die deutsche Mannschaft nach Hinausstellungen gegen Wiencek und Jannik Kohlbacher für fast zwei Minuten in doppelte Unterzahl. In dieser hektischen Phase der Partie verletzte sich der Berliner Paul Drux im Angriff am Fußgelenk. Da die lettischen Schiedsrichter die Partie nicht unterbrachen, wurde diese nur noch hektischer. Doch ein starker Andreas Wolff mit gleich zwei Glanztaten in Unterzahl und eine zum richtigen Zeitpunkt genommene Auszeit von Sigurdsson beruhigten die kurzzeitig erhitzten Gemüter wieder. Bis zum Pausenpfiff bauten die Bad Boys - allerdings nun ohne den verletzten Drux - den Vorsprung noch weiter auf 17:6 aus.

Deutschland behält Fuß auf Gaspedal

Auch nach dem Seitenwechsel ließ das DHB-Team nicht nach. Während Patrick Wiencek früh seinen verdienten Feierabend hatte und im Mittelblock von Simon Ernst ersetzt wurde, schraubten insbesondere Rune Dahmke und Jannik Kohlbacher ihre Torekonten weiter nach oben. Lediglich eine Schrecksekunde gab es noch für die Fans des Europameisters, als Ernst und Tobias Reichmann im chilenischen Torkreis zusammenprallten. Nach kurzer Behandlungspause für den Rechtsaußen von KS Kielce gab es aber Entwarnung.

Am Dienstag gegen Saudi-Arabien

Letztlich siegte das DHB-Team auch in der Höhe verdient mit 35:14 und konnte Kräfte für den weiteren Turnierverlauf sparen. Weiter geht es am Dienstag, wenn der Europameister gegen Saudi-Arabien (17:45 Uhr, live auf http://handball.dkb.de) erneut haushoher Favorit ist. Alles läuft auf ein Duell mit Kroatien um den Gruppensieg hinaus, zumal Domagoj Duvnjak und Co. am Samstagabend mit 31:28 gegen Ungarn erfolgreich waren.

Statistik: Chile - Deutschland 14:35 (6:17)

Chile: Barrientos (31.-43., 1 Parade), Garcia (bei einem Siebenmeter, keine Parade), Oliva (1.-30., 43.-60., 9 Paraden); Ceballos, Er. Feuchtmann (1), Baeza, Reyes (1/1), Kaniu, Frelijj (2), Em. Feuchtmann (2), E. Salinas (2), R. Salinas (1), H. Feuchtmann (1), Moll (2), Lopez (1), Donoso (1)

Deutschland: Heinevetter (n.e.), Wolff (1.-60., 16 Paraden); Gensheimer (4/4), Lemke, Wiencek (3), Reichmann (2), Fäth, Groetzki, Häfner (3), Dahmke (7), Kühn (4), Ernst (3), Pieczkowski (1), Kohlbacher (8), Drux

Schiedsrichter: Licis/Sondors (Lettland)
Siebenmeter: 2/1:4/4 (R. Salinas an den Pfosten (22.))
Zeitstrafen: 6:6 Minuten (Er. Feuchtmann (18.), Frelijj (36.), R. Salinas (55.) - Pieczkowski (20.), Wiencek (22.), Kohlbacher (22.))
Spielverlauf: 0:2, 1:2, 1:3 (5.), 2:3, 2:7 (13.), 3:7, 3:11 (21.), 4:11, 4:15 (27.), 6:15, 6:17; 6:18, 7:18, 7:19, 8:19, 8:21 (36.), 9:21, 9:25 (44.), 10:25, 10:26, 11:26, 11:28 (51.), 12:28, 12:30, 13:30, 13:34, 14:34, 14:35.
Zuschauer: 5000 (Kindarena, Rouen (FRA))

KN: Spaziergang über die Anden

Rouen. Pflichtaufgabe gelöst: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat die Andenrepublik Chile bei der Weltmeisterschaft in einem lockeren Spaziergang in die Schranken gewiesen. Das 35:14 (17:6) war mit 21 Toren Vorsprung nicht nur der bis dato höchste Sieg bei den Titelkämpfen in Frankreich, sondern untermauerte bestenfalls auch die Gold-Ambitionen der Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Jannik Kohlbacher (8 Tore) und der Kieler Rune Dahmke (7) avancierten zu den treffsichersten Akteuren im Team des Deutschen Handballbundes (DHB).

