Heimweg mit Trostpflaster

THW Kiel in den Medien
Montag, 02.09.2019 // 10:42 Uhr

Dammam. Um 23.50 Uhr Ortszeit stieg die Karawane des THW Kiel am späten Sonnabendabend in Dammam in den Flieger gen Heimat. Was im Gepäck fehlte: Siegerpokal und zweiter Titel in der Vereinsgeschichte bei der Handball-Klub-WM Super Globe. Nach dem 32:34 (17:15) im Finale gegen den FC Barcelona passte immerhin noch ein "Trostpflaster" in Höhe von 250 000 Dollar Preisgeld ins Kieler Handgepäck für den Flug via Kuwait-Stadt und Frankfurt am Main nach Hamburg.

Der THW Kiel verliert das Finale mit 32:34 gegen den FC Barcelona

Die 400 000-Dollar-Siegprämie strichen die Katalanen für ihren insgesamt fünften Super-Globe-Titel - den dritten in Folge - ein und durften sich dafür besonders bei zwei Akteuren bedanken: Schlüsselverpflichtung Luka Cindric und Ex-Zebra Aron Palmarsson. Die Partie nahm zunächst einen wellenförmigen Verlauf. Nach gutem Start taten sich die Zebras zusehends schwer im Positionsangriff, gerieten mit 8:10 in Rückstand und bekamen besonders den starken kroatischen Spielmacher Cindric zu keinem Zeitpunkt in den Griff, der am Ende elf Tore auf seinem Konto verbuchte. THW-Chefcoach Filip Jicha stellte nach einer Viertelstunde die Abwehr auf eine offensive 3:2:1 um, brachte Duvnjak, Reinkind, Dahmke und Wiencek in einer komplett umgekrempelten Offensive, die auf eine flinke Abwehr der Katalanen traf, die die Kieler im Positionsangriff früh in Empfang nahm.

Die Umstellungen machten sich bezahlt, die Hereinnahme von Lukas Nilsson sorgte für "leichte" Tore. Niklas Landin, der 60 Minuten lang das Kieler Tor hütete, hatte einen guten Tag erwischt. Bis zur Pause (17:15) war die Partie wieder gedreht, und auch in Halbzeit zwei hatten die Kieler bis zum 23:20 (38.) die richtigen Rezepte. Und dann? "Barcelona war in den entscheidenden Momenten frischer und etwas cleverer", resümierte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Jicha rotierte, suchte nach Lösungen, zunächst wieder defensiv in einer 6:0-Abwehr, später erneut offensiv ausgerichtet. Im Angriff zogen Miha Zarabec und Gisli Kristjánsson teilweise gemeinsam die Fäden, legten den Hebel um auf Eins-gegen-Eins, viel Körperlichkeit, Sturm und Drang.

Doch zuweilen wurde die Vorbereitung der Würfe schlechter, die Ideen schwanden. Bis zum 27:27 (49.) blieb die Partie auf Messers Schneide. Die entscheidenden Impulse setzte in der Folgezeit der ehemalige Kieler Aron Pal-marsson im FCB-Dress. Sein Doppelschlag zum 28:31 (54.) sorgte für eine Vorentscheidung, auch wenn es in der Hitze der Schlussphase nach einer Roten Karte gegen Dika Mem nach einem Foul an Hendrik Pekeler, einer umstrittenen Stürmerfoul-Situation und verwandeltem Siebenmeter von Niclas Ekberg zum 32:33 (60.) noch einmal eng wurde. Doch wieder war es Palmarsson, der mit dem 32:34-Schlusspunkt alles klarmachte. "Schade, aber wir haben trotz der Niederlage eine gute Leistung gezeigt. Ein paar dumme Fehler in der zweiten Halbzeit von uns und ein paar unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen haben letztlich den Ausschlag gegeben", sagte Spielmacher Miha Zarabec.

Barcelona habe das Spiel am Ende "glücklich, aber verdient" gewonnen, so Filip Jicha. Viktor Szilagyi zog nach einer "intensiven Woche" in Saudi-Arabien ein postives Gesamtfazit: "Die Mannschaft ist enger zusammengerückt. Das Turnier hat gezeigt, dass wir alle 16 Spieler brauchen. Es war notwendig, die Kräfte zu verteilen. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt. Die Stimmung in der Halle war schon wie bei einem Vorbereitungsturnier, wurde aber von Tag zu Tag besser.“ Mit einem ähnlichen Gefühl und Vorfreude auf die Heimat, wo bereits am Dienstag (19 Uhr, Sparkassen-Arena) das nächste Bundesliga-Spiel gegen die Eulen Ludwigshafen wartet, traten Linksaußen Rune Dahmke und Kreisläufer Hendrik Pekeler die Heimreise an. "Jetzt freuen wir uns am Dienstag mal wieder auf Handball mit richtig Atmosphäre! Die Stimmung vor Ort war so gut wie nicht mehr vorhanden, als die afrikanischen und arabischen Mannschaften ausgeschieden waren", sagte Dahmke. Pekeler: "Die Organisation war gut, es gab gar keine Probleme. Es war eine gute Zeit für uns als Mannschaft. Jetzt gilt es, die Köpfe für die Eulen freizukriegen und gegen Magdeburg im Vollbesitz unserer Kräfte zu sein."

 (Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 02.09.2019, Foto: Sascha Klahn)