ZEBRA-Interview mit Filip Jicha: "Kontakt nach Kiel war nie abgerissen"

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Dienstag, 10.04.2018 // 15:30 Uhr

Er ist wieder an Bord: Im Sommer wird der Ex-Kapitän Filip Jicha als Co-Trainer zum THW Kiel zurückkehren. Im ZEBRA-Interview spricht der "Welthandballer des Jahres 2010" über sein Verhältnis zu Trainer Alfred Gislason, alte und neue Erfolge und verrät zudem, warum Kiel ein ganz besonderer Ort für ihn geblieben ist.

"Als sich das eine Kapitel schloss, begann das andere"

Dieser Artikel ist im THW-Arenamagazin ZEBRA zum Heimspiel gegen die Löwen erschienen

ZEBRA: Filip, was bedeutet es Dir, nach Kiel zurückzukehren?
FILIP JICHA:
Wenn man in Kiel die erfolgreichsten Momente seiner Karriere und seines Lebens erleben durfte, ist die Freude riesengroß. Alle meine Erfolge als Handballer habe ich in dieser Stadt gefeiert, und auch meine Kinder sind hier geboren worden. So etwas vergisst man nicht. Deswegen ist der Kontakt zum THW Kiel und auch zu Trainer Alfred Gislason nie abgerissen - ganz im Gegenteil: Eigentlich haben wir ständig miteinander geredet. Deshalb ist es irgendwie eine logische Konsequenz, jetzt zurückzukehren, nachdem ich meine Karriere beenden musste, weil es nicht mehr ging. Ich möchte unbedingt im Handball bleiben, denn diese Sportart ist mein Leben. Und ich bin wirklich sehr froh, dass mein Platz wieder hier in Kiel ist.

Wann hat es sich herausgestellt, dass Du ins Trainergeschäft einsteigen wirst?
Schon in den vergangenen Jahren wurde mir klar, dass ich in diesem Sport bleiben möchte. Ich hatte schon als Spieler immer sehr konkrete inhaltliche Vorstellungen vom Handball. Und als es sich dann abzeichnete, dass ich nie wieder auf mein altes Niveau als Spieler zurückkommen kann - das war eigentlich schon während meines letzten Jahres in Kiel - hatte ich vor Augen, dass ich viele Sachen beeinflussen kann, ohne selbst auf dem Spielfeld stehen zu müssen. Stattdessen kann ich aber meine Erfahrungen weitergeben. Es war also ein fließender Übergang: Als sich das eine Kapitel schloss, begann das andere.

"Alfred und ich schätzen uns sehr"

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Was macht einen guten Trainer aus, und was kannst Du von Alfred Gislason lernen?
Vor allem sollte man in diesem Geschäft nie aufhören zu lernen. Wer glaubt, er wüsste schon alles, hat bald verloren. Ich möchte zwar meinen taktischen Schatz, den ich im Kopf habe, weitergeben. Aber ich will lernen! Denn jeder Spieler, jede soziale Gruppe ist anders, und da muss man sich anpassen können, um dann das Beste daraus zu machen. Alfred und ich kennen uns beide sehr gut. Wir können beide streiten und trotzdem aufrichtig einander gegenüber sein. Wir schätzen uns beide sehr. In der Vergangenheit hat Alfred es mit unserer Mannschaft sehr gut gemacht und mit mir sowieso. An erster Stelle möchte ich ihm jetzt helfen, ihn entlasten. Aber gleichzeitig werde ich meine Augen immer offen halten. Ich möchte niemanden kopieren.

Was genau schätzt Du an ihm besonders?
Ich schätze seine Leidenschaft für die Arbeit, und er arbeitet wirklich hart. Du kommst als Spieler während einer Saison immer an den Punkt, an dem Du sagst, es ist anstrengend. Aber wenn Du einen Chef hast, der selbst verdammt hart arbeitet, dann ist es sehr schwer für Dich, dich zu verstecken. Alfred ist ein Trainer der "alten Schule", was für die jüngere Generation sicher nicht immer einfach ist. Aber vielleicht bin ich dann ein Element, das dazwischensteht und Verbindungen schaffen kann. Ich jedenfalls mag die "alte Schule". Alfred ist schon so lange erfolgreich im Geschäft, und die Adaptation ist eine seiner großen Stärken.

Wie sieht Deine Philosophie aus?
Ich habe ganz klare Vorstellungen in Bezug auf mein Spielsystem. Wenn man jung ist, hat man natürlich viel Energie und viele Bilder vor Augen, was wie sein sollte. Meine Philosophie ist auf jeden Fall Kommunikation. Die steht über allem. Wer kommuniziert, hat immer bessere Karten. Wer nicht kommuniziert, wird am Ende verlieren. Wenn Du jemanden beeinflussen möchtest, musst Du in erster Linie fähig dazu sein, ihm Deine Gedanken auch richtig zu vermitteln. Sportlich gesehen habe ich natürlich einige Dinge im Kopf, die ich am liebsten sofort mit Alfred besprechen möchte. Es war während meiner gesamten Karriere schon immer so, dass ich meinen Trainern "reingeredet" habe. Jetzt muss ich es allerdings auch zusammen mit Alfred verantworten. Doch was war, möchte ich eigentlich zurücklassen. Die Vergangenheit war schön, aber dieses Kapitel ist abgeschlossen. Jetzt versuche ich, das Beste aus der Zukunft zu machen. Es liegt mir am Herzen, diesen Verein wieder nach vorne zu bringen. Und da sind wir alle gemeinsam in der Pflicht.

Blutet Dir das Herz beim Blick auf die Tabelle?
Es ist nicht fair, die Mannschaft von 2012 mit der von heute zu vergleichen. Auch die jetzige Mannschaft gibt alles für diesen Verein, denn natürlich möchte auch sie den Erfolg.

(Von Sascha Klahn, aus dem Arena-Magazin "ZEBRA" zum Bundesliga-Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am 24.03.2018)

 

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