KN: Deutsche Handballer deklassieren Israel mit 37:21

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Donnerstag, 25.10.2018 // 10:40 Uhr

Wetzlar. Die Zahlen: Deutschland hat den Auftakt in die Qualifikation zur Handball-Europameisterschaft 2020 erfolgreich gestaltet. Das 37:21 (19:9) gegen Israel offenbarte dabei einen echten Klassenunterschied. Aber wer denkt eigentlich schon an die EM 2020? Vielmehr bedeutete das ungleiche Duell in der ausverkauften Rittal Arena in Wetzlar den Beginn den Hinfieberns auf die Heim-Weltmeisterschaft im Januar. Dahingehend war der Erkenntnisgewinn für Bundestrainer Christian Prokop allerdings eher rudimentär.

Das Fieber steigt

Prokop, für den vom Turnier in Deutschland und Dänemark gewiss auch die eigene Weiterbeschäftigung abhängt, hat seinen Kader für die Quali-Duelle mit Israel und am Sonntag (19.30 Uhr) im Kosovo ordentlich umgekrempelt. Hier aus den (schlechten) Erfahrungen der EM 2018 heraus, da aufgrund massiven Verletzungspechs – insbesondere im rechten Rückraum mit den Ausfällen Steffen Weinhold (THW Kiel), Fabian Wiede (Füchse Berlin) und Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf). Darum feiert beispielsweise Routinier (und Zweitliga-Spieler) Martin Strobel sein Comeback als Spielgestalter, der 21-jährige Franz Semper sein Debüt auf Halbrechts. Der eine (Strobel) kehrt sofort als unaufgeregt schnörkelloser Regisseur ins Bad-Boy-Gefüge zurück. Der andere (Semper) denkt sich nichts dabei und spielt frech auf, erzielt insgesamt vier Tore und macht eben einfach seinen Job. "Er hat es überragend gemacht, ist ein Spieler für die Zukunft", wird Kiels Abwehr-Stratege Patrick Wiencek später sagen.

Wiencek demonstriert besonders in Halbzeit eins seinen unschätzbaren Wert für die Nationalmannschaft. Mit seinem Mittlerweile-Teamkollegen Hendrik Pekeler stellt er einen überragenden Innenblock, perfektioniert das Zusammenspiel mit Torwart Andreas Wolff - noch ein Zebra. Nach 20 Minuten ersetzt der 22-jährige Lemgoer Tim Suton Strobel in der Mitte, zieht die Dinge anders auf, aber "mit noch mehr Torgefahr" (Prokop), so dass fast schon davon auszugehen ist, dass das Spielmacher-Duo Strobel/Suton Akteure wie Steffen Fäth oder Philipp Weber bis zur WM endgültig verdrängen wird. Tobias Reichmann wirft sieben Tore vor, Kapitän Uwe Gensheimer ebenso viele nach der Pause. Nach der Pause probiert der Bundestrainer einige Dinge aus, will die aus Kiel bestens bekannte 3:2:1-Deckung als zweites Defensivmodell etablieren. "Wir haben im Verlauf des Spiels ein wenig in der Konzentration nachgelassen, können über weite Strecken aber zufrieden sein", so Prokop.

Prokop weiter: "Wir nehmen einiges mit aus diesem Spiel, haben in der 3:2:1 aber auch unsere Fehler aufgezeigt bekommen." Fehler, die sich auch im Abschluss zusehends einschlichen. Stabile Abwehr, individuelle Klasse, "ein paar einfache Fehler zu viel" (Fabian Böhm) und am Ende doch ein Muster ohne Wert? "Natürlich sind die zwei Punkte in der EM-Qualifikation wichtig", sagt Prokop. Für seinen Kapitän Uwe Gensheimer gehören die Spiele gegen Israel und im Kosovo "zur WM-Vorbereitung". Denn, so der Wahl-Pariser, man spüre dieses Großereignis immer näher kommen.

 Im zweiten Spiel der Qualifikations-Gruppe 1 besiegte Polen am Abend den Kosovo deutlich mit 37:13.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 25.10.2018, Foto: Sascha Klahn)

Statistik: EM-Qualifikation, 1. Spieltag: Deutschland - Israel 37:21 (19.9)

Deutschland: Andreas Wolff (THW Kiel/1.-39. Minute/11 Paraden), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin(ab 39./5) – Uwe Gensheimer (Paris SG) 7/3, Finn Lemke (MT Melsungen), Patrick Wiencek (THW) 2, Tim Suton (TBV Lemgo) 3, Tobias Reichmann (Melsungen) 7/5, Hendrik Pekeler (THW) 1, Martin Strobel (HBW Balingen-W.), Patrick Groetzki (RN Löwen), Franz Semper (DHfK Leipzig) 4, Julius Kühn (Melsungen) 4, Matthias Musche (Magdeburg) 2, Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf) 3, Niclas Pieczkowski (Leipzig) 2, Jannik Kohlbacher (Löwen) 2.

Israel: Elimelech (1.-13. Minute/0 Paraden), Shamir (ab 13./9) – Shkalim 1, Gera, Sidi, Levy 3, Peres Shalem 2, Hershkowitz 1, Gerera 2, Tutkenitz 2, Stelman, Appo, O. Cohen 1, A. Cohen 2, Segal 2, Pomeranz 5/2.

Schiedsrichter: Gasmi/Gasmi (Frankreich)
Strafminuten: GER 6 (Semper, Strobel, Lemke), ISR 4 (O. Cohen, Tutkenitz)
Siebenmeter: GER 8/8, ISR 2/2
Spielfilm: 0:1, 4:1 (6.), 8:2, 10:5 (20.), 15:6, 15:8 (27.), 19:9;
23:10, 25:13 (42.), 26:15, 29:16 (46.), 33:18 (54.), 37:21
Zuschauer: 4347 (ausverkauft) (Rittal Arena, Wetzlar)

 

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