Geschichte

Wie alles begann

Aller Anfang war auch für die mit 38 nationalen Titeln erfolgreichste Handball-Mannschaft Deutschlands schwer. Seit mehr als 90 Jahren wird beim Turnverein Hassee-Winterbek Kiel Handball gespielt – eine Erfolgsgeschichte, die unter anderem im 68:0-Triple der Saison 2011/2012 mündete und noch lange nicht zu Ende ist. Denn beim THW Kiel schaut man nur kurz auf die Geschichte, richtet dann den Blick aber wieder auf die neuen Aufgaben der Zukunft.

Im Sommer 1923 warfen sich Jugendliche auf dem Platz des Priesterseminars in der Diesterwegstraße erstmals unter dem Dach des 1904 gegründeten Turnvereins Hassee-Winterbek Kiel Bälle zu. Allerdings war aller Anfang schwer, standen den Enthusiasten des erst 1917 erfundenen Handballsports doch zunächst zwar genau ein Ball, aber keine Tore und kein eigener Platz zur Verfügung. Und so fand das erste Spiel am 28. Oktober 1923 zwangsläufig auch „auswärts“ beim Kieler Männerturnverein KMTV statt. Die 0:3-Niederlage entmutigte die Handball-Pioniere keineswegs, und so feierten die THW-Handballer am 9. Dezember 1923 mit einem 1:0-Erfolg gegen den Kieler Turnerbund den ersten Sieg ihrer Vereinsgeschichte.

Vom Feldhandball- zum Hallenmeister

Heinrich Dahlinger
Jubelstimmung: THW-Idol Hein Dahlinger wurde auf Schultern getragen.

Binnen zehn Jahren entwickelte sich der THW zur Handball-Macht in Kiel. Inzwischen – irgendwann zwischen 1925 und 1927 – hatten die THW-Handballer das weiße Shirt gegen ein schwarz-weiß gestreiftes getauscht: Die „Zebras“ waren geboren. Und die sorgten nach dem Zweiten Weltkrieg für Furore. Angeführt von Vereins-Idol Hein Dahlinger, der im Alter von 14 Jahren vom Kieler Ostufer zum THW gewechselt war und in 30 Jahren THW Kiel insgesamt fünf Mal deutscher Meister wurde und in 1871 Spielen 5423 Tore erzielte, begründete der THW Kiel die erste große Ära: im Feldhandball.

1948 gewannen die „Zebras“ um Dahlinger, Helmut Wriedt, Fritz Westheider, „Gockel“ Sievers  und Herbert Rohwer vor 20.000 Zuschauern im Oberhausener Niederrhein-Stadion durch ein 10:8 gegen Waldhof Mannheim die erste deutsche Meisterschaft – die wie alle weiteren Titel des THW stilvoll im Kreis vieler tausend Fans auf dem Rathausplatz gefeiert wurde. Es folgte der Titel 1950 – ebenfalls auf dem Feld, bevor sich auch in Kiel der Hallenhandball durchsetzte. Maßgeblich dafür war die Einweihung der „Ostseehalle“ 1951, die damals knapp 6.000 Zuschauern Platz bot und schon damals oft an ihre Kapazitätsgrenzen stieß. Die THW-Fans waren 1957 schier aus dem Häuschen, als der THW Kiel zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft in der Halle gewann – und damit auch den ersten offiziellen Schritt auf dem Weg zum Rekordmeister machte.

Aufstieg in den 90er Jahren

Klaus-Dieter Petersen
Zwölf Jahre in Diensten der „Zebras“: Kreisläufer und Ehrenspielführer Klaus-Dieter Petersen

Nach den Titelgewinnen 1962 und 1963 waren die erfolgreichen Jahre zunächst vorbei – der THW Kiel hatte mit sportlichen Problemen zu kämpfen. Und doch gelang 1977/1978 die Qualifikation für die eingleisige Bundesliga – aus der die Kieler Handballer nie absteigen sollten. Maßgeblichen Anteil daran hatten die Fans, die aus jedem Heimspiel ein Handball-Fest machten und damit den Mythos „Ostseehalle“ begründeten. Allerdings: An Titel war nicht mehr zu denken. Das änderte sich Anfang der 90er Jahre.

Noka Serdarusic hatte 1993 bei den Kielern das Traineramt übernommen, Ex-Linksaußen Uwe Schwenker professionalisierte als Manager das Umfeld, und Magnus Wislander entwickelte sich in Kiel zum Welthandballer des Jahrhunderts. Der Aufstieg zur besten Handballmannschaft Deutschlands begann. 31 Jahre nach der letzten Deutschen Meisterschaft feierte Kiel 1994 tagelang seine Meisterhelden um Klaus-Dieter Petersen, die auch in den folgenden zwei Jahren die „Schale“ nach Kiel holten. 1998 gewann der THW Kiel neben der Meisterschaft erstmals den DHB-Pokal und mit dem Erfolg im EHF-Pokalfinale gegen Flensburg auch den ersten europäischen Titel – das Premieren-„Triple“ wurde an der Förde gefeiert.