Irgendwann in Halbzeit zwei schweift der Blick von THW-Kreisläufer Patrick Wiencek in Richtung Videowürfel an der Decke der mit 5317 Zuschauern gut gefüllten Kindarena in Rouen. "Oh, so lange noch", denkt sich der Kreisläufer. Es ist ein eintöniges, kein schlechtes Spiel zweier Mannschaften, die ungleicher kaum sein könnten. Der Bundestrainer lässt rotieren, bietet Simon Ernst nicht nur in der Deckung, sondern auch als Spielmacher auf. Auf den Flügeln ersetzen Rune Dahmke (links) und Tobias Reichmann (rechts) Kapitän Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki. Wenn es bis zum 17:6 zur Pause etwas zu bemängeln gibt, dann allerhöchstens die Chancenverwertung. Die deutschen Angreifer ermöglichen Chiles Torwart Rene Oliva so manchen Moment, den er nie mehr vergessen wird. Oliva pariert Dahmke (7.), Kohlbacher (14.), Reichmann (18.). Der im vergangenen Jahr überragende Rechtsaußen wirkt unzufrieden, verzagt, während Dahmke sich nach leichten Anfangsschwierigkeiten in WM-Form schießt.

Und die Chilenen? Die rotieren auch, sparen sich ihre Kräfte für das wichtige Duell mit Saudi-Arabien um den Achtelfinaleinzug. Das Team des Spaniers Mateo Garralda versucht sich in einer offensiven 3:3-Abwehr, doch den Deutschen fällt es leicht, das Konstrukt auszuhebeln, mit zwei 4:0-Runs auf 7:2 (13.) und 11:3 (21.) davonzuziehen. "Nach einer Viertelstunde ist so ein Spiel schon entschieden", sagt Rune Dahmke später. "Aber Mitleid kommt trotzdem nicht auf. Für Chile ist es doch auch schön, hier dabei zu sein." Nein, der Europameister spielt die Partie "seriös herunter" (Wiencek), "humorlos, aber mit Spaß" (DHB-Vize Bob Hanning), hat mit Andreas Wolff, der für Silvio Heinevetter ins Tor rückt und 60 Minuten durchspielt, einen überragenden Rückhalt. Nach jedem Gegentor scheint Wolff einen Besen fressen zu wollen. "Wenn ein Spiel so früh gewonnen ist, braucht man eben einen Ansporn." Am liebsten hätte der Kieler den Gegner bei weniger als zehn Toren gehalten.

Es sind sechs vor, acht nach der Pause, was zur Nebensache gerät, weil sich der Berliner Paul Drux nach 23 Minuten am Sprunggelenk verletzt, umknickt, abends behandelt werden muss. Bis zum Abend gibt es noch keine genaue Diagnose. Kohlbacher und Dahmke drücken der zweiten Halbzeit ihren Stempel auf, beim 25:9 (43.) kommt doch Mitleid auf. Wolff hält weiter mit unglaublicher Coolness die Bälle, veredelt diesen Tempo-Spaziergang über die Anden. Weitere Lichtblicke: Ernst, der im Laufe des Spiels erneut Kai Häfner auf Halbrechts entlastet, und Kohlbacher auf den Halbpositionen in der Deckung. Mit einem weiteren Erfolg am Dienstag (17.45 Uhr) gegen Außenseiter Saudi-Arabien hätte die Mannschaft von Dagur Sigurdsson die K.o.-Phase vorzeitig erreicht.

(Von Timo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 16.01.2017)

 

Mehr zum Thema

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018

Eigentlich hatte man sich beim THW Kiel auf das Testspiel beim DHK Flensborg gefreut. Endlich wieder sollte die "Zebraherde" nach der Handball-Europameisterschaft komplett sein, um sich auf den wichtigen Start der Rückrunde vorbereiten zu können. Doch der 47:21-Erfolg gegen den Drittligisten offenbarte schonungslos, dass die Kieler einmal mehr mit den Folgen eines internationalen Turniers zu...

01.02.2018

Seit Dienstag ist die Handball-Europameisterschaft für die "Zebras" des THW Kiel Geschichte: Nach und nach trudelten die Kieler Handballer aus Kroatien ein, am Mittwochabend hatte Trainer Alfred Gislason eine beinahe komplette "Zebraherde" erstmals wieder beisammen. Bis auf fünf Kieler, die aus familiären oder gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnten, bestritt der Rekordmeister in...

31.01.2018