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KN: Und wieder trifft es Rune Dahmke

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KN: Und wieder trifft es Rune Dahmke

Neu-Ulm. Die Vorbereitung der Handball-Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Kroatien (12.-28. Januar) endet am Sonntagnachmittag mit einem Paukenschlag. Die 30:21 (13:8)-Generalprobe gegen EM-Teilnehmer Island gerät völlig in den Hintergrund, als Bundestrainer Christian Prokop um 17 Uhr seinen Kader für die kontinentalen Titelkämpfe benennt. Es trifft wieder den Kieler Linksaußen Rune Dahmke, dazu Marian Michalczik (Minden), Fabian Wiede (Berlin) und völlig überraschend auch den Abwehr-Riesen Finn Lemke (Melsungen).

Bundestrainer verzichtet auch auf Europameister Lemke und Wiede

Nach dem klaren Erfolg gegen kaum überzeugende Isländer, die ohne ihren kurzfristig verletzten Superstar Aron Palmarsson antreten mussten, lassen sich die Bad Boys in der ausverkauften Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena feiern, schreiben Autogramme, genießen das gute Gefühl nach zwei finalen Testspielen, die Lust auf mehr machten. "Die Hoffnung nach diesen Spielen ist groß", sagt THW-Kiel-Torwart Andreas Wolff. "Aber wer hoch fliegt, kann tief fallen. Das haben wir bei der WM vor einem Jahr gesehen."

Defensiv war der zweite Island-Auftritt noch einmal verbessert, die 6:0-Deckung, die Christian Prokop spielen lässt, ist flexibel, flink, unberechenbar. Der Cheftrainer setzt darum auch für den Deckungsverbund auf die Leipziger Maximilian Janke und Bastian Roschek und sortiert den unbeweglicheren 2,10-Meter-Mann Lemke, dessen Stern bei der EM 2016 zu leuchten begann, kurzerhand aus. Aus 20 mach 16: Im Rückraum setzt Prokop auf die Linkshänder Steffen Weinhold (THW Kiel) und Kai Häfner (Hannover), dürfte sich am Sonntag besonders auch über die Leistung von Philipp Weber, der in kurzer Zeit mit vier fantastischen Toren glänzte, gefreut haben. Und weil überraschend Roschek und sogar der ursprünglich gar nicht nominierte und erst für den verletzten Niclas Pieczkowski nachgerückte Janke auf den EM-Zug aufspringen, Prokop - bis zum Ende der Vorsaison noch Trainer beim SC DHfK Leipzig - völlig unerwartet einem Leipziger Trio das Vertrauen schenkt und darüber hinaus mit Uwe Gensheimer nur auf einen Linksaußen baut, werden mit Dahmke, Wiede und Lemke gleich drei Europameister ins Abseits gestellt. "Das war die schwierigste Entscheidung meiner bisherigen Amtszeit", sagt Prokop. "Wir haben sehr gute Möglichkeiten, um auch im Laufe des Turniers reagieren zu können. Die EM ist lang."

"Klar, da fühle ich mit", sagt Rechtsaußen Tobias Reichmann mit Blick auf seine nicht berücksichtigten Teamkollegen, nach einem überdeutlichen 30:21 eines DHB-Teams in Turnierform, das auf allen Schlüsselpositionen stark besetzt ist. Nach zwei freien Tagen fliegt der amtierende Europameister am Donnerstag von Berlin nach Zagreb, wo am Sonnabend (17.15 Uhr) das Auftaktmatch gegen Montenegro auf dem Programm steht.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 08.01.2017, Foto: Sascha Klahn)

Einwurf der Kieler Nachrichten: Leipziger Allerlei

Es hat ihn schon wieder erwischt: Rune Dahmke fährt nicht mit zur EM. Ausgerechnet der THW-Linksaußen, der Olympia verpasste und bei der WM in Frankreich so unsanft vom damaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson aus der Bahn geworfen wurde. Es liegt nicht an Dahmke, der sich stets professionell in den Dienst der Mannschaft stellt. Sein Positionskollege, Kapitän Uwe Gensheimer, ist beim Deutschen Handballbund sakrosankt. Und auch wenn nicht wenige davon überzeugt sind, dass die Bad Boys vor zwei Jahren mit dem irgendwie farblosen Gensheimer gewiss nicht den EM-Titel gewonnen hätten, geht Bundestrainer Christian Prokop das Risiko ein und verzichtet auf der Linksaußen-Position auf einen zweiten Mann. Noch krasser sind andere Entscheidungen: Prokop, bis zum Sommer noch beim SC DHfK Leipzig an der Seitenlinie verantwortlich, protegiert die Leipziger Roschek und Janke, mit denen nun wirklich niemand gerechnet hätte. Janke war ja nicht mal für das vorläufige Aufgebot nominiert. Mit diesem Leipziger Allerlei macht Prokop vor allem sich selbst angreifbar und muss nun bei der EM - liefern.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 08.01.2017, Foto: Sascha Klahn)