WM 2019: DHB-Team für Riesen-Kampf gegen Frankreich nur mit einem Punkt belohnt

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Dienstag, 15.01.2019 // 21:31 Uhr

Als 13.500 Fans in der Berliner Mercedes-Benz-Arena in Jubel verfielen, schien die deutsche Mannschaft sich für 60 Minuten leidenschaftlichen Kampf gegen die wohl beste Mannschaft der Welt belohnt zu haben. Patrick Wiencek blockte den finalen Freiwurf der Franzosen, die Fans auf den Tribünen verfielen in einen Jubelrausch. Als alle vorbei schien, musste der Titelverteidiger gegen diese DHB-Auswahl noch einmal in den großen Glückstopf fassen: Die dänischen Unparteiischen Gjeding/Hansen wurden zum Partycrasher, bedeuteten dem Kampfgericht, den von den Franzosen ausgeführten Freiwurf nicht angepfiffen zu haben. Wiederholung, und dieses Mal fand N'Guessan die Lücke: Das dramatische Ende einer Begegnung, in die Deutschland alles hineingeworfen hatte. sich letztlich durch den späten 25:25 (12:10)-Ausgleichstreffer des Titelverteidigers aber nur mit einem Punkt zufrieden geben musste.

Deutschland startet stark

Patrick Wiencek ackerte in der Abwehr und im Angriff für zwei

Einen Tag nach dem ärgerlichen Unentschieden gegen Russland zeigte die DHB-Auswahl von Beginn an den Biss, den es gegen den Titelverteidiger braucht: Andreas Wolff war früh in der Partie, Patrick Wiencek ackerte im Deckungs-Zentrum für zwei und riss seine Nebenleute und die 13.500 Fans mit. Beinahe sieben Minuten brauchten die Franzosen, ehe sie zu ihrem ersten Treffer kamen. Nur vier Minuten mehr, um die 2:0- und 3:1-Führung der DHB-Auswahl auszugleichen. Es entwickelte sich eine Partie auf ganz hohem, kämpferischen Niveau. Beide Abwehrreihen dominierten das Geschehen, und die deutsche Mannschaft konnte sich trotz Vorteilen nicht absetzen. Wieder einmal war die Durchschlagskraft im Angriff das Problem, technische Fehler luden die Franzosen zu Kontern ein. Die gingen nach 19 Minuten erstmals in Führung, die aber nicht lange Bestand hatte: Wiede traf aus zehn Metern zum 8:6, Groetzki und der starke Strobel legten kurz darauf das 10:7 nach. Ein Vorsprung, den Hendrik Pekeler in Unterzahl am Boden liegend mit dem 11:8 verteidigte. Ärgerlich, dass nach Strobels 12:9 und Wolffs Parade gegen Dipandas Schnelle Mitte niemand den Abpraller sicherte und Lagarde so noch der Anschluss gelang.

Sekunden fehlen zum Sieg

Nach dem Wiederanpfiff ließen die Franzosen ihre Stärken aufblitzen: Aus einer starken Defensive heraus wurde schnell nach vorn gespielt und im Positionsangriff geduldig auf eine Chance gewartet. Lagarde traf zum 13:13-Ausgleich, und wneig später erzielte der neunfache Torschütze Mahé beim 15:14 sogar die französische Führung (36.). Bis zur 40. Minute legte die Franzosen vor, und Deutschland glich mit großem Aufwand aus. Dann schnappte Wiencek sich hinten den Ball und schickte Pekeler zum 18:17 auf die Reise - jetzt war es die DHB-Auswahl die vorlegte. In der 52. Minute dann schaffte es die deutsche Mannschaft nach einem Doppelpack von Drux und Gensheimer, sich erstmals wieder mit zwei Toren abzusetzen. Der Vorsprung hielt bis zur 58. Minute, dann hielt Gerad beim Stand von 25:24 einen freien Wurf von Fabian Böhm. Trotzdem verteidigte die DHB-Auswahl die Führung, kam wieder in Ballbesitz. Doch es fehlte die Cleverness: Böhms Pass auf Gensheimer 26 Sekunden vor dem Ende war zu ungenau, Frankreich bekam noch einmal den Ball - das dramatische Ende nahm seinen Lauf. "Wir haben gefightet um jeden Zentimeter, wir haben als Team zusammengestanden, wir haben Stresssituationen gemeistert und wir sind überglücklich, dass wir dem Weltmeister einen Punkt abluchsen konnten", sagte Bundestrainer Christian Prokop. "Wir nehmen viel Selbstvertrauen mit. Irgendwann werden wir uns belohnen."

Donnerstag gegen Serbien

Nach dem dramatischen Ende: Leere Blicke trotz eines Riesen-Spiels

Nach dem Doppelpack gegen Russland und Frankreich innerhalb von 24 Stunden hat die deutsche Mannschaft vor dem abschließenden Vorrunden-Spiel einen Tag Pause. Am Donnerstagabend dann fordert Serbien die DHB-Auswahl zum finalen Duell vor der Hauptrunde. Anwurf in Berlin ist um 18 Uhr, die ARD Sportschau überträgt live. Gemeinsam die Daumen drücken können Fans in Kiel wieder beim Public Viewing im beheizten "Handballbahnhof": Um 17:30 beginnt das kostenlose Programm vor der Großbildleinwand. Auf geht's in den Handballbahnhof, Kiel!

Statistik, WM 2019, 4. Vorrunden-Spieltag: Deutschland - Frankreich: 25:25 (12:10)

Deutschland: Heinevetter (2 Paraden), Wolff (9 Paraden); Gensheimer (4/1), Lemke, Wiencek, Wiede (4), Pekeler (3), Weinhold, Strobel (4), Fäth (1), Groetzki (3), Semper (n.e.), Musche (n.e.), Böhm (2), Kohlbacher (2), Drux (2) 

Frankreich: Dumoulin (1 Parade), Gerad (6 Paraden); Remili (3), Lagarde (2), Mem (2), Mahe (9/4), Grebille (2), N'Guessan (1), Abalo (1), Sorhaindo, Guigou (1), L. Karabatic (1), Fabregas (3), Claire, Dipanda, Porte

Schiedsrichter: Gjeding / Hansen (DEN)
Siebenmeter: Deutschland: 4/3 (Gerad hält Gensheimer) / Frankreich: 4/4
Zeitstrafen: Deutschland: 5 (Lemke, Weinhold, Böhm, Kohlbacher, Drux) / Frankreich: 6 (2x Mem, 2 Dipanda, 2x Fabregas)
Zuschauer: 13.500 (ausverkauft) (Mercedes-Benz-Arena, Berlin)