Beste Handballmannschaft Deutschlands

Triple 2012
Eine Saison für die Geschichts-bücher: Meister mit 68:0 Punkten, DHB-Pokalsieger und Champions-League-Gewinner 2012

Nach dem personellen Umbruch 2003 schwang sich der THW Kiel, angeführt von Stefan Lövgren und Marcus Ahlm, in den Folgejahren endgültig zur besten Mannschaft Deutschlands auf. 2007 gelang in zwei dramatischen Finalspielen gegen Flensburg der erste, langersehnte Triumph in der Champions League – verbunden mit dem Triple. In der Bundesliga gewannen die „Zebras“ sechs Meisterschaften in Folge – Rekord! 2007 lösten sie mit dem insgesamt 13. Titel den VfL Gummersbach als bisherigen Rekordmeister ab. 2009 gelang dem THW Kiel der sechste DHB-Pokalsieg – damit sicherten sich die „Zebras“ auch den inoffiziellen Titel des „Rekordpokalsiegers“.

Unter der neuen Führung von Trainer Alfred Gislason, der seit 2008 die Geschicke der Kieler leitet, sorgten die „Zebras“ mit zwei Champions-League-Erfolgen und der wohl einmaligen, perfekten 68:0-Triplesaison, in der man neben dem Pokal und der Champions League die Meisterschaft ohne einen einzigen Punktverlust gewann, für einen weiteren Eintrag in die Geschichtsbücher. Doch satt ist man an der Kieler Förde auch nach bisher 38 nationalen Titeln nicht – der THW Kiel wird weiter daran arbeiten, die erfolgreichste deutsche Handballmannschaft zu bleiben.

Meilensteine des THW Kiel

Fotostrecke

Deutscher Meister 1957
Zum ersten Mal Hallenmeister: Kiel feiert 1957 die Meistermannschaft mit Riekmann, Sievers, Hinrichs, Dahlinger, Lietz, Beck, Heinzel, Spielertrainer Westheider (hinten, v.l.); Knoop, Bartels, Stoldt, Rittke, Baller (vorn, v.l.)
Ostseehallenmeister 196
Der zweite Titel: 1962 begeistern Dr. Bernd Struck und die „Zebras“ Kiel.
Staffan Olsson und Magnus Wislander
Stehen für den sportlichen Aufschwung in den 1990ern: die „alten Schweden“ Staffan Olsson (l.) und Magnus Wislander.
Klaus-Dieter Petersen
Zwölf Jahre in Diensten der „Zebras“: Kreisläufer und Ehrenspielführer Klaus-Dieter Petersen
Stefan Lövgren
Zehn Jahre lang bestimmte Regisseur Stefan Lövgren das Spiel der „Zebras“.
Champions League-Sieger 2007
Der erste große Triumph in der Champions League: Kapitän Stefan Lövgren präsentierte 2007 den Pokal.
Triple 2012
Eine Saison für die Geschichtsbücher: Meister mit 68:0 Punkten, DHB-Pokalsieger und Champions-League-Gewinner 2012

Erfolge des THW Kiel

Champions-League-Sieger

2007, 2010 und 2012

Deutscher Rekordmeister

1957, 1962, 1963, 1994, 1995, 1996, 1998, 1999, 2000, 2002, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2012, 2013, 2014 und 2015

Deutscher Rekord-Pokalsieger

1998, 1999, 2000, 2007, 2008, 2009, 2011, 2012 und 2013

EHF-Pokalsieger

1998, 2002 und 2004

Champions-Trophy-Sieger

2007

Super-Globe-Sieger

2011

Deutscher Rekord-Supercup-Sieger

1995, 1998, 2005, 2007, 2008, 2011, 2012, 2014 und 2015

Serien und Rekorde

  • Längste Meisterschaftsserie

    6 Titel (2005 bis 2010)

  • Längste Serie ohne Bundesliga-Niederlage

    51 Spiele; 101:1 Punkte (22.05.2011 bis 09.12.2012)

  • Längste Siegesserie

    40 Siege (22.05.2011 bis 12.09.2012)

  • Meiste Auswärtssiege in Folge

    21 Siege (22.05.2011 bis 12.09.2012)

  • Torreichstes Spiel der Bundesliga-Geschichte

    THW Kiel – SC Magdeburg (20.12.2005, 54:34)

  • Torärmstes Spiel der Bundesliga-Geschichte

    THW Kiel - TuS 05 Wellinghofen (11.02.1968, 6:4)

  • Tor-Rekord in einer Bundesliga-Saison

    1237 Tore (2006/2007)

  • Bundesliga-Dino

    erstklassig seit Gründung der eingleisigen Bundesliga (1977/78)

  • internationale Top-Platzierung in Serie

    12 Mal das Viertelfinale der Champions League erreicht (2005 bis 2016)
    5 Mal das Champions League Final4 erreicht (2012 bis 2016)

Champions-League-Sieg 2012