ZEBRA-Serie zur EM 2018: Mindestens sieben Gold-Kandidaten

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Mittwoch, 03.01.2018 // 07:57 Uhr

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, denn vom 12. bis 28. Januar ist Kroatien Gastgeber der nächsten Europameisterschaft der Männer. In einer vierteiligen Serie widmet sich das ZEBRA-Magazin, das zu den Bundesliga-Heimspielen des Rekordmeisters erscheint, dem Turnier, bei dem auch zahlreiche aktuelle und ehemalige Kieler an den Start gehen werden. Der zweite Teil gilt den Favoriten, denn Kreis der Titelfavoriten ist bei der EURO 2018 so groß wie nie, obwohl Mannschaften wie Polen und Russland überhaupt nicht dabei sind.

Handballwelt schaut nach Kroatien

Die Handballwelt schaut im Januar nach Kroatien: Wer wird Europameister, schafft die DHB-Auswahl die Titelverteidigung oder gewinnt erstmals seit 2002 (Schweden) der Gastgeber wieder den Titel? 2002 war Schweden auch die Mannschaft, der es letztmalig bei einer Männer-Europameisterschaft gelang, einen Titel zu verteidigen. Aus dem Kreis der Mannschaften, die in der Vergangenheit bereits Gold gewannen, hat sich nur Russland (1996) nicht für die EURO in Kroatien qualifiziert - genau wie Polen scheiterten sie in der Qualifikation. Ansonsten waren es in der EM-Geschichte seit 2004 sowieso nur vier Länder, welche seitdem die Kontinentalmeisterschaft gewannen: Schweden (1994, 1998, 2000, 2002), Frankreich (2006, 2010, 2014), Deutschland (2004, 2016) und Dänemark (2008, 2012). Nimmt man diese Reihung als Maßstab, wäre Frankreich jetzt wieder dran, oder nicht?

Frankreich? Norwegen?

Mehr als ein Geheim-Favorit: Norwegen mit Sander Sagosen

Die Franzosen vollziehen seit Jahren einen Umbruch, schaffen es aber immer wieder, neue Stars wie Kentin Mahé oder zuletzt Nedim Remili aus dem Hut zu zaubern. Als amtierender Weltmeister und Olympiazweiter gehört das Team von Guillaume Gille und Didier Dinart auch in Kroatien zum absoluten Favoritenkreis - auch wenn man etwas holprig durch die Qualifikation kam. In Norwegen verlor man, in Litauen und Belgien stand man kurz vor Niederlagen. Und gleich in der Vorrunde kommt es in Gruppe B für Frankreich erneut zur spannenden Neuauflage des WM-Finales von Paris, wenn es gegen PSG-Star Sander Sagosen und Norwegen geht. Die Skandinavier sind nach ihrem vierten Platz bei der EURO 2016 und WM-Silber 2017 schon mehr als nur ein Geheimfavorit auf das Erreichen des Halbfinales. Trainer Christian Berge hat aus vielen Talenten (die mittlerweile fast allesamt bei europäischen Topklubs spielen) eine Mannschaft geformt, die sogar um den Titel mitspielen kann. In dieser Gruppe ist Österreich um Zebra Nikola Bilyk der große Außenseiter, denn die Weißrussen haben unter Jury Schewtzov in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung hingelegt.

Kroatien? Serbien? Island?

Marko Vujin und Serbien gehören zum Favoritenkreis

In Hammergruppe A trifft Gastgeber Kroatien, auf den wir im nächsten Teil der EM-Serie genauer eingehen, auf Serbien, Island und Schweden - allesamt Mannschaften, die bei Europameisterschaften schon Medaillen gewonnen haben. Serbien hat sich nach einem zwischenzeitlichen Durchhänger wieder gefangen, bei Island wird spannend sein, ob der Ex-Kieler Aron Palmarsson nach seiner langen Pause (er war in Vezsprem suspendiert worden und dann im November nach Barcelona gewechselt) einschlägt. In Schweden schreitet der Umbruch derweil voran, THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg gehört zu den Arrivierten im Team, das aber in den vergangenen Jahren mit Ausnahme von Olympiasilber in London nicht an die goldene Ära anknüpfen konnte.

Deutschland? Slowenien?

In der deutschen Gruppe C zählt neben dem Titelverteidiger auch Slowenien zum erweiterten Favoritenkreis. Bei der WM in Frankreich gewann die Mannschaft von Trainerlegende Veselin Vujovic Bronze, sie verfügt zudem über eine Vielzahl herausragender Einzelkönner wie THW-Spielmacher Miha Zarabec. Und Vujovic hat es geschafft, die Tatsache zu kompensieren, dass es keinen echten Rückraumshooter gibt. Die Teams aus Mazedonien und Montenegro sollten bei der Medaillenvergabe keine Rolle spielen - es sei denn, sie nutzen ihren gewissen "Heimvorteil", werden sie doch aller Voraussicht nach von vielen Fans in Kroatien unterstützt.

Dänemark? Spanien? Ungarn?

Zebra-Power für Dänemark: Rene Toft Hansen und Niklas Landin

Dafür gibt es in Gruppe D allerdings bis zu drei Kandidaten - einzig die vom Ex-Kieler Daniel Kubes trainierten Tschechen fallen etwas ab. Auch wenn bei Dänemark einige Routiniers wie Thomas Mogensen nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen, muss man mit dem aktuellen Olympiasieger immer rechnen. Die individuelle Klasse eines Mikkel Hansen oder des THW-Torwarts Niklas Landin reicht häufig schon aus, um entscheidende Spiele zu gewinnen. Daher wird es in dieser Gruppe schon zu einem wahren Gigantenduell kommen, wenn der Olympiasieger auf den EM-Zweiten und Weltmeister von 2013 aus Spanien trifft. Die Iberer haben Deutschland beim Test in Magdeburg geschlagen - und haben ganz klar eine Medaille als Ziel ausgegeben. Aber auch auf Ungarn darf man gespannt sein. Nachdem der Versuch von Talant Dujshebaev scheiterte, die Magyaren auf Kurs zu bringen, hat nun Ljubomir Vranjes diese Aufgabe übernommen. Auch wenn Ikone Laszlo Nagy aufgehört hat, ist Ungarn als Team gewachsen.

Expertentipp

Heißt also im Ausblick: In der oberen Hälfte (Gruppen A/B) sollten Frankreich, Kroatien und Norwegen die Halbfinalplätze unter sich ausmachen, während in den Gruppen C/D das Feld mit Deutschland, Slowenien, Spanien und Dänemark sogar noch etwas größer ist. Und die vergangenen Turniere haben zudem eines gezeigt: Irgendeine Überraschungsmannschaft gibt es immer. Siehe die Bad Boys 2016.

(Von Björn Pazen, aus dem Arena-Magazin "ZEBRA" zum Bundesliga-Heimspiel gegen Hüttenberg)

 

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