Steffen Weinhold eröffnet Special Olympics: "Wir können viel voneinander lernen"

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Dienstag, 15.05.2018 // 11:34 Uhr

Mit einer bunten, abwechslungsreichen und faszinierenden Show wurden am Montat die "Special Olympics 2018" in Kiel eröffnet. Mehr als 8000 Athleten feierten in der Sparkassen-Arena den Beginn der Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung. Mittendrin auch zwei Zebras: Rune Dahmke und Steffen Weinhold durften als "Gesichter der Spiele" mit den Special-Olympics-Athleten Christoph Bertow (Unified Basketball), Michaela Harder (Leichtathletik) und Pierre Petersen (Fußball) die Special-Olympics-Flamme in Kiel entzünden. Im Interview erklärt Steffen Weinhold, warum er sich für den inklusiven Sport und das Groß-Event in seiner Wahl-Heimat Kiel engagiert.

"Es ist wichtig, dass man im Sport Inklusion lebt"

Steffen, für die Special Olympics Kiel hast Du mittlerweile etliche Termine gemeinsam mit den Athleten absolviert. War das dein erstes Zusammentreffen mit Menschen mit geistiger Behinderung?
Nein, meine Schwester ist in Einrichtungen Ergo-Therapeutin, und meine Tante ist dort auch Betreuerin. Wenn ich zu Hause bin, habe ich dort schon ein paar Mal vorbei geguckt und hatte natürlich auch Kontakt mit den Menschen. Mit den Athleten, die dann auch bei den Special Olympics teilnehmen, hatte ich mich vor dem offiziellen Foto-Shooting noch nicht getroffen. Dabei hatten wir viel Spaß. Man sieht dann doch, dass die Athleten mit geistiger Behinderung manche Dinge anders wahrnehmen und anders darauf reagieren. 

Was ist Ihre Motivation sich als "Gesicht der Spiele" zu engagieren?
Es ist sehr wichtig, dass für die Special Olympics und sportlich aktive Menschen mit geistiger Behinderung eine Öffentlichkeit geschaffen wird. Natürlich habe ich durch meine Familie eine direkte Beziehung dazu, weil meine Schwester mir schon Geschichten von den Kindern erzählt und sie diese sehr ins Herz geschlossen hat.  Jetzt hat sich auch mir die Möglichkeit geboten, mich hierfür zu engagieren. Das mache ich natürlich gerne.

Handball ist eine klassische Mannschaftssportart. Wie wichtig ist das Team für einen Sportler? 
Ein Team ist natürlich immer wichtig. Michaela, Christoph und Pierre wissen vermutlich noch viel besser, wie wichtig es ist, dass man immer füreinander da ist und dass man Menschen in seinem Umfeld hat, die für einen da sind. Das ist ja der Team-Gedanke, sowohl auf als auch abseits des Spielfelds.

Was hältst von inklusiven Sportangeboten, wie es sie mit Unified Sports auch bei Special Olympics Deutschland gibt? Kannst Du dir vorstellen, in einem inklusiven Team Sport zu machen?
Es ist sehr wichtig, dass man im Sport Inklusion lebt und auf Augenhöhe miteinander Sport macht. Klar kann ich mir vorstellen, da mitzumachen. Ich denke, dabei geht es dann nicht in erster Linie um Titel oder Siege, sondern um den Austausch miteinander. Ich kann mir schon vorstellen, zusammen auf dem Fußballplatz, auf dem Handballfeld oder beim Basketball in einer Mannschaft zu spielen.

Gibt es etwas, was Du vielleicht von Sportlern mit geistiger Behinderung lernen kannst?
Wenn man sich die Zeit nimmt und mit den Menschen spricht, kann man immer viel voneinander lernen. Oft ist es so, dass die Athleten viel mehr aufs Detail oder auf Kleinigkeiten achten oder sie viele zwischenmenschliche Dinge viel emotionaler wahrnehmen als wir das vielleicht in unserer schnelllebigen Welt machen. Das finde ich sehr spannend. 

Die drei Athleten machen ja anderen Sportarten als Du. Für welche Sportarten könntest Du dich neben dem Handball begeistern?
Ich bin allgemein sehr sportbegeistert. Fußball und Basketball finde ich beides super. Leichtathletik und Schwimmen gucke ich mir auch mal an. Aber Sport macht mir persönlich nicht so viel Spaß, wenn kein Ball dabei ist.

Im Sommer 2016 hast Du die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio gewonnen. Wie hast Du die Olympischen Spiele wahrgenommen?
Es war für mich immer ein großes Ziel bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Damit ging für mich ein Traum in Erfüllung. Dass wir dort eine Medaille gewinnen konnten, war etwas ganz Besonderes. Sein Land zu vertreten unter den ganzen Sportlern und den verschiedenen Sportarten war eine ganz besondere Erfahrung.  

Konntest Du etwas vom Olympischen Flair und vom Rahmenprogramm mitnehmen?
Relativ wenig. Wir Handballer haben vom ersten bis zum letzten Tag im Zwei-Tages-Rhythmus gespielt, und dazwischen war Training. Da blieb nicht so viel Zeit, die anderen Athleten zu unterstützen. Andere Sportarten konnten da mehr mitnehmen. Die Schwimmer haben zum Beispiel traditionell in der zweiten Woche frei. Aber auch als Handballer bekommt man einiges mit und trifft sich mit den anderen Sportlern im Haus, und das ist schon eine besondere Atmosphäre.

Bist Du manchmal noch aufgeregt vor wichtigen Spielen?
Klar. Es ist ganz wichtig, dass man aufgeregt ist. Durch die Aufregung steigt der Adrenalin-Spiegel, und es werden vielleicht nochmal die letzten Prozente rausgekitzelt, Anspannung und Konzentration gestärkt.

Die Special Olympics finden in diesem Jahr in Deiner (Wahl-)Heimat Kiel statt. Worauf können sich die Athleten in Kiel freuen?
Die Athleten sind ja zum Sport machen hier. Sie müssen gut essen, gut schlafen, sich konzentrieren und ihre Wettkämpfe möglichst gut bestreiten. Ich weiß nicht, wie viel Freizeit die Athleten haben, aber wenn sie mal Zeit haben, können sie auf jeden Fall das Meer hier genießen. Bei gutem Wetter ist das Beste, ans Meer zu fahren und die Zeit dort zu verbringen. In der Stadt gibt es auch viele schöne Ecken. Ich wohne am Schrevenpark. Wenn sie mal die Seele baumeln lassen oder nochmal die Konzentration sammeln wollen, dann sollten sie da vorbei schauen.

Was wünschst Du den Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung für ihre Sommerspiele in Kiel?
Ich hoffe auf weiterhin gutes Wetter und dass die Athleten hier ihren Spaß haben! Es sollen erfolgreiche Wettkämpfe für alle werden - und die Athleten sollen eine tolle Atmosphäre erleben können!

 

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