WM 2017: Kroatien legt vor, Dänemark schlägt Schweden

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Montag, 16.01.2017 // 22:59 Uhr

Am Montagabend waren gleich fünf aktuelle Zebras bei der Weltmeisterschaft in Frankreich im Einsatz. Während Domagoj Duvnjak mit Kroatien den dritten Sieg in Folge feierte, trafen vier Kieler im Duell zwischen Schweden und Dänemark aufeinander. Am Ende behielt der Olympiasieger dank eines starken Niklas Landin im Tor der Dänen knapp mit 27:25 die Oberhand.

Kroatien legt in deutscher Gruppe erneut vor

In der deutschen Vorrundengruppe C läuft weiterhin alles auf ein "Endspiel" um den Gruppensieg zwischen Deutschland und Kroatien hinaus. Die Mannschaft um THW-Kapitän Domagoj Duvnjak bekam es am 3. Spieltag mit Weißrussland zu tun. Dule sollte eigentlich für die kommenden Aufgaben geschont werden und nahm auch aufgrund von Kniebeschwerden auf der Bank Platz. Von dort sah er eine überragende erste Hälfte von Luka Cindric, der acht Mal traf und bis zur Pause ohne Fehlwurf blieb. Seinen Toren und Assists hatten es die Kroaten zu verdanken, dass sie die Weißrussen in Schach halten konnten, wenngleich der Außenseiter nie abreißen lassen musste. So ging es mit einem 18:15 für Kroatien in die Kabinen.

Im zweiten Durchgang schmolz dieser Vorsprung aber nun langsam dahin, auch weil Cindric nun nicht mehr traf und selbst mit einem Siebenmeter an Keeper Padshyvalau scheiterte. Da Weißrussland ab der 40. Minute mehrfach am Ausgleich schnupperte, wurde Domagoj Duvnjak eingewechselt. Und der Kieler setzte sofort wichtige Treffer und in dieser Phase mit seinen Treffern zum 22:20, 23:21 und 24:22 dafür, dass die Partie trotz der roten Karte gegen Sebetic nicht kippte. Als dann Horvat einen Siebenmeter verwandelte, Mihic einen Gegenstoß erfolgreich abschloss und erneut Duvnjak aus der Distanz auf 27:22 erhöhte, konnten die Kroaten endlich durchatmen und feierten letztlich einen 31:25-Erfolg.

Zumindest bis Dienstag wird Kroatien die Tabelle der Gruppe C anführen, ehe das DHB-Team aufgrund des besseren Torverhältnisses mit einem Sieg über Saudi-Arabien wieder vorbeiziehen kann. Ehe am Freitag der voraussichtliche Showdown mit Deutschland um den Gruppensieg stattfindet, trifft Kroatien am Mittwochabend noch auf Chile.

Landin lässt Schweden verzweifeln

Beim Duell zwischen den erfahrenen Olympiasiegern aus Dänemark und der jugendlichen schwedischen Unbekümmertheit erwarteten viele Experten ein Duell auf Augenhöhe. Sie sollten Recht behalten, wenngleich dies nach 29 Spielminuten nicht so aussah. Bis dahin waren die beiden Teams dank jeweils starker Abwehrreihen spielerisch ebenbürtig, aber ein Kieler machte den Unterschied: Niklas Landin parierte allein im ersten Durchgang schon 14 Würfe der Schweden und brachte inesbesondere Rechtsaußen Mattias Zachrisson zur Verzweiflung. Darüber hinaus erzielte das Zebra in der 26. Spielminute seinen ersten Turniertreffer, als Schweden gerade mit sieben Feldspielern agierte. Mit 14:8 führte Dänemark daher bis kurz vor der Pause, die beiden Treffer von Albin Lagergren zum 14:10-Pausenstand wirkten daher eher wie Ergebniskosmetik.

Aber ähnlich wie beim Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn wurde die Partie nach dem Seitenwechsel richtig spannend. Mittlerweile war Niclas Ekberg für Zachrisson gekommen, und der Kieler Rechtsaußen verkürzte im Alleingang mit einem Hattrick auf 14:13. Allerdings verpasste es Tre Kronor, den Spielstand zu egalisieren: Andreas Nilssons vermeintlicher Ausgleichstreffer war abgestanden, und Ekberg scheiterte mit einem Heber an Landin. Dänemark wahrte seinen knappen Vorsprung, auch weil Superstar Mikkel Hansen nach schwacher erster Halbzeit nun aufblühte. Schweden hielt aber jederzeit gegen: Ekberg besserte sein Torkonto (am Ende 7/1 Treffer) auf, während Flensburgs Jim Gottfridsson stark Regie führte und in brenzligen Phasen Verantwortung übernahm. Jedoch: Immer wenn Schweden einmal wieder dem Ausgleich nahe kam, war Niklas Landin zur Stelle, der letztlich 23 Paraden zeigte. Spannend blieb es bis zum letzten dänischen Angriff: Bei drohendem Zeitspiel landete der Ball bei Hans Lindberg, der fünf Sekunden vor Schluss den 27:25-Endstand herstellte.

