KN: Mattias, der Magier

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Samstag, 11.08.2018 // 08:16 Uhr

Herzogenaurach. Drei gelbe Reaktionsbälle - also unförmige, beulige Flummis, die widerspenstig in alle Richtungen wollen - prallen vom Boden ab. Vier Hände schießen in die Mitte, fuchteln hektisch ins gelbe Gewusel. Niklas Landin hat in jeder Hand einen, Andreas Wolff greift ins Leere. Mattias Andersson lacht. Der 40-Jährige ist neuer Torwarttrainer beim THW Kiel - und der Schwede holt so manchen Trick aus seinem Zauberkasten.

Der neue Torwarttrainer Mattias Andersson

Mattias, der Magier? In Herzogenaurach räumt THW-Coach Alfred Gislason dem Torwart-Houdini viel Raum ein. So beschäftigt sich Andersson nicht nur direkt mit den drei Keepern Landin, Wolff und Tom Landgraf, der als dritter Torwart mit ins Trainingslager gereist ist. Er dirigiert auch die Wurfübungen, lenkt die Spieler, sagt: "Torhüter und Abwehr sollen sich kennenlernen. Auch darauf liegt der Fokus."

Er bringt Landin und Wolff ins Schwitzen

Alles im Blick: Sprint-Training mit Tom Landgraf, Andreas Wolff und Niklas Landin (v.l.)

"Stolz" empfinde er, dass ihm der THW für die neue Aufgabe das Vertrauen schenkt. Er war schon einmal da von 2001 bis 2008, gewann mit den Zebras die Champions League (2007), wurde fünfmal deutscher Meister. Dass er mit 40 in diesem Jahr noch einmal den Titel mit der SG Flensburg-Handewitt gewinnen würde, hätte der Ausnahmekeeper wohl selbst nicht gedacht. "Das zeigt: Jeder Torwart, auch auf höchstem Niveau, hat die Möglichkeit, sich immer weiter zu verbessern. Das habe ich im letzten Jahr selbst gemerkt." Mit seinem Engagement bei der österreichischen Nationalmannschaft hatte der Europameister von 2000 den "Seitenwechsel" vom Spieler zum Trainer zuerst eingeleitet. Dann rief auch noch der THW an, und bei seinem Heimatverein Ystads IF kümmert sich Andersson zudem auch noch um Trainerausbildung und den Nachwuchs, lässt sich zudem ausbilden, um später Führungskräfte aus der Wirtschaft zu schulen. Mit Ehefrau Anna, Sohn Elis (12) und Tochter Livia (12) wird er auch in der südschwedischen Provinz Skåne län wohnen bleiben, möglichst zweimal pro Monat nach Kiel reisen, um mit dem Torwart-Duo Landin/Wolff zu arbeiten. "Ich habe viel gelernt in meiner Karriere, besonders von Mats Olsson, der meiner Meinung nach der Beste ist, den es gibt. Er war oft in Flensburg zu Besuch."

So wie er von Olsson, sollen Landin und Wolff jetzt also von Andersson lernen. "Beide sind schon jetzt überragende Torhüter", sagt der. "Niklas ist ein bisschen ruhiger, Andi zeigt mehr Emotionen. Andi macht ein bisschen mehr über seine Größe, Niklas hat eher die skandinavische Schule im Blut, hat eine sehr saubere Technik und elegante Bewegungen." Andersson will für beide "so oft wie möglich da sein" und hält sie schon jetzt in der mittelfränkischen Hitze ganz schön auf Trab. "Ich habe in den ersten Tagen im Trainingslager schon so viele neue Übungen kennengelernt", sagt Landin. Der 29-Jährige wurde 2016 Olympiasieger mit Dänemark, zeigt sich trotzdem ungebremst wissbegierig. "Mattias bringt uns viel. Wir müssen nicht mehr selber überlegen, was wir machen, wenn wir im Training mal nicht im Tor stehen." Auch zuvor in unregelmäßigen Einheiten mit Peter Gentzel habe es gut funktioniert. Doch Anderssons Landsmann habe sein Engagement in Kiel aus beruflichen Gründen beenden müssen.

"Das war insgesamt", so Landin, "zu selten. Das Gepusht-Werden im Training hat uns gefehlt. Wir profitieren darum sehr von Mattias." Mattias, der Magier. Alle zwei Monate wird er in Kiel seinen Zauberkasten mit Indiacabällen, Reaktionsflummis, Frisbees, Gummibändern, Tennisbällen öffnen.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 03.08.2018, Fotos: THW Kiel)