KN: Wiederholt sich das "Wintermärchen"?

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Donnerstag, 04.10.2018 // 07:40 Uhr

Köln. 100 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen eine vereinte koreanische Mannschaft hat der Deutsche Handballbund (DHB) in Köln das neue Trikot der Handball-Nationalmannschaft präsentiert. Zum ersten Mal werden die Bad Boys das Trikot beim EM-Qualifikationsspiel am 24. Oktober gegen Israel tragen. "Die Vorfreude auf die WM steigt jeden Tag, aber wir wissen auch, wie viel Arbeit noch vor uns liegt", sagte Bundestrainer Christian Prokop. Mittlerweile steht auch der Fahrplan bis zu den Heim-Titelkämpfen vom 10. bis 27. Januar. Die Umrisse des WM-Turniers nehmen immer weiter Form an.

Generalprobe gegen Argentinien in Kiel

Wird die Nationalmannschaft in vollen Hallen spielen?
Knapp 300 000 der rund 500 000 für Fans in Deutschland verfügbaren Tickets sind laut DHB-Vorstandschef Mark Schober bisher verkauft. Tickets können pro Spieltag gekauft werden, so dass bis zu drei Spiele pro Tag gesehen werden können. Gerade für die Vorrundenspieltage mit deutscher Beteiligung in Berlin wurden bisher viele Tickets verkauft, noch stehen aber für alle Partien der DHB-Auswahl Karten zur Verfügung. Das liegt auch daran, dass einige der teilnehmenden Nationen nur wenige der ihnen zustehenden Tickets für ihre Fans bestellt haben. Das nicht abgerufene Kontingent ging nun in den freien Verkauf. Dadurch gibt es jetzt unter anderem auch wieder wenige Karten für das Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft am 10. Januar gegen das gesamtkoreanische Team. In Vorrundengruppe A heißen die weiteren Kontrahenten Brasilien, Serbien, Russland und Weltmeister Frankreich.

Wird der WM-Auftaktgegner definitiv eine vereinte koreanische Mannschaft sein?
Nach Mitteilung vom Weltverband IHF und dem DHB von Mittwoch haben die beiden koreanischen Staaten und ihre Nationalen Olympischen Komitees die im Juni ausgesprochene IHF-Einladung angenommen, um bei der WM mit einem vereinten Team anzutreten. Laut IHF werden mindestens vier Spieler aus Nordkorea Teil der Mannschaft sein. Eine Mogelpackung? "Um die Integration der nordkoreanischen Spieler zu erleichtern, dürfen die Koreaner 20 statt 16 Spieler für die Weltmeisterschaft nominieren", heißt es von der IHF. Korea wird bei der WM wie bei den Olympischen Winterspielen 2018 von Pyeongchang unter dem Länderkürzel COR und unter der einheitlichen weiß-blauen Flagge, die das vereinte Korea zeigt, antreten. Als Dritter der Asienmeisterschaft 2018 hatte sich Südkorea für die WM qualifiziert.

Wird die WM diesmal im frei empfangbaren TV zu sehen sein?
Es sieht gut aus. Die Sportmarketingagentur Lagardère Sports verhandelt mittlerweile mit interessierten deutschen TV-Sendern über die Vergabe der Übertragungsrechte. Zuvor hatte die IHF den Vertrag mit dem bisherigen Vermarkter MP & Silva aufgelöst, weil dieser in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Welcher TV-Sender hierzulande die Spiele übertragen wird, ist offen. Aber anders als noch bei der WM 2017 oder auch beim Turnier 2015 soll es die deutschen Partien diesmal im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen geben. "Ich gehe davon aus, dass die Rechte möglichst bald vergeben werden", sagt DHB-Vorstand Schober.

Kann die DHB-Auswahl das "Wintermärchen" von 2007 wiederholen?
Das wird schwer. Die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop zählte zuletzt nicht mehr zur Weltspitze. Sowohl die WM 2017 als auch die EM 2018 verliefen mit zwei neunten Plätzen aus sportlicher Sicht enttäuschend. Mit positiven Auftritten zu Beginn des Turniers könnte aber schnell eine Euphorie um die Nationalmannschaft entstehen. Auch das Team von Ex-Coach Heiner Brand war 2007 nicht als Topfavorit in die Heim-WM gestartet. 2019 wird es auch auf die Beziehung zwischen Prokop und seinen Spielern ankommen.

Kann Prokop die Mannschaft zum Erfolg führen?
Bei der vergangenen EM in Kroatien hatte es Unstimmigkeiten zwischen dem Bundestrainer und einigen Spielern gegeben. Der 39-Jährige stand anschließend schon nach seinem ersten Turnier vor dem Aus. Letztlich entschied sich eine Mehrheit im DHB-Präsidium aber für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Trainer und Spieler betonen mittlerweile das gute Verhältnis. Wie stabil diese Beziehung tatsächlich ist, wird sich spätestens während des Turniers zeigen. 

Wie bereiten sich die Bad Boys auf das Turnier vor?
Die letzten Pflichtspiele in diesem Jahr stehen für die DHB-Auswahl im Oktober in der EM-Qualifikation in Wetzlar gegen Israel (24.10.) und im Kosovo (28.10.) auf dem Programm. Am 12. Dezember folgt ein Länderspiel in Rostock gegen Polen, ehe ab dem 2. Januar die heiße Phase der WM-Vorbereitung mit einem Lehrgang und zwei letzten WM-Testspielen beginnt. Diese Generalprobe für die Heim-WM wird die DHB-Auswahl mit einem doppelten Test gegen Tschechien (4. Januar) und Argentinien (am 6. Januar in Kiel) bestreiten. "Das sind zwei Mannschaften, die wir uns bewusst ausgewählt haben. Ein europäisches Team mit disziplinierter Spielweise und mit Argentinien einen sehr emotionalen, offensiven und kampfstarken Gegner", sagte Bundestrainer Christian Prokop am Rande der Trikot-Präsentation in Köln.

(Von Eric Dobias und Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 04.10.2018, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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