ZEBRA: Nikola Bilyk: Das Alter ist kein Maßstab

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Sonntag, 08.04.2018 // 09:49 Uhr

Mit seinen 21 Jahren ist Nikola Bilyk zwar das jüngste Zebra in der Herde, doch das ist für ihn kein Grund für Zurückhaltung auf dem Spielfeld. In seiner ersten Bundesliga-Saison hat der Österreicher bereits viel dazu gelernt sowie seinen ersten Titel mit dem THW Kiel geholt - und hat jetzt Hunger auf viel mehr, wie der dem THW-Arenamagazin ZEBRA verriet.

"Handballspielen kann jeder lernen und bis ganz nach oben kommen"

Dieser Artikel ist im THW-Arenamagazin ZEBRA zum Heimspiel gegen die Löwen erschienen

Er kam, sah und siegte. Nikola Bilyks Einstand in der DKB Handball-Bundesliga kann sich durchaus sehen lassen. 2016 wechselte der damals 19-Jährige aus Österreich nach Deutschland zum THW Kiel und überzeugte Fans und Kritiker gleichermaßen. 121 Tore alleine in der Bundesliga, 194 Treffer insgesamt - die Spielzeit 2016/17 war für "Niko" ein voller Erfolg. "Gott sei Dank ist es so gut gelaufen. Ich freue mich sehr, dass es so war, es hätte ja auch genauso gut in die andere Richtung gehen können", lässt
Bilyk, der als Sohn ukrainischer Eltern in Tunesien geboren wurde, seine Premierensaison demütig Revue passieren. Auf die Frage, was die Handball Liga Austria von der Bundesliga, der stärksten Liga der Welt, unterscheidet, antwortet er bestimmt: "In der Bundesliga ist einfach alles professioneller und natürlich auch härter", stellt jedoch weder sich noch einen seiner Ligakollegen auf einen Sockel. "Handballspielen kann jeder lernen und bis ganz nach oben kommen", ist Bilyk überzeugt. "Es sind trotzdem alles nur Menschen, keine Roboter oder Tiere, die hier spielen. Das ist das Wichtigste, was ich in der vergangenen Saison gelernt habe", sagt er und gibt zu: "Zuvor war ich schon etwas unsicher, weil ich im Vorfeld dachte: 'Die sind ja wahrscheinlich alle trainiert wie die Wahnsinnigen'. Das ist zwar tatsächlich so, aber die Leute ziehen dich schnell mit, und dann gehörst du einfach dazu, und alles ergibt sich irgendwie von alleine.“

Was war das Rezept für seinen so gelungenen Einstand beim THW Kiel? "Für mich war es einfach so, dass ich geschaut habe, dass ich mein Ding durchziehe und immer versuche, an mein Limit zu gehen - das hat irgendwie geklappt. Es war mir bewusst, dass hier alles so diszipliniert ist und dass sich einige Sachen ändern werden. Aber das dieses alles tatsächlich zum ersten Mal zu erleben, war trotzdem etwas Besonderes",sagt Bilyk.

"Ab und zu mal eine Sachertorte"

Nikola Bilyk ist das jüngste Mitglied der Zebraherde

Etwas ganz Besonderes war auch der Gewinn des DHB-Pokals. Ein Moment, der für Nikola Bilyk noch immer sehr präsent ist. "So etwas hatte ich zuvor noch nicht erlebt. Das war etwas ganz Großes, mein erster Titel hier in Deutschland, das werde ich nie vergessen. Es war ein sehr, sehr schönes Erlebnis - wir können ruhig noch ein paar mehr Titel holen!"

Mittlerweile ist Bilyk 21 Jahre alt, zu Beginn seiner Karriere in Kiel war er 19 und damit um einiges jünger als viele seiner Teamkollegen und Gegner. Doch das war für ihn zu keiner Zeit ein Thema, wie der Nationalspieler erklärt: "Mein Vater war selbst Handballer und hat mir immer gesagt, dass es egal ist, wie alt du bist. Ich habe mit 15 Jahren in Österreich schon in der ersten Mannschaft spielen dürfen und erinnere mich ganz genau, wie ich ein Jahr davor gefragt habe: 'Papa, wie kann ich das? Ich bin doch erst 14. Wie kann ich nächste Saison schon bei den Männern spielen?' Mein Vater hat mir daraufhin gesagt, dass das nie eine Rolle spielen sollte. Es geht immer nur darum, was du an Leistungen bringen kannst. Und wenn du dieselbe Leistung mit 15 bringen kannst wie manch andere zwischen 20 und 40, dann wird das reichen. Deswegen habe ich ab diesem Zeitpunkt nie mehr über solche Sachen nachgedacht." Für das Talent selbst war es fortan kein Thema, für die Fachpresse schon, die Bilyks Alter immer wieder aufgriff. "Was über mich und mein Alter geschrieben wird, interessiert mich nicht. Ich bin da, um Handball zu spielen und der Mannschaft zu helfen", bekräftigt Bilyk seine Auffassung.

Nikola Bilyk ist nach seinem ersten Jahr bei den Zebras auf den Geschmack gekommen und fühlt sich in Kiel rundum wohl. Ein weiterer Beweis dafür ist, dass er bereits nach einem halben Jahr beim THW Kiel seinen Vetrag bis 2022 verlängerte. Ein großes Ziel mit den Zebras ist es für Bilyk, bald auch einmal auf dem berühmt-berüchtigten Rathausbalkon zu stehen und zu erleben, was bereits vor seiner Geburt zu einer beliebten Tradition reifte: "Ich habe natürlich schon viel von den Meisterfeiern auf dem Kieler Rathausplatz gehört und mir sogar Videos auf youtube davon angeschaut - da will ich unbedingt auch hin. Das bleibt mein Ziel, und eine gebrauchte Saison wie die aktuelle lässt mich nur noch härter arbeiten, um dieses Ziel zu erreichen."

Doch auch, wenn er sich hier in Schleswig- Holstein pudelwohl fühlt und noch viel vor hat, vermisst er neben seiner Familie doch noch etwas, wie Nikola Bilyk mit einem Augenzwinkern erzählt: "Mir fehlen die österreichischen Spezialitäten. Ab und zu eine vernünftige Sachertorte oder einen richtig guten Kaiserschmarrn - da habe ich schon manchmal Lust drauf."

(Von Rika Finck, aus dem Arena-Magazin "ZEBRA" zum Bundesliga-Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am 24.03.2018)

 

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