"Wie alles begann": Wieder zurück

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Dienstag, 02.07.2019 // 11:19 Uhr

Auch Zebras haben einmal klein angefangen. In der Serie "Wie alles begann" erzählen die Profis des THW Kiel, wie sie zum Handball gekommen sind und ihre steilen Karrieren ins Rollen gebracht haben. Der Kreisläufer Hendrik Pekeler verrät, warum er sich für den Handball entschied und die Wahl seiner Rückennummer für Kopfzerbrechen sorgte.

Hendrik Pekeler

Er gehört mit gerade einmal 27 Jahren bereits zu den alten Hasen des deutschen Handballs. Und dennoch waren die Weichen von Hendrik Pekeler nicht seit frühester Kindheit auf Handball gestellt, obwohl dieser schon immer ein Teil seiner Familie war. Pekelers Schwestern spielten selbst, und seine Mutter stand als Trainerin an der Seitenlinie. Der kleine Hendrik allerdings entdeckte seine Leidenschaft erst später, wie der inzwischen echt groß gewordene Pekeler erzählt: "Ich habe früher eigentlich immer nur Fußball gespielt. Als ich dann aber irgendwann doch mal mit zum Handball ging, hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin - das war in der D-Jugend, mit elf oder zwölf."

Zwei Jahre lang drehte er parallel auf dem Rasen und in der Halle seine Runden. So ist es auch dem berühmt-berüchtigten norddeutschen Schmuddelwetter zu verdanken, dass sich Hendrik Pekeler irgendwann ganz dem Handball widmete, wie er sich mit einem Augenzwinkern zurückerinnert: "Beim Fußball begann ich als Feldspieler. Irgendwann musste ich aber ins Tor, weil wir auf der Position niemanden mehr hatten. Im Winter war es mir dann einfach zu kalt, immer nur rumzustehen und darauf zu warten, einen Ball zu halten - das hat mir dann irgendwann keinen Spaß mehr gemacht." Und so nahm die Karriere des in Itzehoe geborenen und in Glückstadt aufgewachsenen Kreisläufers ihren Lauf.

Der Wunsch, Profi zu werden und als Handballer sein Einkommen zu haben, kam im Teenageralter. "Ich war 15 oder 16 Jahre alt und durfte, als Klaus-Dieter Petersen noch Co-Trainer war, einmal in der Woche donnerstags bei den Profis mittrainieren." Doch auch nach der Aufnahme in den THW-Kader sollte es damals bekanntermaßen noch nicht zum Durchbruch Hendrik Pekelers bei den Zebras kommen, und so verließ er den THW Kiel 2010 in Richtung des Bergischen HC, der damals in der zweiten Liga spielte. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga und insgesamt zwei Jahren im Bergischen Land zog es "Peke" für drei Jahre zum TBV Lemgo und anschließend für ebenso lange Zeit zu den Rhein-Neckar Löwen, bei denen er zum Weltklassespieler sowohl am gegnerischen Kreis als auch im eigenen Abwehr-Mittelblock reifte. Nicht zuletzt war es auch Hendrik Pekelers Verdienst, dass die Mannheimer zwei deutsche Meistertitel und den DHB-Pokalsieg feiern konnten.
Neben den Vereinstiteln sticht ein weiteres sportliches Ereignis her- aus, mit dem Hendrik Pekelers Name und Einsatz eng verknüpft sind. "Das EM-Finale 2016 war ein richtig tolles Ereignis. Wir sind als Underdog ins Turnier gegangen und haben am Ende die Spanier an die Wand gespielt", erinnert er sich an seinen bisher größten Triumph mit der Nationalmannschaft zurück.

Von Underdog kann bei Hendrik Pekeler also schon lange keine Rede mehr sein. Im DHB-Team bildet er mit Patrick Wiencek seit Jahren eine nur schwer zu überwindende Abwehrwand, und seit dem Sommer stehen die beiden auch beim THW Kiel Seite an Seite im Epizentrum der schwarz-weißen Verteidigung. Zum Anpfiff jeder Partie schaltet Pekeler in seinen Spielmodus, geht couragiert und engagiert in jeden Zweikampf. Doch der Vater zweier Töchter hat in seiner Zeit als Profi auch ein paar Veränderungen an sich festgestellt: "Ich habe mich früher leicht provozieren lassen, aber ich habe es mit den Jahren gelernt, meine Emotionen gut im Griff zu behalten."

Ein Charakterzug Pekelers hat sich über die Jahre jedoch nicht geändert - zum Glück: "Ich will immer gewinnen und versuche in jedem Spiel, alles in meiner Macht Stehende dafür zu tun, weil verlieren keinen Spaß macht." Und mit dieser Einstellung hat es Hendrik Pekeler nicht nur vom ETSV Fortuna Glückstadt in die Elite des Welthandballs und zum THW Kiel geschafft, sondern auch in die Herzen unzähliger Handballfans, die seinen bedingunglosen Einsatz im Trikot der Zebras und der deutschen "Bad Boys" honorieren und ihm von der Tribüne im Pekeler-Jersey zujubeln. "Das kann ich manchmal gar nicht richtig glauben, weil ich vor acht, neun Jahren auch noch Trikots meiner Vorbilder getragen habe. Jetzt suchen mich ganz viele andere junge Spieler als Vorbild aus, das macht mich stolz", gibt Pekeler einen Einblick in sein Inneres.

Die Rückkehr im Sommer zu den Zebras fiel Hendrik Pekeler bedeutend leichter als die Wahl seiner neuen Kieler Rückennummer. "Ich habe meine ganze Karriere lang immer die 23 getragen - die hat in Kiel Rune Dahmke. In der Nationalmannschaft laufe ich mit der Nummer 13 auf, die trägt hier Steffen Weinhold", berichtet Pekeler von seinem persönlichen Zahlen-Dilemma. "Ich wusste nicht so genau, welche Nummer ich stattdessen nehmen sollte. Jetzt setzt sie sich aus der Addition der Geburtstage meiner Familie zusammen."

Ob mit der 23, der 13 oder der 61 auf dem Rücken - für Hendrik Pekeler läuft es richtig rund. Mit den Zebras steht er in der Tabelle der DKB Handball-Bundesliga auf Rang zwei und ist in Lauerstellung auf die Tabellenspitze, mit der deutschen Nationalmannschaft sieht er mit großer Vorfreude der Heim-Weltmeiterschaft in ein paar Tagen entgegen.