ZEBRA: Viktor Szilagyi - der Herr aller Trophäen

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Sonntag, 21.01.2018 // 15:27 Uhr

Der sportliche Leiter des THW Kiel, Viktor Szilagyi, war der erste Handballer überhaupt, der die drei Europapokal-Wettbewerbe allesamt gewann - auch dank eines Titels mit den Zebras, mit denen er zudem Meisterschaften und Pokalsiege sammelte. Das Arena-Magazin ZEBRA porträtiert den sympathischen Österreicher.

EHF-Pokal mit TuSEM

Trikot gegen Anzug getauscht: der neue sportliche Leiter des THW Kiel

Nikola Karabatic? Magnus Wislander? Talant Dujshebaev? Keiner dieser Handball-Heroen hat eine derart historische Bedeutung für den europäischen Handball wie der künftige sportliche Leiter des THW Kiel: Denn Viktor Szilagyi, der im Januar 2018 sein neues Amt antritt, war der erste Handballer überhaupt, der alle drei Europapokal-Wettbewerbe gewann. Alles begann mit dem Wechsel des in Budapest geborenen Österreichers in die Bundesliga. Erst Dormagen, dann vier Jahre Essen. Im letzten internationalen Spiel für den TuSEM gewann er den EHF-Pokal in einem dramatischen Finale gegen Magdeburg - als bereits feststand, dass die Mannschaft auseinander brechen wird, weil der Verein Insolvenz anmelden musste.

Champions-League-Sieg mit den Zebras

Herausragender Handballer: Viktor Szilagyi

Doch erst danach erfüllte sich der langjährige Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft seinen großen Traum mit dem Wechsel zum THW Kiel. Dreimal in drei Jahren wurde Szilagyi in der Folge deutscher Meister, zweimal Pokalsieger. Die Krönung folgte am 29. April 2007 in der damals noch unter ihrem ursprünglichen Namen "Ostseehalle" firmierenden Sparkassen-Arena - auch wenn Szilagyi selbst nicht viel zum ersten Champions-League-Sieg des THW beisteuern konnte. Wie viele andere Zebras war er verletzt, fieberte von der Tribüne aus mit, bis die Finalspiele gegen die Flensburger erfolgreich beendet waren. "Im Viertelfinale und Halbfinale war ich dabei, dann ging nichts mehr", sagt er heute. Die zweite internationale Trophäe war eingetütet. Und auch wenn Szilagyi häufig verletzt war, geht die Zeit bei den Zebras doch als prägende Epoche in seine Karriere ein.

Pokalsieger-Cup mit Gummersbach

Dieser Artikel ist im THW-Arena-Magazin ZEBRA zum Heimspiel gegen Lemgo erschienen

Drei Jahre beim VfL Gummersbach folgten - und zwei weitere Trophäen: 2009 erneut der EHF-Pokal und dann 2010 der Titel im Europapokal der Pokalsieger, mit dem er Geschichte schrieb: "Mir war das gar nicht bewusst, dass ich der erste Handballer überhaupt war, der alle drei Titel gewonnen hatte. Ein Journalist kam auf mich zu, und sagte mir das. Jede dieser Trophäen hat ihre eigene große Bedeutung für mein Handball-Leben, denn jede hat ihre eigene, ganz spezielle Geschichte. Du startest in die Saisonvorbereitung, hast deine Ziele - und wenn du am Ende so einen Pott nach oben reißt, weißt du, für was du dich gequält hast. Und wenn du einen gewonnen hast, willst du immer mehr", sagt Szilagyi rückblickend. Und der Spielmacher hatte immer noch nicht genug: 2012 holte er sich mit Flensburg abermals den europäischen Pokalsiegerwettbewerb, ehe er zum Bergischen HC wechselte, wo er seine Karriere zunächst beendete und Sportdirektor wurde.

Aufgrund von großen Personalsorgen wagte Szilagyi ein Comeback, das aber durch einen erneuten Kreuzbandriss ein rapides Ende fand. Also widmete er sich seinem Sportdirektor-Job wieder zu 100 Prozent und startete im Oktober parallel sein Zertifikatsstudium zum European Handball Manager an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Und jetzt wieder Kiel

Ab Januar zieht Viktor Szilagyi mit den Zebras wieder an einem Strang

Und jetzt wieder Kiel. Dort, wo er der erste Österreicher war, dort, wo er seine Landsleute Nikola Bilyk und Raul Santos treffen wird. Mit beiden stand Szilagyi bei den "Ösi-Bombern" auf der Platte, absolvierte insgesamt 203 Länderspiele. "Ich hatte das Privileg, so lange im Nationalteam spielen zu dürfen - und in dieser Zeit hat sich der Handball sowas von gewandelt", blickt Szilagyi zurück: "Und dazu so lange in der Bundesliga. Das prägt, hinterlässt aber auch zahlreiche Wunden und Narben." Als seinen Handball-Höhepunkt neben all den nationalen und internationalen Trophäen sieht der langjährige ÖHB-Kapitän die Heim-EM 2010, die man noch vor Deutschland beendet hatte: "Wir waren zuvor so oft in der Qualifikation gescheitert, nach der EM waren wir viel selbstbewusster und haben uns dann für einige Großereignisse qualifiziert - das war eine Sache des Teamworks und der Arbeit von Dagur Sigurdsson, unserem damaligen ÖHB-Bundestrainer."

Auch jetzt beobachtet er die Nationalmannschaft natürlich noch genau - und lobt seinen potenziellen Nachfolger: "In einigen Bereichen ist Nikola Bilyk schon besser als ich, in anderen muss er noch Erfahrung sammeln. Aber er hat ein Riesen-Potenzial, das er in Kiel ja schon zeigt."

(Von Björn Pazen, aus dem Arena-Magazin "ZEBRA" zum Bundesliga-Heimspiel gegen Lemgo)

 

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