Und die weiteren Zebras des Duells? Rene Toft Hansen kam vornehmlich in der Abwehr zum Einsatz, spielte 40 Minuten und kassierte zwei Zeitstrafen. Lukas Nilsson erwischte auf schwedischer Seite einen gebrauchten Tag und scheiterte mit seinen drei Wurfversuchen bei 13 Minuten Spielzeit.

Dänemark steht dank des Erfolges nun vorm Gruppensieg in Gruppe D, was bedeutet, dass der Olympiasieger voraussichtlich Topfavorit/Titelverteidiger/Gastgeber Frankreich im Viertelfinale aus dem Weg gehen kann. Am Mittwoch hat Dänemark mit Bahrain eine Pflichtaufgabe vor der Brust, während Schweden sich mit Vizeweltmeister Katar auseinandersetzen muss.

KN: Das ewige Duell

Paris. Es ist ein Klassiker: Dänemark und Schweden spielen am Montagabend vor 13 850 Zuschauern in der Arena in Paris-Bercy um den Gruppensieg in der Vorrundengruppe D. Dänemark gegen Schweden, das ewige Duell, die dänischen Fans rasten aus in ihrer rot-weißen Bemalung, feiern ihre Stars, singen sich die Kehle aus dem Leib. Sie müssen lange zittern, doch am Ende setzt sich ihre Mannschaft mit 27:25 (14:10) durch. Aber nicht alles ist "Danish Dynamite", das Spiel wogt auf mäßigem Niveau hin und her. Mittendrin im Geschehen: vier Kieler Zebras vom THW. Niklas Landin, Torwart und Kapitän der Dänen, und Niclas Ekberg, frisch gebackener Spielführer der Schweden, verpassen der Partie ihren Stempel.

Landin (28) ist Matchwinner der Dänen, hält knapp die Hälfte aller Bälle, legt den Grundstein für die 14:10-Pausenführung und bleibt skeptisch. "Mir war in der Pause klar, dass das heute hier noch schiefgehen kann. Vier Tore Vorsprung sind nichts im Handball. Und gegen Schweden ist es immer knapp." Er soll Recht behalten. Zu seinem Antagonisten wir sein Kieler Kollege Niclas Ekberg. Im Alleingang bringt der ebenfalls 28-Jährige die Schweden in der zweiten Halbzeit bis zum 21:20 (49.) wieder auf Kurs, spielt sich frei. "In den ersten Spielen war ich nicht ganz locker. Gegen Dänemark haben am Ende nur Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben", sagt Ekberg, der sieben Tore wirft, aber auch fünfmal an Landin scheitert. Nach dem Rücktritt des Flensburgers Tobias Karlsson führt Ekberg die "Tre Kronor" als Captain auf das Feld. "Ich bin auf jeden Fall sehr stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Die Jungs nehmen das echt gut an, aber ich versuche auch, der alte Niclas zu sein."

Der Gruppensieg rückt für Schweden durch die Niederlage in weite Ferne. "Das tut schon weh", sagt Jim Gottfridsson (SG Flensburg-Handewitt). "Aber ich bin auch stolz. Wir sind mit dieser jungen Mannschaft auf einem guten Weg, auch wenn es bis ganz oben noch weit ist." Ganz oben ist da, wo Dänemark längst angekommen ist. Die Erwartungshaltung im Land des amtierenden Olympiasiegers ist groß. "Der Anspruch in Dänemark ist natürlich hoch, besonders nach unserem Olympiasieg im vergangenen Jahr. Aber die Leute wissen auch, dass es noch andere Mannschaften gibt, dass Frankreich im eigenen Land Titelfavorit ist", sagt Niklas Landin. Die Kieler Nummer eins ist unzufrieden, obwohl er selbst "überragend" spielt, so wie Dänen-Rechtsaußen Hans Lindberg ihn "lange nicht mehr gesehen" hat. Superstar Mikkel Hansen weiß: Für den Titel müssen wir uns wirklich noch sehr verbessern. Hans Lindberg ergänzt: "Wenn wir so spielen wie heute, werden wir bestimmt nicht Weltmeister."

Und die anderen Kieler? Der 20-jährige Lukas Nilsson bleibt im Angriff der Schweden blass und bei drei Versuchen ohne Torerfolg. Bei den Dänen sind alle Augen auf René Toft Hansen gerichtet. Nach dem "Ellenbogenbandagen Gate" steht der 32-jährige Kieler Kreisläufer wieder im Kader, weil die Gruppengegner der Dänen ihre Einwilligung geben, dass Toft Hansen seine Bandage tragen darf. Im Angriff agiert Toft Hansen glücklos, kommt hauptsächlich im Abwehr-Innenblock zum Einsatz.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 18.01.2017)

 

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