KN: Weinhold: "Dem Bundestrainer neues Vertrauen geben"

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Dienstag, 20.02.2018 // 11:13 Uhr

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop. "Er wird weiter den Weg für die Mannschaft vorgeben."

Christian Prokop bleibt Handball-Bundestrainer

Eine Mannschaft, deren Zusammensetzung zum jetzigen Zeitpunkt offen erscheint. Gerüchte von Rücktrittsdrohungen einzelner Akteure hatten im Vorwege die Runde gemacht. Führungsspieler Steffen Weinhold vom THW Kiel sagte in diesem Zusammenhang am Montag gegenüber unserer Zeitung: "Alle müssen jetzt einen Schritt aufeinander zugehen. Wenn drei, vier, fünf Spieler wegbrechen, fehlt es uns an Qualität."

Nach einer wochenlangen Hängepartie mit vielen Einzelgesprächen sprach sich das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) am Montag auf einer rund zweistündigen Sitzung in einem Flughafenhotel in Hannover mehrheitlich für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Prokop aus. "Dieser Weg war steiniger. Es hat deshalb auch etwas länger gedauert. Aber es ist der mit dem ehrlichsten Ergebnis", bilanzierte Kromer die interne EM-Aufarbeitung. "Wir haben die Fakten auf den Tisch gelegt. Es war deutlich", berichtete DHB-Vizepräsident Bob Hanning und richtete den Blick nach vorn: "Wir werden jetzt alle Kraft in das Projekt WM-Medaille hineinstecken. Alle können das noch besser machen - die Mannschaft, der Trainer und der gesamte Staff." Die Jobgarantie für Prokop, den der DHB im Vorjahr für 500 000 Euro aus seinem Vertrag beim SC DHfK Leipzig herauskaufte, soll langfristig gelten. "Wenn wir Letzter werden bei der WM, weiß ich natürlich nicht, ob er zu halten ist", sagte Hanning. "Aber ansonsten wollen wir bis 2022 miteinander den Weg gehen."

Miteinander - die Wiederannäherung zwischen Mannschaft und Trainer, an der auch Prokop selbst in den vergangenen Wochen mit vielen Besuchen und Gesprächen hart gearbeitet hat, muss in den kommenden Monaten fortgesetzt werden. Wie stabil der Frieden zwischen Mannschaft und Trainer sein wird, werden spätestens die nächsten Länderspiele am 4. und 7. April gegen Serbien zeigen. "Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Christian Prokop mit seiner fachlichen Kompetenz dieses Team voranbringen wird", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Nach Informationen unserer Zeitung sollen mindestens drei Akteure im Falle einer Weiterbeschäftigung von Prokop mit Rücktritt gedroht haben. Ein Szenario, dem Steffen Weinhold, der die Bad Boys bei der Europameisterschaft 2016 in Polen als Kapitän geführt hatte und dessen Stimme als Führungsspieler viel Gewicht genießt, eine Absage erteilt: "Ich bin schon optimistisch, was die Heim-WM im kommenden Jahr betrifft. Aber es wäre sehr wichtig, dass dann auch alle Spieler dabei sind, und einige werden sich nach der Entscheidung jetzt sicher noch ihre Gedanken machen", sagte der 31-Jährige vom deutschen Rekordmeister. "Ich hoffe, dass Christian alle zu diesem Neustart überzeugen kann. Es liegt jetzt an uns Spielern, uns zu öffnen, dem Trainer neues Vertrauen zu geben. Es liegt aber auch am Trainer und Präsidium, alle Spieler zu ermutigen, mitzuziehen."

Den Ausschlag für Prokop, der nach dem enttäuschenden neunten Platz bei der EM sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Teilen der Mannschaft in die Kritik geraten war, gab letztlich die Einsicht des 39-Jährigen. "Er hat Fehler eingeräumt und ganz klar gesagt, wo er Veränderungen in seinem eigenen Handeln vornehmen wird, weil er gemerkt hat, dass es nicht in allen Bereichen richtig war", berichtete Kromer. Und Michelmann ergänzte: "Es hat eine deutliche Entwicklung beim Trainer gegeben. Das hat uns dazu veranlasst, ihm zu glauben, dass er diesen Weg auch weiter gehen kann." Kromer geht nicht von personellen Konsequenzen im Kader aus. "Es gab keine Differenzen in irgendeiner Art und Weise, dass sie uns die allergrößten Sorgen bereiten und nicht behoben werden können", sagte der Sportvorstand und betonte mit Blick auf die Heim-WM: "Wir gehen davon aus, dass auch weiterhin die besten deutschen Spieler für die Nationalmannschaft spielen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft das Projekt mit vollem Engagement angehen wird."

Die beiden Partien im April gegen Serbien sind bereits Teil der Vorbereitung auf die in Deutschland und Dänemark stattfindende WM im kommenden Januar. Nach den zuletzt enttäuschenden Turnieren spielt die DHB-Auswahl in den Arenen von Berlin, Köln oder Hamburg auch um die Reputation des Handballsports in Deutschland. Außerdem soll eine Medaille gewonnen werden. Mit Christian Prokop.

(Von Tamo Schwarz und Eric Dobias, aus den Kieler Nachrichten vom 20.02.2018, Foto: Sascha Klahn)